Öko-Pioniere setzen auf Selbstversorgung. In Zagging soll Kleingartenanlage entstehen, in der Autarkie großgeschrieben wird; von der Energie bis zur Ernährung.

Von Alex Erber. Erstellt am 31. März 2021 (04:32)
Auf diesem Areal soll schon bald eine Öko-Kleingartensiedlung entstehen: Franz Marchat und die Proponenten Karl Kandera, Monika Steinwendner und Johannes Zeidler (von links).
Thomas Heumesser, Thomas Heumesser

Klimaschutz, Klimagerechtigkeit, Regionalität, Nachhaltigkeit: Das sind längst nicht mehr Schlagworte oder von Jugendlichen erhobene Forderungen. Längst sind diese Themen auch schon bei Erwachsenen angekommen. In Obritzberg-Rust, konkret in der Katastralgemeinde Zagging, soll nun ein ebenso revolutionäres wie vorbildliches Projekt einiger Öko-Pioniere rund um ihren Sprecher Johannes Zeidler und seinen Freund Karl Kandera entstehen.

Geplant ist die Errichtung einer Anlage mit 15 bis 20 Kleingärten, die praktisch alle ökologischen Stückerl spielt. Das beginnt bei der Energieversorgung, denn sie soll über Klein-Windkraft-Anlagen sowie über eine Photovoltaik-Anlage inklusive Speicher erfolgen. Geheizt wird mit Holz beziehungsweise Mikro-Luftwärmepumpe. Das Abwasser wird in einer vollbiologischen Kläranlage gereinigt.

Das Herzstück der Kleingartenanlage soll die Grundversorgung mit Lebensmitteln sein: „Das war schon immer ein Anliegen von mir. Selbstversorgung muss möglich sein und ist auch möglich. Die Corona-Krise war nur mehr der I-Punkt bei meinen Überlegungen“, berichtet Johannes Zeidler im NÖN-Gespräch.

Permakultur, Ziegen und Photovoltaik

Auf einer gemeinsamen landwirtschaftlichen Fläche soll es biologischen Anbau mit Permakultur geben, gemeinschaftlich möchte man Tiere wie Ziegen, Schafe oder Hühner halten. Zeidler (54), er ist im Vertriebs-Angestellter und lebt in St. Pölten-Ochsenburg: „Die Kleingartenanlage soll als Pilotprojekt mit dem Ansatz fungieren: ,In welchem Ausmaß ist Autarkie in kleinen Wohneinheiten sowohl vom Energiebedarf als auch vom Ernährungsbedarf möglich?‘“

War ursprünglich der Ankauf eines Grundstückes geplant, so gibt man sich nun auch mit einem Pachtgrundstück zufrieden. Verpächter ist der ehemalige Gemeinderat Franz Marchat, der sich in einem Schreiben an die Marktgemeinde betreffend der notwendigen Grundstücks-Umwidmung selbst als Fan ins Rampenlicht rückt: „Die Umwidmung des Grundstücks wäre ein revolutionärer Zugang zum Thema ,Zurück zur Natur‘ und würde auch ein gewisser Gegensatz zur intensiven Landwirtschaft sein. Man könnte eindrucksvoll zeigen, dass es auch ein Miteinander gibt. Sowohl konventionelle Landwirtschaft als auch das Kleingartenwesen sollten in unserer Gemeinde ihren Platz finden.“

Wie geht es weiter? Nach der Umwidmung (von Grünland/Land- und Forstwirtschaft in Grünland/Kleingärten) will Zeidler einen Verein als Proponenten des Projekts gründen und erste konkrete Planungsschritte in die Wege leiten.