Fasten für Körper und das Klima. Gewinn durch Verzicht: Es geht um Leib und Seele sowie um die Beziehung zu Mitmenschen und letztlich auch zu Gott.

Von Hans Kopitz und Alex Erber. Erstellt am 25. Februar 2020 (03:46)
Fasten für das Klima: Sandra Edlinger, Helga Peham, Leopold Wurstbauer, Renate Hagmann (von links).
privat

Darf‘s ein bisschen weniger sein? Ja, vor allem in der 40-tägigen Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt und zu Ostern endet.

Stiftspropst Petrus Stockinger versucht sich im Intervallfasten. Das Mittagessen ist für ihn die letzte Mahlzeit am Tag. Intervallfasten ist einer der großen Ernährungstrends. Das Fasten auf Zeit kann beim Abnehmen helfen und gilt als besonders gesund, denn es entlastet den Stoffwechsel und fördert körpereigene Recyclingprozesse. „Ich mache jedes Jahr in einer Exerzitiengruppe die Erfahrung, dass Menschen bereit sind, die Fastenzeit anders zu verbringen, als die übrige Zeit im Jahr – nicht durch Hungern, sondern durch den Verzicht auf Genussmittel einen spirituellen Impuls zu setzen“, berichtet Petrus Stockinger.

„Fasten ist natürlich zunächst mit Einschränkung und Verzicht verbunden"

Herzogenburgs Stadtpfarrer Mauritius Lenz meint: „Fasten ist natürlich zunächst mit Einschränkung und Verzicht verbunden. Es tut dem Menschen gut, seine Nahrungsaufnahme von Zeit zu Zeit zu reduzieren und einfacher zu gestalten. Essen und Trinken werden auf einmal nicht mehr so wichtig und dennoch freut man sich über Weniges und kann es mehr genießen, weil die Ansprüche zurückgeschraubt sind.“

So werde der Mensch freier und zufriedener und sei nicht in so hohem Maß von der Erfüllung seiner Bedürfnisse abhängig, die sich ja nicht nur auf Essen und Trinken, sondern auf Konsum jeglicher Art beziehen. Mauritius Lenz: „Verliert man dabei auch etwas an Körpergewicht und kommt problemlos in zu eng gewordene Kleidung wieder hinein und fühlt man sich gesünder, weil man dem Leib Gutes tut, steigert das zusätzlich das Wohlbefinden.“

Fasten habe auch etwas mit der Beziehung zu den Mitmenschen und letztlich zu Gott zu tun. Fasten könne man zum Beispiel auch beim Reden.

Das bedeute, zurückhaltender sein im Bewerten, Beurteilen und Verurteilen anderer. Lenz: „Viele Taten, die sich gegen einzelne Menschen oder Gruppen richten, haben ihre Wurzeln in einer schlechten Meinung über sie, die verbreitet und immer wieder bekräftigt und bestätigt wird. Deshalb heißt Fasten für mich, die negativen Gedanken und Gefühle auszuräumen und mehr Wertschätzung und Anerkennung für die Mitmenschen aufzubringen, von sich wegzukommen sowie die Aufmerksamkeit auf Gott hinzulenken.“

Fasten und Frömmigkeit sollten aber nicht zur Schau gestellt und als Leistung betrachtet werden: „Wir brauchen in diesen Disziplinen keine Profis zu sein, Menschen, die Profit aus ihrem Tun schlagen, sondern wir dürfen Amateure bleiben, die es aus Liebe und Freude tun und dennoch einen hohen Gewinn dabei haben“, so Lenz.

Ein Fastenkalender mit Anregungen

In Obritzberg-Rust gibt es einen Klimabündnis-Arbeitskreis. Die Gruppe „Bewusstseinsbildung“ dieses Arbeitskreises hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Für die sieben Wochen der Fastenzeit wurden sieben klimarelevante Themen bearbeitet und in einem Klimafasten-Kalender, den alle Haushalte bekommen, zusammengefasst. Sandra Edlinger: „Wir haben Tipps zusammengetragen, was man selbst leicht fürs Klima tun kann. Unser Ziel ist, dass bei jeder Wochenanregung etwas dabei ist, das man gerne umsetzt oder schon immer einmal ausprobieren wollte.“

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