Kaufhaus in Wagram schließt seine Pforten. Brigitte und Kurt Ratzer verabschieden sich mit Ende November in den Ruhestand. Suche nach Nachfolger läuft.

Von Günther Schwab. Erstellt am 27. November 2020 (03:36)

Nachdem Ende August die Filiale des Kaufhauses Ratzer in Reichersdorf geschlossen wurde, wird nun aufgrund des Pensionsantrittes vom Firmenchef Kurt Ratzer auch das Stammgeschäft in Wagram den Geschäftsbetrieb mit Ende des Monats (Samstag, 28. November) einstellen.

Zur Historie des Traditions- Kaufhauses: Im Jahr 1886 hat Eduard Soucek (der Urgroßvater von Kurt Ratzer) seinen Wohnsitz von Nussdorf nach Wagram verlegt und ein Geschäft „auf Rechnung“ (ähnlich Miete) samt einer Schneiderei betrieben. 1924 wurde die Greißlerei von Hans Ratzer und seiner Gattin (Großeltern von Kurt Ratzer) übernommen und im Jahr 1931 vergrößert. Im Jahr 1957 übernahm der Kaufmann Herbert Ratzer das Geschäft in Wagram und erweiterte das Geschäft um eine Filiale (1962) in Franzhausen. Zwischendurch erfolgten immer wieder Umbauten und Erweiterungen. Die Kinder von Herbert und Ilse Ratzer – Kurt und Brigitte – erlernten im elterlichen Betrieb den Kaufmannsberuf. Im Jahr 1970 wurde ein Nebengebäude abgetragen und ein neuer geräumiger Lebensmittelmarkt (noch heute die Betriebsstätte) errichtet, der am 25. Mai 1972 feierlich eröffnet wurde. Am 1. Jänner 1987 erfolgte die Geschäftsübergabe an Kurt Ratzer, der im Jahr 1990 das Geschäft um eine Filiale in Reichersdorf erweiterte.

Dank an Stammkunden und Mitarbeiterinnen

„Durch die bevorstehende Pensionierung von mir und meiner Schwester Brigitte haben wir uns schweren Herzens entschlossen, schon heuer den Geschäftsbetrieb einzustellen. Momentan läuft die Suche nach einem Nachfolger. Es gibt bereits einige Interessenten und es besteht durchaus die Möglichkeit, dass im kommenden Februar oder März ein Pächter den Geschäftsbetrieb fortsetzen wird“, so der Kaufmann Kurt Ratzer in seinen Ausführungen. Weiters: „An dieser Stelle möchte ich allen Mitarbeiterinnen und Stammkunden ein herzliches Dankeschön für die langjährige Treue aussprechen. Insgesamt gesehen war es eine sehr schöne Zeit, die jedoch durch das Aufkommen der Großmärkte immer fordernder wurde.“

Letztlich wurde es immer schwieriger, einen regionalen Nahversorger in dieser Größe angesichts der übermächtigen Konkurrenz wirtschaftlich zu führen. „Es liegt am Einkaufsverhalten der Ortsbevölkerung, ob ein Nahversorger im Ort lebensfähig ist. In den vergangenen Jahren haben viele Bürger nicht dazu beigetragen, die Nahversorgung im Ort sicher zu stellen. Mit einem Einkauf von Gebäck und Milch am Wochenende oder Produkten, die man im Großmarkt vergessen hat, ist ein Geschäft nicht lebensfähig“, so Kurt Ratzer abschließend.