Baumrettung in Wölbling: "Notfalls kette ich mich an!". Karl Petschk möchte mächtige Platane vor Motorsäge bewahren: „Notfalls stelle ich mich davor oder kette mich an.“ Aber: Mehrheit der Wohnungseigentümer ist für Rodung.

Von Thomas Heumesser. Erstellt am 07. April 2021 (06:53)
Karl Petschk neben der Platane, in deren Krone Vögel nisten (kleines Bild): „Ich bin einfach nur entsetzt. Die Rodung muss verhindert werden."
Thomas Heumesser

Es ist eine Melange aus Wut, Zorn und Wehmut, die sich bei Karl Petschk breitgemacht hat. Der Mann ist Eigentümer einer Wohnung im „Grubenhof“, des ältesten großvolumigen Wohnbaus in der Marktgemeinde, errichtet in der Ära von Altbürgermeister Josef Mitmannsgruber. Im Hof des „Grubenhofs“ steht eine mächtige Platane. Sie ist 37 Jahre alt. Das Prachtexemplar eines Baumes nun gerodet werden. Mittlerweile steht sogar schon der Termin fest: Am Donnerstag, 8. April, werden Motorsägen der Platane ein Ende bereiten. Für Karl Petschk ist es ein unrühmliches Ende: „Der Baum spendet Schatten, in seiner wunderbaren Krone nisten Vögel. Ich habe die Platane mit tausenden Litern Wasser versorgt, um sie in Schuss zu halten. Und jetzt soll Schluss sein?“

„Mini-Bäumchen kann Platane nicht ersetzen“

Dass es eine Ersatzpflanzung geben soll, hält Petschk für „hirnrissig“: „Was will man denn mit so einem Mini-Bäumchen? Es kann die Platane nicht einmal ansatzweise ersetzen!“
Er kündigt jedenfalls Widerstand an: „Ich will den Baum retten. Wenn die Sägen kommen, stelle ich mich notfalls vor ihn oder kette mich an.“

Errichtet hat den Wohnbau mit der Adresse „Lange Gasse 1“ die Gedesag aus Krems, die seit der Schlüsselübergabe als Verwalter der Anlage fungiert. Karl Petschk wusste die Genossenschaft an seiner Seite: „Der Baum ist sehr schön. Es ist unverständlich, dass er weg soll“, stellt Teamleiter Mario Müllauer fest. Die Gedesag hat sogar ein Gutachten beauftragt, das dem Baum beste Gesundheit bestätigt. Sie hat allerdings nicht mit der Entschlossenheit der Eigentümergemeinschaft gerechnet. Jetzt gibt es ein Gerichtsurteil, das die zunächst widerspenstige Genossenschaft zwingt, den Baum roden zu lassen. Am kommenden Donnerstag soll das Urteil vollstreckt werden: „Es führt leider kein Weg daran vorbei, auch Karl Petschk kann daran nichts ändern. Unsere Juristen haben uns geraten, keine weiteren Instanzen mehr zu befassen. Es ist aussichtslos.“

Eigentümer klagten die Genossenschaft

Geklagt worden ist die Genossenschaft von der Eigentümergemeinschaft. Sie hat eine Abstimmung durchgeführt: 16 Bewohner waren für die Baumrodung, es gab jeweils drei Enthaltungen und Gegenstimmen. „Bei der Gedesag war man der Auffassung, dass es nur einen hundertprozentigen Beschluss geben darf. Das war ein Irrtum“, sagt Manfred Steidl, einer der Motoren der Baumfällung.

Warum soll die Platane weg? „Ich habe fünf, sechs große Anhänger mit Laub weggeführt. Kein Mensch will sich mehr die Arbeit antun, ich auch nicht. Außerdem verstopft das Laub Jahr für Jahr die Dachrinne, jedes Mal muss sie gereinigt werden.“

Auch Steidl gesteht dem er Platane eine gewisse Schönheit zu, hat für Karl Petschk aber wenig Verständnis: „Warum gießt er einen Baum, der über 30 Jahre alt ist. Seine Wurzeln sind genauso groß wie die Krone, er holt genügend Wasser aus dem Boden.“

Manfred Steidl und die große Mehrheit der Eigentümer denkt, dass die Platane erst gar nicht gepflanzt werden hätte sollen: „Das war sicher ein Fehler. Aber bei einem damaligen Durchmesser des Stammes von fünf, sechs Zentimetern hat man wohl nicht geglaubt, dass dieser Baum eine derartige Dimension annehmen wird.“