Standortfrage in Herzogenburg ist heiß umstritten. Streit um Standort mit klaren Positionen: VP und FP für ehemalige Hager-Filiale, SP und Grüne strikt dagegen.

Von Alex Erber. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:29)
Symbolbild
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In der kommenden Sitzung des Stadtrates, die in der nächsten Woche über die Bühne gehen wird, steht ein brisantes Thema am Programm: Es geht um das erste öffentliche WC in der Stadt, das barrierefrei zugänglich ist. Wie ausführlich berichtet, scheiden sich die Geister, wo die 90.000-Euro-Toilette situiert werden soll. Die SP favorisiert den Rathausplatz, die VP fordert vehement, dass es in der ehemaligen Hager-Filiale im Nemschitz-Haus platziert werden soll.

Gibt es nicht in letzter Sekunde ein Umdenken, wird die Anlage auf dem Rathausplatz aufgestellt. Da wird auch ein Flugblatt nichts helfen, das die VP am vergangenen Samstag in der Innenstadt an die Bevölkerung verteilt hat.

Gemeinderat Wolfgang Schatzl (FP): „Nemschitz-Haus war mein Vorschlag.“
NÖN

Denn: Die Sozialdemokraten könnten mit ihrer absoluten Mehrheit den Standort Rathausplatz im Alleingang beschließen. Sie erhalten aber auch Unterstützung von den Grünen, während die sich die FP inhaltlich weitgehend mit der VP auf einer Linie befindet.

Das ist kein Zufall, wie FP-Gemeinderat Wolfgang Schatzl betont: „Dem Standort direkt vor dem Rathaus können wir nichts abgewinnen. Ich habe daher dem seinerzeitigen Bürgermeister Franz Zwicker schon vor einigen Jahren vorgeschlagen, das WC im ehemaligen Hager-Geschäft zu installieren.“ Dem nunmehrigen Kostenpunkt von 90.000 Euro habe man nicht zugestimmt: „Es geht sicher billiger, zumal im alten Hager-Geschäft Wasser- und Kanalanschluss vorhanden sind.“

Ihn freue es, dass die VP den FP-Vorschlag aufgriff: „Dass sich andere Parteien bei politischen Mitbewerbern öfters etwas abschauen, ist ja nichts Neues und auch nichts Schlechtes.“

FP plädiert für eine Benützungsgebühr

Im Gegensatz zur VP lehnen die Freiheitlichen allerdings die kostenfreie Benützung ab: „Dieses Argument von VP-Stadtrat Max Gusel muss man überdenken. Die Reinigung verursacht Kosten, durch einen kleinen Obolus kann man auch dem Vandalismus Einhalt gebieten.“

Für die Grünen verbessere die WC-Anlage die Infrastruktur in der Stadt und schaffe mehr Möglichkeiten, den Rathausplatz beziehungsweise die Innenstadt für Veranstaltungen oder im Alltag zu benutzen: „Ich habe selbst zwei kleine Mädels, die die Windel gerade hinter sich gelassen haben. Wie eigene Erfahrung zeigt, ist eine gute Wickelanlage zusätzlich hilfreich“, sagt Gemeinderat Florian Motlik.

„Rathausplatz auch aus Gründen der Sicherheit“

Gemeinderat Florian Motlik (Grüne): „WC am Rathausplatz verbessert Infrastruktur.“
privat

Wichtige Punkte seien in diesem Zusammenhang auch Sicherheit und Begrünung. Motlik: „Das aktuelle WC bei der Feuerwehr ist vor allem für Frauen, aber nicht nur, aus Gründen der Sicherheit quasi unbenutzbar. Ich habe mit mehreren Frauen in meinem Umfeld darüber gesprochen. Sie alle haben gesagt, dass sie dieses unterirdische WC nie benutzt haben oder benutzen würden. Dementsprechend ist der Rathausplatz unserer Meinung nach, weil zentral und gut einsehbar, der beste Ort.“

Seiner Forderung nach Begrünung sei nachgekommen worden: „Mit der geplanten Begrünung ist eine Super-Vorzeigelösung für den Rathausplatz gefunden worden, die auch zeigen, kann wie wir bei Umbauten auch Grün in die Stadt bringen können.“

Dem Nemschitz-Haus gegenüber sei man negativ eingestellt: „Ich kann die Vorschläge, das WC in verschiedene Gebäude in der Stadt zu geben, durchaus verstehen, allerdings machen wir dadurch zukünftige Umbauarbeiten oder Nutzung schwieriger. Kommt ein öffentliches WC ins Nemschitz-Haus, fällt es schwer, es in ein Wohnprojekt umzuwandeln: Wer will schon ein öffentliches WC im Eingangsbereich des eigenen Wohnhauses?“

Spannend wird jedenfalls die Frage, ob das stille Örtchen bei der Gemeinderatssitzung zur Sprache kommt, die aller Voraussicht nach in der letzten Jänner-Woche stattfinden soll. VP-Stadtrat Max Gusel verlangt jedenfalls einen „öffentlichen Diskurs.“