Energiegemeinschaft: Kapelln in Vorreiterrolle. Strom kann mit Nachbarn geteilt werden oder an sie verkauft werden, anstatt ihn direkt ins Netz einzuspeisen. In der Mittelpunktgemeinde Kapelln wird Projekt umgesetzt.

Von Alex Erber. Erstellt am 03. April 2021 (05:59)
Hochrangiger Besuch, weil Kapelln zur Pilotgemeinde in Sachen Energiegemeinschaften auserkoren worden ist: Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Bürgermeister Alois Vogl und Staatssekretär Magnus Brunner (von links).
NLK/Jürgen Burchhart, NLK/Jürgen Burchhart

Die e5-Gemeinde Kapelln zählt zu den ersten Pilotgemeinden in NÖ, in denen eine erneuerbare Energiegemeinschaft aufgesetzt werden soll. „Das große Engagement der Bevölkerung sowie der fortgeschrittene Ausbau von Photovoltaik-Anlagen bieten eine ausgezeichnete Grundlage dafür“, heißt es seitens des Landes NÖ.

Das erst vor Kurzem präsentierte Erneuerbare-Ausbau-Gesetz (EAG) bietet die Möglichkeit, erneuerbare Energiegemeinschaften zu gründen. Diese ermöglichen es, den durch die eigene Ökostrom-Anlage erzeugten Strom mit Nachbarn zu teilen beziehungsweise an diese zu verkaufen, anstatt ihn als „Überschuss-Strom“ direkt ins Netz einzuspeisen. „Vor allem im ländlichen Raum bedeutet das eine große Chance: Jeder kann mitmachen, auch Landwirtschaften oder Betriebe. Auch die Gemeinden, wenn sie etwa am Dach des Feuerwehrhauses oder des Kindergartens Strom produzieren, diesen lokal weiter nutzen und teilen“, so Staatssekretär Magnus Brunner, der die Pilotgemeinde Kapelln besuchte.

Um die Niederösterreicher bestmöglich dabei zu unterstützen, wurde die „Energie Zukunft Niederösterreich (EZN)“ gegründet, die künftig Energiegemeinschaften bei der deren konkreten Konzeption, dem Verkauf des Stroms sowie der Abrechnung und Abwicklung mit den Behörden und den Netzbetreibern unterstützt. Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf betont: „Damit wird die Energiewende zum Mitmach-Projekt. Mit dieser Energie-Nachbarschaftshilfe übernimmt NÖ eine Vorreiterrolle und die Gemeinde Kapelln wird vorzeigen, wie es gehen kann.“

Bisherige Initiativen schufen die Basis

Die Marktgemeinde Kapelln soll nun als eine der ersten Kommunen von der EZN betreut werden. Basis dafür ist der fortgeschrittene Ausbau von erneuerbaren Energieträgern. So wurde bereits auf allen gemeindeeigenen Gebäuden wie beispielsweise dem Gemeindeamt oder dem Kindergarten eine Photovoltaik-Anlage installiert. Bürgermeister Alois Vogl freut sich über die Möglichkeit einer Pilotinitiative: „Als e5-Gemeinde möchten wir die Energiewende in der Region weitertreiben. Mit der neuen Energiegemeinschaft produzieren wir den Strom selbst und nutzen ihn in unseren eigenen Gebäuden.“

In der Pilotphase wird von der EZN das Konzept für eine erneuerbare Energiegemeinschaft ausgearbeitet und die Gemeinde bis zur Umsetzung betreut.