Riesiger Wirbel um die Aufbahrungshalle in Traismauer. Einhellige Befürwortung, doch noch ehe Mandatare debattierten, präsentierte Architekt Gebäude bereits auf Homepage.

Von Günther Schwab. Erstellt am 03. März 2021 (04:15)
Vizebürgermeister Thomas Woisetschläger, Baustadtrat Walter Grünstäudl und Bürgermeister Herbert Pfeffer (alle SPÖ) am Areal neben dem Friedhof, wo die Halle errichtet werden soll. Die Parkplätze (im Hintergrund) sollen nicht nur erhalten bleiben, weitere Stellplätze werden hinzukommen. Die und sogar noch mehrere Stellplätze bei der Projektumsetzung hinzukommen. Die Architektenleistung ist mit den Stimmen von SPÖ, Gemeinderat und Nationalratsabgeordnetem Süleyman Zorba sowie Gemeinderat Günther Brunnthaler (parteifrei) vergeben worden. Die ÖVP stimmte dagegen.
Günther Schwab

Das Projekt „Neue Aufbahrungs- und Zeremonienhalle“ war ein äußerst strittiger Tagesordnungspunkt bei der jüngsten Gemeinderatssitzung, die aufgrund der Corona- Pandemie per Umlaufbeschluss abgehandelt wurde.

Beschlossen werden sollten die Architektenleistungen. Für die Planung der neuen Aufbahrungshalle war Architekt Karl Stefan aus Wien vorgesehen. Kostenpunkt: 11.400 Euro.

„Die Aufbahrungshalle ist bereits in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Durch die neue Zeremonienhalle, in der sich bis zu 100 Personen befinden können, ist es auch möglich, kleinere Begräbnisse und Verabschiedungen direkt am städtischen Friedhof abzuhalten“, erläuterte Bürgermeister Herbert Pfeffer (SPÖ).

Auch die ÖVP plädiert für den Neubau, aber sie kritisierte die Auftragsvergabe. „Der Bauausschuss wurde erstmals im Jänner über das geplante Vorhaben im Detail informiert. Bereits Wochen davor hat es Architekt Karl Stefan auf seiner Homepage präsentiert“, zeigte sich Stadträtin und Gemeindeparteiobfrau Veronika Haas entrüstet. Im Budget seien überdies zwar 12.000 Euro für die Planung, jedoch keinerlei Ausgaben für die Errichtung vorgesehen.

„Architekt erstellte eine unbezahlte Vorstudie“

Eine Argumentation, die aus Sicht der SPÖ haltlos ist und nicht den Tatsachen entspricht. „Im Vorjahr hat es Vorbesprechungen mit dem Bestatter, dem Stadtpfarrer und auch einem Traismaurer Bau-Unternehmer gegeben. Dabei ist es darum gegangen, welche Anforderungen eine zeitgemäße Zeremonien- und Aufbahrungshalle erfüllen muss“, berichtete der zuständige Baustadtrat Walter Grünstäudl (SPÖ).

Auf Eigeninitiative des Unternehmers sei der Wiener Architekt Karl Stefan kontaktiert worden, der bereits mehrere derartige Hallen konzipiert und schon mehrere Projekte mit dem Unternehmer durchgeführt habe. Grünstäudl: „Dieser hat wiederum auf Eigeninitiative eine unbezahlte Vorstudie (eine bildliche Darstellung des Projekts) erstellt, die im Bau- Ausschuss auch diskutiert wurde.“

Diese Studie sei für die weitere Vorgehensweise und Projektentwicklung sehr hilfreich gewesen. „Es gibt mehrere Änderungswünsche, die nun nach der Auftragsvergabe in die Planungen eingearbeitet werden. Es hat bis zum Zeitpunkt des Gemeinderatsbeschlusses keine Beauftragung und auch keinen Geldfluss gegeben“, so Grünstäudl abschließend.

Bislang wurden nur die Planungskosten im Budget für 2021 vorgesehen. „Momentan ist es aus finanzieller Sicht sehr fraglich, ob wir mit der Projektumsetzung noch heuer beginnen können. Es lässt sich noch nicht sagen, wann wir das Projekt mit einem Kostenpunkt von rund 624.000 Euro netto realisieren können“, betonte Finanzstadtrat und Vizebürgermeister Thomas Woisetschläger (SPÖ).