Schmähgedicht lässt die Wogen im Gemeinderat hoch gehen. Bauernbundobmann Kaiblinger verwehrte sich gegen die Verunglimpfung des ganzen Berufsstandes. Er empfahl Thoma Rücktritt.

Von Alex Erber. Erstellt am 13. August 2019 (04:13)
Heumesser
Anton Kaiblinger (rechts), im Bild mit Vizebürgermeister Franz Hirschböck: „Deine Hetze ist eines Gemeinderates nicht würdig.“

Das Bauern-Gedicht, das SP-Vorsitzender Josef „Joe“ Thoma verfasst hat, hinterlässt Spuren. Bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates las Bauernbund-Obmann und geschäftsführender Gemeinderat Anton Kaiblinger dem Sozialdemokraten die Leviten. Die Rücktrittsaufforderung prallte allerdings am SP-Frontmann ab.

Wie exklusiv berichtet, hatte Josef Thoma in holpriger Reim-Form der Obritzberg-Ruster VP und hier speziell den Bauern Freunderlwirtschaft und Korruption vorgeworfen. Bei der VP handle es sich wortwörtlich um einen „Wolf im Schafspelz“, nur durch starke Sozialdemokraten könnte die „Gmoa“ wieder „sauber“ werden.

„Geben wir uns inhaltlich die Gurke, aber lassen wir das Persönliche beiseite!“ Gemeinderat Franz Marchat, Bürgerliste „Wir“

„Mich als Bauernbund-Funktionär trifft das Ganze persönlich weniger“, erklärte Kaiblinger. Er kenne Thoma und wisse, dass der SP-Mandatar Pflanzenschutzmittel nicht von einem Dünger unterscheiden könne. Sinngemäß habe er bei seinen Postings schon mehrfach seine Unkenntnis von der Materie unter Beweis gestellt.

„Deine Hetze auf eine ganze Berufsgruppe ist eines Gemeinderates nicht würdig. Das haben die Nazis auch gemacht."

Jedoch: „Deine Hetze auf eine ganze Berufsgruppe ist eines Gemeinderates nicht würdig. Das haben die Nazis auch gemacht. Du solltest dein Mandat zurücklegen“, sprach Kaiblinger eine Empfehlung aus.

Thoma erklärte, er habe in die Vergangenheit geblickt und dabei habe er sich Gedanken über das von der VP verursache „Millionen-Minus“ gemacht, in dem die Gemeinde stecke: „So kam das Gedicht zustande. Ich habe nicht alle Bauern gemeint, sondern nur die VP-Bauern.“

„Deine Hetze auf eine ganze Berufsgruppe ist eines Gemeinderates nicht würdig"

Anton Kaiblinger wies darauf hin, dass der Bauernbund alleine in Obritzberg-Rust über 400 Mitglieder habe, die von Thomas Gedankengängen brüskiert worden seien. Und VP-Bürgermeisterin Daniela Engelhart stellte trocken fest: „Wir haben nichts verprasst.“

Gemeinderat Franz Marchat von der Bürgerliste Wir, der selbst gerne einmal poltert, rief zur Mäßigung auf. „Der Nazi-Vergleich ist ein bisschen weit hergeholt. Ich denke, das Ganze ist eine klassenkämpferische Geschichte, die wir hier nicht brauchen.“

Angesichts des nahenden Gemeinderatswahlkampfes appellierte er an die Mandatare: „Geben wir uns inhaltlich die Gurke, aber lassen wir das Persönliche beiseite. Außerdem sollten Politiker keine Gedichte verfassen.“

Josef Thoma abschließend: „Ich habe das Gesagte zur Kenntnis genommen.“ Der SP-Vorsitzende hatte schon im Vorfeld erklärt, das auf das umstrittene Gedicht mit Sicherheit eine Fortsetzung folgen werde.