Ernte 2019 zu gering: Für Eiswein war es zu warm. Der für den süßen Tropfen nötige Frost ließ vergeblich auf sich warten. Auch sonst war Ernte 2019 gering.

Von Lisa Röhrer, Günther Schwab und Thomas Heumesser. Erstellt am 10. März 2020 (04:05)
Bernhard Steyrer ist mit der Weißwein-Ernte 2019 im Großen und Ganzen zufrieden. Die meisten Weine hat er bereits in der Flasche.
Thomas Heumesser

Auf Frost haben die Winzer im Traisental heuer vergeblich gewartet. Wein-Liebhaber müssen deshalb heuer ohne Eiswein aus der Region Herzogenburg auskommen. Um den dickflüssigen und natursüßen edlen Tropfen herstellen zu können, hätten die Weinbauern Temperaturen von mindestens minus acht Grad gebraucht – und das über ein paar Tage hinweg. Der warme Winter machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Mittlerweile ist es zu spät – selbst wenn sich der Winter heuer doch noch anschauen lassen sollte. „Bei der Eis-Wein-Ernte gilt: je früher, desto besser. Jetzt ist das nicht mehr möglich. Die Trauben sind bereits verfault“, weiß der Obmann der Traisentaler Winzer, Markus Huber. Die Eiswein-Ernte fiel aus.

Großes Drama ist das laut Huber, aber keines. „Der Eiswein ist sowieso nur ein kleiner Nebenertrag für die Winzer im Traisental“, weiß der Reichersdorfer.

Gearbeitet wurde im Weingarten im Februar aber trotzdem. Der Wagramer Viktor Fischer erntete eine Beerenauslese – vielleicht auch als süßen Trost für den fehlenden Eiswein. Die Grünen-Veltliner-Trauben hingen dafür bis Februar am Stock, trockneten und bildeten eine Edelfäule.

Zwölf Prozent weniger Wein als 2019

Mit Fischers Februar-Ernte wurde die Lese des 2019er-Jahrgangs nun endgültig beendet. Erfreuliche Nachrichten bringt die Bilanz für Wein-Freunde aber auch hier nicht: Mengenmäßig war diese niederösterreichweit diesmal unterdurchschnittlich. Geerntet wurden etwa 1,5 Millionen Hektoliter Wein. Das sind um zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Die Winzer aus dem Traisental bestätigen das: „Die zwölf Prozent entsprechen etwa auch dem Wert im Traisental“, weiß Markus Huber.

Riesen-Ausfälle mussten die Winzer aber keine verkraften: „Man ist als Winzer auf gewisse Schwankungen bei der Ernte eingestellt. Das liegt im normalen Bereich“, kann Huber alle Weinliebhaber beruhigen. Außerdem war die Ausgangslage diesmal besonders hoch: Der Jahrgang 2018 sei, was den Ertrag betrifft ein außergewöhnlich guter gewesen. „Damals konnten wir eine überdurchschnittliche Erntemenge einfahren“, bestätigt auch der Obmann des Wagramer Weinbauvereins, Hans Schöller.

Ganz zufrieden zeigt sich mit dem Ergebnis Bernhard Steyrer vom gleichnamigen Weingut in Kuffern: „Meiner Ansicht nach wurde im Jahr 2019, betrachtet man rein den Weißwein, eine durchschnittliche Ernte eingefahren.“

Bei zwei Sorten waren die Ausfälle jedoch besonders deutlich. Bei den Burgunder-Sorten gab es 2019 um 30 bis 50 Prozent weniger Ernte. Auch beim Riesling waren die Erträge deutlich schlechter als sonst. Da die Traisentaler aber alle hauptsächlich auf den Grünen Veltliner setzen, ist auch das laut Huber verkraftbar: „Der Grüne Veltliner ist bei allen im Traisental die Hauptsorte, das sind nur Nebensorten. Die Ausfälle sind also auch nicht ganz so schlimm.“

Beim Rotwein waren die Erträge laut Bernhard Steyrer diesmal ebenfalls um einiges geringer: „Die Rotweinmenge fiel wesentlich schlechter aus, das waren etwa 15 Prozent weniger als in normalen Jahren. Im Fladnitztal trifft uns das aber zum Glück nicht allzu stark, da das Hauptaugenmerk auf Weißwein und dem Grünen Veltliner liegt.“

Ganz so auf die leichte Schulter zu nehmen, sind Ernte-Ausfälle aus Hans Schöllers Sicht aber trotzdem nicht: „Man sollte als Winzer immer vorrausschauen und eventuell kleinere Vorräte anlegen. Bei Großbetrieben, die Lieferverträge erfüllen müssen, könnte es sehr wohl eine Rolle spielen“, erzählt der Weinbauer aus seiner Erfahrung.

Qualität macht die Menge wieder wett

Zumindest auf die Qualität des Traisentaler Weines ist aber auch 2019 Verlass: „Die ist bei diesem Jahrgang wirklich herausragend“, schwärmt Huber. Grund dafür seien die optimalen Witterungsbedingungen – ein warmer und trockener Sommer mit Regenschauern „immer genau zur richtigen Zeit“, erklärt der Top-Winzer aus Reichersdorf.