Homeschooling: „Mein Kind kann und will nicht mehr!“. Herzogenburger Mutter fordert dringende Rückkehr zur Normalität. Auch Elternvertreter und Pädagogen äußern sich zunehmend besorgt.

Von Hans Kopitz und Alex Erber. Erstellt am 20. Januar 2021 (03:43)
Aufschrei eines Kindes: „Wir wollen in die Schule!“
Hans Kopitz

„Homeschooling und Beruf unter einen Hut zu bringen wird immer schwieriger. Bei vielen Kinder und Eltern ist die Luft draußen. Die Kinder zu Hause zum Lernen zu bewegen, belastet mittlerweile auch die Eltern-Kind-Beziehung ein wenig. Ein Blick in die Zukunft ist derzeit fast unmöglich“, stellt Raffaela Burgstaller, Elternvertreterin an der Volksschule Herzogenburg, fest.

Wie Recht sie hat: Von Bildungsminister Heinz Fassmann angekündigte Öffnungsschritte sind zum Krenreiben, wie man spätestens seit dem vergangenen Sonntag weiß.

„Mein Kind, 10, ist seit heuer am BORG. Er hat heute die Nachrichten gehört und kann und will nicht mehr! Darum hat er ein Schild gemalt, mit der Bitte, es aufhängen zu dürfen. Wir Eltern sind an seiner Seite so gut wir können, aber normalen Unterricht mit seinen Klassenkameraden können wir ihm nicht ersetzen. Unsere Kinder brauchen dringend Normalität zurück!“, fordert eine Herzogenburger Mutter.

Dietmar Zederbauer, Elternvertreter an der Mittelschule Herzogenburg, sagt: „Das Homeschooling hatte für mich und meine Familie durchaus positive Seiten, da wir oft die Gelegenheit hatten gemeinsame Zeit zu genießen, etwa gemeinsame Mahlzeiten, Spaziergänge und sportliche Aktivitäten zwischen Homeoffice und Distancelearning.

„Das Homeschooling hatte für mich und meine Familie durchaus positive Seiten"

Selbstverständlich war die Koordination eine riesige Herausforderung für alle Beteiligten, die nicht immer ohne heftige Diskussionen verlief. Jeder braucht in dieser Zeit einen ruhigen und ungestörten Arbeitsplatz, eine funktionierende Internetverbindung sowie die notwendigen Endgeräte. Die kurzfristige und oft unplanbare Entwicklung der Pandemie und die damit verbundenen Entscheidungen machen diese Umstände oft noch komplizierter.“

Zederbauer warnt: „Die große Gefahr für die Gesellschaft und vor allem für die Kinder ist, dass wir den wichtigen persönlichen Kontakt zu unseren Nächsten aus den Augen verlieren, dadurch verengt sich die Sichtweise der Menschen erheblich und Vereinsamung entsteht.“

„In der Mittelschule Herzogenburg funktioniert das Homeschooling durch das Engagement der Lehrer sehr gut, was auch von Eltern bestätigt wird. Die Schüler sind seit Beginn des Schuljahres auf MS-Teams eingeschult worden, damit funktioniert das Arbeiten zu Hause relativ problemlos. Probleme haben Familien dann, wenn die Eltern im Homeoffice arbeiten und die Kinder gleichzeitig Onlinestunden haben, denn da stellt sich die Frage: Gibt es genügend Geräte, einen ruhigen Arbeitsplatz für alle und ein leistungsfähiges Internet?“, sagt Direktorin Martina Teufl.

„In der Mittelschule Herzogenburg funktioniert das Homeschooling durch das Engagement der Lehrer sehr gut"

Nachsatz: „Der soziale und persönliche Kontakt mit Lehrpersonen und mit gleichaltrigen Kindern fehlt total, auch gemeinschaftsfördernde Aktivitäten fehlen. Problemstellungen und Fragen können leider nur über digitale Medien gestellt werden, das ersetzt aber nicht den persönlichen Kontakt.“

Auch Bernhard Moser, Direktor der Volksschulen Herzogenburg, St. Andrä und Inzersdorf, weiß: „Die Kinder vermissen stark die Schule, ihre Freunde und die gemeinsamen Tätigkeiten. Wir merken, dass die Familien mehr Betreuung brauchen, denn das Lernen findet in der Schule schon anders statt als zu Hause. Trotz Lockdowns haben wir zurzeit rund 90 Kinder, die zur Schule kommen. Sie brauchen einfach Betreuung, denn viele Eltern sind berufstätig.“

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