Posse rund ums Klosett in Herzogenburg. Sanierung in Kirchengasse soll Toilette direkt im Zentrum ersetzen.

Von Alex Erber. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:09)
Bürgermeister Christoph Artner vor dem Abgang zum WC in der Kirchengasse: „Die neue Anlage wird barrierefrei und kostet rund 20.000 bis 30.000 Euro.“ Zum Vergleich: Direkt im Zentrum waren 90.000 Euro budgetiert.
Stadtgemeinde Herzogenburg

Nach der Brandstiftung im öffentlichen WC im Keller des Hauses der Freiwilligen Feuerwehr Herzogenburg-Stadt durch nach wie vor unbekannte Täter ist die SP in der vergangenen Woche vorgeprescht: Bürgermeister Christoph Artner legte nach einer bautechnischen Begutachtung Pläne für ein neues, barrierefreien WC an diesem Standort vor.

Der alte Stiegenabgang soll demzufolge überblattet und in dem damit entstehenden, ebenerdig zugänglichen Raum eine Unisex-Toilette eingebaut werden. Der Zugang wird videoüberwacht, sodass das WC rund um die Uhr kostenlos geöffnet sein kann.

Die Räume des zerstörten WCs können nach Beseitigung der Brandschäden mit dem Keller des Feuerwehrgebäudes verbunden und den Silberhelmen als Lagerfläche zur Verfügung gestellt werden.

Dass das WC in der Kirchengasse nach dem Brandschaden saniert werden muss, steht außer Frage. Allerdings hatte es zuletzt auch eine Debatte um öffentliches, barrierefreies WC direkt im Stadtzentrum gegeben. Die Positionen waren klar bezogen: SP und Grüne sprachen sich für ein Klosett am Rathausplatz aus, VP und FP warben leidenschaftlich um eine Toilette in der ehemaligen Hager-Filiale im Nemschitz-Haus.

Für die SP scheint diese Diskussion mit einem Handstreich erledigt: „Von allen bisher diskutierten Varianten für ein öffentliches WC stellt die Variante in der Kirchengasse die günstigste dar: Die Kosten werden sich zwischen 20.000 und 30.000 Euro belaufen, wobei ein Teil aus den erwarteten Zahlungen der Feuerversicherung abgedeckt werden kann. Anregungen aus der Bevölkerung wie beispielsweise ein Wickeltisch lassen sich hier problemlos verwirklichen“, erklärt Stadtchef Christoph Artner.

FP-Gemeinderat Wolfgang Schatzl begrüßt die umfassende Sanierung des Klosetts in der Kirchengasse: „Es kann sich dabei aber nur um eine Übergangslösung handeln. Die Errichtung eines WCs im Zentrum muss dennoch zeitnah erfolgen. Wenn es die SP offensichtlich nicht im Nemschitz-Haus installieren möchte, hätte ich eine alternative Lösung parat, und zwar das Reitherhaus. Dort fehlt lediglich eine Videoüberwachung.“

„Mittelalterliche Folterstätte“

Gemeinderat Florian Motlik von den Grünen steht der umfassenden Sanierung des WCs in der Kirchengasse positiv gegenüber: „Für einen Mann wirkte es wie eine mittelalterliche Folterstätte, für eine Frau war es ohnehin untragbar. Die Entscheidung, vorerst kein WC direkt im Zentrum umzusetzen, ist aus budgetären Gründen nachvollziehbar, schließlich kostet die Sanierung in der Kirchengasse nur einen Bruchteil der ursprünglich geplanten 90.000 Euro.“

Vom Tisch sei das stille Örtchen im Zentrum dadurch aber nicht: „Wir haben uns jetzt durch die Sanierung in der Kirchengasse Luft verschafft. In spätestens zwei, drei Jahren müssen wir aber wieder über eine Toilette am Rathausplatz reden, vor allem dann, wenn er nicht nur aus Parkplätzen bestehen soll.“

Motlik versteift sich in diesem Zusammenhang nicht direkt auf den Rathausplatz: „Natürlich kann auch das Nemschitz-Haus ein Thema sein, allerdings bedarf es dabei eines gut durchdachten Generalplans.“

Das WC-Thema angestoßen hat die VP. Sie ist überzeugt davon, dass ihr Druck auf die SP zu groß geworden sein, 90.000 Euro für eine Toilette am Rathausplatz auszugeben: „Deshalb sind wir froh, dass sich die Sozialdemokraten in letzter Sekunde einsichtig gezeigt haben, mit den Steuergeldern sparsamer umzugehen“, erklärt Stadtrat Max Gusel.

„Notlösung wird als Dauerlösung verkauft“

Stadtrat Max Gusel (VP): „Notlösung löst Grundproblem nicht.“
Hans Kopitz

Weniger froh ist man über die „Notlösung“ in der Kirchengasse: „Die Errichtung mag dort zwar billiger sein, löst jedoch das Grundproblem nicht. Herzogenburg braucht dringend ein öffentliches WC im Bereich des Rathausplatzes. Ebenso halten wir es für nicht zeitgemäß, wenn sich Frauen und Männer eine Kabine teilen müssen (Unisex).“

Konsequenz daraus: „Die VP ist weiterhin für die Errichtung im Nemschitz-Haus. Wir werden die Notlösung der SP im Stadtrat ablehnen. Hier wird versucht, eine Notlösung als Dauerlösung zu verkaufen. Das hat sich Herzogenburg nicht verdient“, ärgert sich Stadtrat Erich Hauptmann.

Die Sitzung des Stadtrates fand gestern, Dienstag (nach Redaktionsschluss), statt.