Franz Marchat beendet seine politische Karriere. Franz Marchat legt alle politischen Funktionen nieder: „30 Jahre sind genug.“

Von Alex Erber. Erstellt am 04. Februar 2020 (04:35)
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Wenn sich vermutlich schon in der nächsten Woche der Gemeinderat neu konstituiert, wird ein prominenter Name fehlen: Der Sprecher der Bürgerliste „Wir“, Franz Marchat, erklärte exklusiv für die NÖN seinen Rücktritt aus allen politischen Funktionen. Marchat wird sein Gemeinderatsmandat nicht mehr annehmen und auch den Vorsitz bei der Bürgerliste abgeben.

Zwei Freunde: Franz Marchat und Jörg Haider 1990 bei einem Wahlkampfauftritt in Karlstetten vor über 1.000 Besuchern.
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„Das Wahlergebnis bei der Gemeinderatswahl hat nicht die gewünschte Veränderung gebracht. Was ich vor der Wahl gesagt habe, halte ich auch ein. Ich habe mich 30 Jahre in der Öffentlichkeit in verschiedenen Funktionen eingebracht, ich denke, das ist genug“, so Marchat.

„Meine politischen Lehrmeister waren Anton Schalhas und Jörg Haider.“ Franz Marchat

Er sehe das Ganze mit einem lachenden und weinenden Auge: „Natürlich sind wir angetreten, um in der Gemeinde eine Trendumkehr herbeizuführen, die Wähler sind aber scheinbar mit dem eingeschlagenen Kurs zufrieden, das ist auch so zu akzeptieren. Der Wähler hat immer recht. Demnächst werden wir die Weichen stellen, wie es in der Fraktion weitergeht. Wir haben eine gute Mannschaft und sind auch gut aufgestellt.“

Marchat mangle es an Motivation: „Deshalb mache ich Platz für neue hungrige Kommunalpolitiker.“ Abschließend findet er noch versöhnliche Worte: „Ich wünsche allen Mandataren viel Freude mit ihrer Tätigkeit, mögen sie stets ein gutes Händchen haben und für unsere Bürger das Beste beschließen.“

Franz Marchat wollte eigentlich nie in die Politik einsteigen. 1987 erreichte er den dritten Platz beim Bundesredewettbewerb der Landjugend.

Aus diesem Anlass gab es anschließend ein Treffen in Kärnten, wo ein gewisser Jörg Haider auf ihn aufmerksam wurde. Diese Begegnung sollte schicksalshaft für die Zukunft von Marchat sein. Es entwickelte sich eine Freundschaft, obwohl Marchat nicht Mitglied bei der FP war. Haider überredete ihn dann 1990, bei der Gemeinderatswahl für die FP anzutreten. Mit fünf Mandaten und über 25 Prozent der Stimmen schaffte er das zweitbeste Ergebnis landesweit und es begann ein kometenhafter Aufstieg. Marchat dazu: „In dieser Phase hatte ich zwei politische Lehrmeister, auf der kommunalen Ebene war Anton Schalhas für mich ein väterlicher Freund und er forcierte mich auch landesweit, innerhalb der FP war Jörg mein Promoter.“

1993 kandidierte Marchat erstmals für den Landtag in NÖ, er fuhr als völlig Unbekannter das zweitbeste Vorzugsstimmenergebnis ein und war fortan für die Bereiche Landwirtschaft und Umwelt zuständig. In dieser Phase lieferte er sich heftige Wortgefechte mit dem damaligen Landesrat Franz Blochberger, heute verbindet sie gegenseitiger Respekt.

1994 wurde er zum Landesparteisekretär der FP NÖ bestellt, diese Funktion füllte er bis 1998 aus. In dieser Zeit war er Wahlkampfleiter für die Gemeinderatswahlen 1995, bei denen das bis heute noch beste Ergebnis in NÖ eingefahren wurde. Ebenfalls leitete er die Landtagswahl 1998. Nach der Wahl kam die Rosenstingl-Affäre. Da Bernhard Gratzer zurücktreten musste, wurde Marchat Klubobmann der FP im Landtag. Zusätzlich war er bei der Freiheitlichen Bauernschaft und beim Freiheitlichen Gemeindevertreterverband engagiert.

2003 wurde Marchat zum Spitzenkandidaten der FP-NÖ nominiert. „Streitereien innerhalb der Landespartei und eine katastrophale Bilanz der Regierung Schwarz-Blau II unter Herbert Haupt ließen uns auf 4,5 Prozent fallen. Ich wäre in den Landtag gewählt worden, trat aber einen Tag nach der Wahl freiwillig zurück“, erinnert er sich.

„Frank Stronach ist ein Ehrenmann“

Nach einem Zerwürfnis mit der damaligen FP-Landesspitze gründete Marchat 2005 die Bürgerliste „Wir für unsere Gemeinde“. Das Thema FP war für ihn erledigt, trotz mehrmaliger Versuche durch Jörg Haider trat er auch nie dem BZÖ bei, sondern fungierte seit dieser Zeit als unabhängiger Kommunalpolitiker.

2012 trat Frank Stronach an Marchat heran und holte ihn als Wahlkampfmanager für die Landtagswahl 2013. Gemeinsam mit seinem Freund Ludwig Buchinger führte er das Team Stronach auf fast zehn Prozent der Stimmen. „Es überholte die FP, das war eine späte Genugtuung für mich.“

Marchat war nie Parteimitglied beim Team Stronach, sondern nur in der Organisation tätig. Am Tag nach der Wahl stellte er gemeinsam mit Buchinger die Tätigkeit ein. Die Gründe traten ans Tageslicht: „Die Truppe, die da in den Landtag eingezogen ist, war nicht integer.“

Zu Stronach besteht noch immer Kontakt: „Frank ist ein Ehrenmann, er wollte Österreich zum Positiven verändern, doch die heimische Öffentlichkeit gab ihm nie eine Chance, und so hat er sich wieder zurückgezogen. Für mich war es eine Ehre, für diesen großartigen Mann zu arbeiten!“

2015 überredeten ihn seine Mitstreiter von der Bürgerliste zu einer neuerlichen Kandidatur. Man gewann zwei Mandate. Von da an war er Fraktionsobmann und übte das Mandat des Prüfungsausschussobmannes aus.

Marchat wird sich in Zukunft verstärkt seiner Firma in St. Pölten und seinen Hobbys Brieftauben (er ist Präsident des österreichischen Verbands und Vorstandsmitglied im Weltverband FCI mit über zwei Millionen Mitgliedern), Fußball und Schnapsen widmen können. „Außerdem freut sich meine Familie, dass wir aus diesem politischen Hick-Hack heraußen sind. Ich freue mich auf mehr Freiheit und ein ruhigeres Leben.“