„Abgang mit Würde sieht ganz anders aus“. Die Abrechnung mit Bundeskanzler Kurz empört weite Teile der VP. Haas und Gusel äußern jedoch auch Verständnis.

Von Alex Erber. Erstellt am 24. April 2019 (04:04)
APA/Hans Klaus Techt
Ex-VP-Chef und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner hat in der Vorwoche sein Buch „Haltung - Flagge zeigen in Leben und Politik“ in Wien präsentiert. Er erntete dafür kaum Zustimmung, vielmehr Unverständnis und sogar scharfe Kritik.

Er sieht Österreich auf dem Weg in eine „illiberale Demokratie“, nennt seinen Nachfolger in einem Atemzug mit Donald Trump, Viktor Orban und Jaroslaw Kaczynski und rechnet generell mit Bundeskanzler Sebastian Kurz ab: Ex-VP-Chef, Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner hat mit seinem Buch „Haltung - Flagge zeigen in Leben und Politik“ für Aufsehen gesorgt. Das Werk, verfasst von einer Redakteurin des links-linken Blattes „Falter“, war binnen weniger Tage ausverkauft. Auf Zustimmung bei ehemaligen und nunmehrigen VP-Granden stieß es nicht, auch die Basis äußert gelinde gesagt meist Unverständnis, was auch für die Region Herzogenburg gilt.

„Habe Mitterlehner damals sehr geschätzt“

„Entbehrlich. Das Ganze hätte er sich sparen können“, meint etwa Wölblings geschäftsführender Gemeinderat Peter Hießberger. Pikanterweise arbeitete Hießberger seinerzeit im Staatssekretariat des nunmehrigen Wirtschaftskammer-Präsidenten Harald Mahrer, also an vorderster Front, wenn man so möchte: „Darüber, dass ihn sein Koalitionspartner Christian Kern mit dem ,Plan A‘ praktisch abgeschossen hat, schreibt Mitterlehner übrigens kein Wort. Wenn es auch verzögert ist: Ein Abgang mit Würde sieht ganz anders aus“, so Hießberger.

„Das Buch ist ein Ausdruck seiner persönlichen Enttäuschung“, befindet Traismauers Stadtparteiobfrau und Stadträtin Veronika Haas. Sie könne ihn verstehen. Auch die Traismaurer VP hat schon Enttäuschungen, etwa durch die Landespartei, hinnehmen müssen. Allerdings, so hält Haas fest: „Die junge, veränderte Linie nach Mitterlehner hat Hoffnungen erweckt, die sich im Wahlergebnis eindeutig niederschlugen.“

Herzogenburgs VP-Wirtschaftsstadtrat Erich Hauptmann: „Ich habe Reinhold Mitterlehner damals als korrekten, sehr vernünftigen Politiker geschätzt. Dass er nun zu dieser Revanche ausholt, finde ich seltsam. Man darf ja nicht vergessen, dass die VP unter seiner Ägide in den Umfragen bei 20 Prozent angelangt war. Wir wären drittstärkste Kraft gewesen und hätten wahrscheinlich mit einem blauen Bundeskanzler leben müssen. Es war einfach Zeit für etwas Neues. Dass sich Mitterlehner erst jetzt zu Wort meldet, ist, einfach unverständlich.“

Neo-Parteiobmann Max Gusel versucht den durchaus gewagten Spagat: „Meiner Meinung nach wurde Mitterlehners Buch, welches über 200 Seiten umfasst, von den Medien auf jene paar Seiten, die sich um den Abgang drehen, reduziert und dramatisiert. Was daran eine Abrechnung oder ein Austeilen sein soll, verstehe ich nicht. Er schildert lediglich die Vorgänge, die er in dieser Zeit erlebt hat, ohne dabei untergriffig oder persönlich zu werden.“

Gusel fragt und antwortet: „Muss man als Sebastian-Kurz- Fan daher automatisch ein Reinhold-Mitterlehner-Gegner sein? Nein, natürlich nicht! Mitterlehner, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, arbeitete er sein halbes Leben lang im Dienste der Partei, führte das Land sicher durch die Wirtschaftskrise 2008 und war stets bemüht, Österreich nach vorne zu bringen. Für mich ist es daher ganz klar: Mitterlehner, ein Mann mit Haltung.“

Umfrage beendet

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