Musikschulen im Lockdown: Motivation spürbar gesunken. Region Herzogenburg: Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Peter Nussbaumer, Hans Kopitz und Alex Erber. Erstellt am 14. April 2021 (04:00)
Auch der Bewerb „Prima La Musica“ ging online über die Bühne. Nathalie Teufner von der Musikschule Traismauer holte auf der Querflöte den zweiten Platz, was auch ihre Lehrerin Melanie Steininger (links) und Anna-Maria Pfiel (Korrepetition Klavier) sehr stolz machte.
Privat

„Die Demotivation ist spürbar.“ Traismauers Musikschulleiter Andreas Rauscher bringt es auf den Punkt, was die überwiegende Mehrheit seiner Kollegen im ganzen Land feststellt. Die Umstellung auf digitale Medien habe erstaunlich gut und blitzschnell geklappt, die Zusammenarbeit in der Musikschulregion funktioniere hervorragend. Was fehlt, sind aber die Auftrittsmöglichkeiten und der Gruppenunterricht.

Mit Spannung blickt Rauscher daher den kommenden Wochen entgegen: „Voraussichtlich wird es keinen ,Tag der offenen Tür“ geben, dennoch wollen wir Anfang Mai den Startschuss für eine Schnupper-Kampagne geben. Das Ganze wird sicher eine Herausforderung, im Juni werden wir sehen, wohin die Reise geht.“

Andres Gallauner freut sich schon darauf, die Musikschule nach dem Lockdown wieder „normal“ aufsperren zu können.
Hans Kopitz

Sein Herzogenburger Kollege Andreas Gallauner hat in den vergangenen Wochen Positives festgestellt: „Von Jänner bis März hatten wir mehr Neuanmeldungen als im ganzen vergangenen Jahr. Ich glaube ganz einfach, es ist ein Zurückbesinnen auf die kreative Tätigkeit des Musizierens – als Ausgleich zu dem, was die Kinder zurzeit sonst in der Schule erleben.“

Petra Kovacic leitet die Musikschule NÖ-Mitte (Kapelln, Perschling, Würmla). Sie blickt mit gemischten Gefühlen zurück: „Alles in allem können wir die Schüler gut über die digitalen Medien erreichen, die dieses Schuljahr teilweise erstaunliche Fortschritte gemacht haben. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass viel mehr Zeit zum Üben bleibt, weil die Schulfahrten wegfallen, aber auch andere Freizeitaktivitäten nicht möglich waren. Es gibt aber auch Fälle, die durch mangelnde Ausstattung oder den fehlenden persönlichen Kontakt zu den Lehrpersonen stark an Motivation verloren haben. Besonders demotivierend war das Fehlen von Gruppenunterricht (Ensemblespiel, Tanz, Elementare Frühpädagogik). Diese so wichtige Komponente können wir Lehrenden einfach nicht auffangen.“

Gerade eben werde ersichtlich, wie sehr die ständigen Lockdowns alle Beteiligten nervlich belasten. Der Widerwille, sich wieder einmal zum Onlineunterricht vor den Computer oder das Smartphone zu setzen, sei spürbar gestiegen. Kovacic: „Noch können wir die Schüler halten, haben aber besonders in den Fächern Elementare Frühpädagogik und Tanz einen starken Rückgang. Hier spielt die fehlende Gruppendynamik eine wesentliche Rolle.“

„Schüler sehen sich nach normalem Ablauf“

Das Fehlen von Auftrittsmöglichkeiten wirke sich dramatisch auf die Motivation aus, da die Ziele nicht mehr vorhanden seien. Kovacic: „Die Höhepunkte im Ablauf des Schuljahres haben gefehlt, dazu gehören das Weihnachtskonzert, Klassenabende, Abschlusskonzert und Umrahmungen, Festivitäten. Diese Struktur fehlt den Schülern gänzlich und sie sehnen sich sehr nach einem normalen Ablauf. Hier merken wir Lehrkräfte auch, wie sehr uns der Austausch mit dem Publikum, sprich Eltern, Angehörigen und Musikliebhabern, fehlt.“

Man habe im März 2020 sofort auf Online-Unterricht umgestellt und dahingehend wenig Probleme. Es sei allerdings eine Herausforderung, die mangelnde Ausstattung mit digitalen Medien seitens der Schüler zu managen. Familien mit mehreren Kindern hätten oft das Problem, dass nicht immer ein Gerät für den Instrumentalunterricht frei ist. Auch die Ton- und Bildqualität hänge sehr oft von einer guten Internetverbindung ab, die nicht immer gegeben ist, es gebe ein großes Stadt-/Landgefälle.

Kovacic: „Erwähnenswert ist auch die Bereitschaft aller Lehrkräfte, ihr eigenes Equipment zu Verfügung zu stellen. Ansonsten haben wir den Schülern große Freiheiten im Stundenplan gegeben, damit sie nicht zu sehr unter Druck geraten. Hier haben alle große Flexibilität gezeigt. Es war auch schon sehr besonders, einmal direkt im Wohnzimmer der Schüler zu sein und es hat sich viel Nähe aufgebaut, was man gar nicht vermuten möchte. Die Unterstützung der Eltern/Erziehungsberechtigten ist auch sehr groß, da sie miterleben können, wie Unterricht bei uns abläuft. Die Wertschätzung ist beiderseits sehr gestiegen.“

Umfrage beendet

  • Beherrscht ihr ein Instrument?