"Mit Urteil keine Freude". Herzogenburger Pensionistinnen wurden auf Heimweg mit einem Messer bedroht. Die beiden jugendlichen Täter kamen nun mit bedingten Haftstrafen davon.

Von Hans Kopitz und Alex Erber. Erstellt am 18. Mai 2015 (14:24)
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 Es war schon dunkel, an jenem Jänner-Tag, als Elfriede Winkler (81) ihre Freundin (76) nach Hause begleitete. Gemeinsam hatten sie in einem Geschäft einen Blumenstock anlässlich des 70. Geburtstages ihrer ehemaligen Chefin gekauft. Als sie sich in der Rottersdorfer Straße befanden, beschlich Winkler ein mulmiges Gefühl, weil sie Schritte wahrnahm. Die rüstige Pensionistin drehte sich um und wollte den Nachkommenden auffordern, doch endlich zu überholen. Sekunden später erlebte sie eine böse Überraschung: Gleich zwei Maskierte hatten die Seniorinnen verfolgt, einer fuchtelte mit einem Messer herum und schrie: „Taschen her!“

Als die Frauen laut um Hilfe schrien, gaben die Täter Fersengeld – ohne Beute.

Für den versuchten Raubüberfall mussten sich die zwei Jugendlichen nun in einem Strafprozess am Landesgericht St. Pölten verantworten.

Geldmangel: So lautete mit einem Wort gesagt das Motiv des Österreichers mit türkischem Migrationshintergrund (15) und des Mazedoniers (16) für ihr Verbrechen. Es war ziemlich wirr, was das Duo von sich gab. Der Jüngere, von Richter Markus Grünberger als „Triebfeder“ bezeichnet, will sich von einem „Türken-Capo“ aus der St. Pöltner Hauptbahnhofs-Szene bedroht gefühlt haben. Der Ältere wiederum hatte gehört, dass man „aus 500 Euro 50.000 Euro machen kann“ - wozu natürlich Bares benötigt wurde, das man sich erst durch Betteln beschaffen wollte. Doch nicht einmal die Stiftspriester konnten mit Geld aushelfen: Sie waren nicht da, als die Jugendlichen an die Türe klopften.

Also gingen sie zum City-Center, besorgten sich dort in einem Geschäft „Anonymous“-Masken sowie ein Messer mit einer Klingenlänge von 20 Zentimetern. Wenig später fand der Überfall statt.

15-Jähriger stahl auch Klassenkassa

Der 15-Jährige muss sich vor Gericht auch wegen eines anderen Delikts verantworten: Zehn Tage nach der Attacke auf die Pensionistinnen war genügend kriminelle Energie vorhanden, um die Klassenkassa aus dem Polytechnikum zu klauen. Beute: 100 Euro. Das Geld war bald weg, etwa für einen Döner und ein Ladegerät. Die Kassa versenkte man im Mühlbach.

Die Jugendlichen kamen mit extrem milden Strafen davon: Der 15-Jährige erhielt eine zehnmonatige bedingte Haftstrafe, sein Komplize kassierte gar nur sechs Monate, ebenfalls bedingt. Die Urteile sind bereits rechtskräftig.

Gut gelaunt den Saal verlassen

Bisherige Unbescholtenheit (der 15-Jährige war „nur“ in ein Diversionsverfahren verwickelt) und die umfassenden Geständnisse waren die Gründe, warum die Jugendlichen vom Gefängnis verschont blieben. Sogar der Staatsanwalt sprach in seinem Plädoyer von einer „bedingten Strafe“. Der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Markus Grünberger schloss sich an, bestens gelaunt verließen die Angeklagten daher den Gerichtssaal.

„Ich habe mit dem Urteil keine Freude“, kommentiert Elfriede Winkler, andererseits sei sie mit dem Richterspruch einverstanden: „Man kann ihnen nicht das ganze Leben verbauen. Ich weiß, schon mit 15 Jahren so gewaltbereit sein, ist nicht in Ordnung, aber der Vater hat sich unzählige Male für seinen Sohn entschuldigt. Wir haben auf Schmerzensgeld oder irgendeine Entschädigung verzichtet, denn die Eltern der beiden Buben sind schon gestraft genug.“