Risse in Häusern! Inzersdorf-Getzersdorf kämpft um Umfahrung

Erstellt am 15. Juni 2022 | 05:15
Lesezeit: 4 Min
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Anrainer nahe der Kreuzung Getzersdorfer Straße/Dorfstraße in Inzersdorf bekommen den Verkehr täglich hautnah mit: „Der 30-er und Fahrverbot haben nicht viel an der Situation verbessert. Ich habe das Gefühl, dass sich viele Lenker nicht daran halten und genauso wie davor fahren“, erklärt Markus Rauscher (rechts), im Bild mit Gemeinderat Walter Rauscher, Marion und Hermann Tanzer, Dietlinde Siller und Markus Rauscher (von links).
Foto: Lisa Zederbauer
Durch Lkw-Verkehr schon Risse in den Häusern: Bürger und Gemeindevertreter fühlen sich vom Land im Stich gelassen.
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Seit bald 30 Jahren setzen sich Bürger der Gemeinde Inzersdorf-Getzersdorf für den Bau einer Umfahrungsstraße ein. Nachdem 2018 die Planung von Gemeindeseite aus abgeschlossen gewesen war, wandte man sich an das Land NÖ um Finanzierungshilfe: „Alleine kann man so ein Straßenbauprojekt als kleine Gemeinde einfach nicht stemmen“, erklärt Bürgermeister Ewald Gorth (ÖVP).

Im selben Jahr wurde noch ein Grundsatzbeschluss für die Errichtung der Straße gefasst, es gab erste Gespräche mit dem Land. Die Gemeinde war zuversichtlich, das lang ersehnte Projekt endlich umsetzen zu können.

Doch dann teilte das Land NÖ der Gemeinde mit, dass das Projekt nicht realisiert werden könne, da es auf der Prioritätenliste relativ weit unten ist.

„Der Frust ist mittlerweile auch schon groß, weil wir das Gefühl hatten, so knapp dran zu sein, die Straße endlich zu bekommen.“ Gemeinderat Walter Rauscher

„Wir fühlen uns einfach vom Land im Stich gelassen“, bedauert Gemeinderat Walter Rauscher (ÖVP). „Mir ist bewusst, wie anstrengend und belastend die Situation für die Bewohner ist. Der Frust ist mittlerweile auch schon groß, weil wir das Gefühl hatten, so knapp dran zu sein, die Straße endlich zu bekommen.“

Nach wie vor ist die Gemeinde von den Lastkraftwagen belastet, die durch die Ortschaft fahren, um von dort nach Herzogenburg und auf die Schnellstraße aufzufahren. Die Gemeinde ließ nach der Absage 2018 nicht locker, wodurch es dann zu einer Verkehrszählung im Jahr 2020 kam. Damals wurde erhoben, dass gerade 2.000 Fahrzeuge pro Tag durch die Gemeinde fahren – einfach zu wenig Verkehr, um das Projekt Umfahrungsstraße umsetzen zu können.

„Durch die Verkehrszählung damals wurde dann ein 30er und ein Fahrverbot für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen eingeführt, der die durch die Lkw entstandenen Gebäudeschäden verhindern sollte. Meiner Meinung nach hat das nicht so viel gebracht“, erklärt Rauscher.

Bestätigen kann das Anrainerin Maria Kropfreiter: „Durch das hohe Lkw-Aufkommen haben wir Risse im Haus und auch der Pfeiler für das Eingangstor ist schief geworden. Das Ganze habe ich schon einige Male reparieren lassen müssen. Die Kosten übernimmt aber auch keine Versicherung.“

Bürgermeister regt Einbahnregelung an

Der Standpunkt vom Land hat sich auch vier Jahre später nicht geändert: „In der Gemeinde Inzersdorf-Getzersdorf ist zum jetzigen Zeitpunkt die verkehrliche Wirksamkeit zu gering, um die Umfahrung rechtfertigen zu können. Aus diesem Grund hat man sich mit der Gemeinde verständigt, dieses Projekt momentan ruhen zu lassen“, erklärt Gerhard Fichtinger vom Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung NÖ Straßendienst.

Bürgermeister Ewald Gorth hat sich auch schon Gedanken gemacht, welche Maßnahmen zur Umsetzung der Umfahrungsstraße helfen könnten: „Meiner Meinung nach wäre eine gute Lösung, eine Einbahnregelung für Lkw in der Gemeinde einzuführen. Das würde niemandem etwas kosten und wir würden uns die Hälfte des Lkw-Verkehrs sparen. Noch bin ich damit auf taube Ohren gestoßen, da man laut Land den Verkehr nicht wegleiten darf, aber mit der Einbahnregelung würde dieser nur auf die Landesstraße 113 zwischen Traismauer und Herzogenburg verschoben werden.“

Beim Errichten einer Umfahrungsstraße gibt es immer zwei Seiten: „Man muss natürlich bedenken: Wenn die Umfahrungsstraße errichtet werden würde, haben die dortigen Anrainer eine viel höhere Verkehrsbelastung. Einerseits würde der Verkehr unserer Gemeinde dort hingeleitet werden, andererseits würde diese Route dann für andere noch attraktiver werden“, so Gorth.

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