Obritzberg-Rust: Proteste im Frühstadium. Transportfirma sucht Standort. Doch möglicherweise siedelt sie sich auch ab.

Von Alex Erber. Erstellt am 29. April 2021 (04:01)
In Greiling gibt es ein Betriebsgebiet und auch ein passendes Grundstück.
Thomas Heumesser, Thomas Heumesser

Das gibt es auch nicht alle Tage: Während man sich (fast) überall über florierende, expandierende Unternehmen freut, gibt es in Obritzberg-Rust, konkret in Greiling, einen Hauch Widerstand gegen die Ansiedelung eines Transportunternehmens. Dabei ist, so versichern die Beteiligten, noch kein einziges Schriftstück in trockener Tinte.

Rückblende ins Jahr 1986: In der Unteren Ortsstraße in Großhain etabliert Josef Brandl ein Transportunternehmen, das sich in der Folge erfolgreich behaupten kann. Später kommt noch ein ebenso erfolgreicher Pellets-Handel hinzu. Als sich Brandl im Vorjahr in den wohlverdienten Ruhestand begibt, beschäftigt der Betrieb immerhin 14 Mitarbeiter. Die Firma wird verkauft: „Mit den Pellets beschäftigt sich mein Gatte noch hobbymäßig, ganz loslassen kann er ja doch nicht“, schmunzelt Claudia Brandl im NÖN-Gespräch.

„Wir sind gerne in Obritzberg-Rust und wollen auch gerne hierbleiben.“ Hannes Buchsteiner, Transportunternehmer

Im Vorjahr wurde das Unternehmen veräußert, und zwar an die Tiroler Firma „Exim Transport“. Sie wurde 2004 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Mariastein, das ist die kleinste Gemeinde des Bezirks Kufstein. 2016 expandierte man nach Kundl.

„Bereits bei den Gesprächen hatten die Tiroler eine Vision von einem neuen, etwas größeren Standort, an dem auch ein modernes Bürogebäude etabliert werden kann“, erinnert sich Claudia Brandl.

Nun soll genau dieses Vorhaben in die Realität umgesetzt werden.

Ortschefin stellte Verbindung her

Geschäftsführer Hannes Buchsteiner begab sich auf die Suche nach einem möglicherweise geeigneten Grundstück. Er kontaktierte dabei auch Bürgermeisterin Daniela Engelhart, die ihm einen Tipp gab: Bei der Kreuzung der Landesstraßen 5060 und 100 im Bereich von Greiling (Nähe Würstelstand) hat Richard Krumböck eine verfügbare Fläche. Ein guter Standort: Denn in Greiling ist bereits ein bestehendes Betriebsgebiet vorhanden und außerdem eine Erweiterung im Entwicklungskonzept vorgesehen.

In der Folge sprachen Hannes Buchsteiner und Richard Krumböck über den möglichen Verkauf. Das ist jetzt der Status Quo, man befindet sich also im Frühstadium.

Und dennoch gibt es bereits Proteste einer Handvoll Anrainer. Warum sie protestieren, ist nicht bekannt.

Jedenfalls war, so sickerte durch, die Bildung einer Bürgerinitiative geplant. Vorher wolle man noch mit Vertretern der Tiroler Firma sowie mit der Ortschefin sprechen.

Mit Hannes Buchsteiner jedenfalls hat niemand gesprochen. Mit der Bürgermeisterin nahm eine Familie aus Greiling Kontakt auf, die ein Schriftstück ankündigte. Prompt trudelte in der Vorwoche ein Schreiben einer „Bürgerinitiative“ am Gemeindeamt Obritzberg-Rust ein; per Post und auch per E-Mail. Dieses Faktum hat Daniela Engelhart der NÖN gegenüber bestätigt. Über die Akteure und den Inhalt des Schreibens darf sie aus Datenschutzgründen freilich nichts sagen.

„Kein Stück Papier, auf dem irgendetwas steht“

Richard Krumböck kann sich nur wundern: „Wie soll ich über etwas Auskunft geben, das es noch gar nicht gibt? Ja, wir haben miteinander gesprochen, das war es auch schon wieder. Es gibt kein einziges Schriftstück, kein Stück Papier, auf dem irgendetwas steht. Es handelt sich gegenwärtig um die klassische Form vom Kaffeesudlesen.“

Hannes Buchsteiner wundert sich ebenfalls: „In anderen Gemeinden wird man mit offenen Armen empfangen, wenn sich eine Firma ansiedeln möchte oder sich ein bereits bestehender Betrieb vergrößern will. Da geht es ja auch um Arbeitsplätze und Kommunalsteuer. Wir sind gerne in Obritzberg-Rust und wollen auch gerne hierbleiben. Wenn jedoch der Widerstand zu groß ist und man uns hier nicht mehr haben will, dann müssen wir uns eben um einen anderen Standort umschauen, an dem wir investieren dürfen.

Bürgermeisterin Daniela Engelhart wundert sich ebenfalls: „Wir haben nicht unbedingt viele Firmen in unserer Gemeinde. Das Grundstück ist geeignet, die Zahl der geeigneten Grundstücke ist jedenfalls überschaubar.“ Zwei Dinge gibt sie zu bedenken: „Eine Straße ist zum Fahren da. Im konkreten Fall handelt es sich sogar um eine Landesstraße; eine Landesstraße, auf der auch das Transportunternehmen Brandl jahrelang gefahren ist.“

Das letzte Wort hat der Gemeinderat

Engelhart betrachtet die Angelegenheit nüchtern: „Falls es in den Gesprächen zwischen dem Bauern und dem Transportunternehmen eine Einigung gibt, werden 21 Gemeinderäte darüber entscheiden, wie es weitergeht.“

Fix dürfte nach aktuellem Stand sein, dass noch viel Wasser die Fladnitz hinunterfließen wird, bis die geplante Standortverlegung des Transport-Unternehmens tatsächlich Realität wird.