Nahversorgung hat Zukunft: Tratscherl beim Einkaufen. Kleine Geschäfte mit besonderem Angebot sind in Innenstadt und vor allem am Land lebensnotwendig.

Von Beate Steiner und Alex Erber. Erstellt am 26. November 2019 (03:38)
Stammkunde Daniel Steinböck fühlt sich bei „Summsi‘s Frischetreff“ von Helga Summerer bestens betreut.
Hans Kopitz

Josef Wildburger, Innenstadtbewohner seit seiner Kindheit, holt sich bei Elvira Bachinger im Gutding in der Schreinergasse fast täglich Brot, Butter, feine Schmankerl: „Frisch, köstlich, vielfältig und von hoher Qualität, so erleben wir täglich den Geschmack unserer Genussregion. Das ist wahre Lebenskultur.“

Elvira Bachinger bietet in ihrem Geschäft „gute Dinge“ in großer Vielfalt und nach ökologischen Kriterien an: bio, enkeltauglich, also mehr als nachhaltig, und in exzellenter Qualität. „Ich kann den kompletten Bedarf fürs tägliche Leben hier abdecken“, versichert die Kauffrau. Da gibt es feinwürziges Bier und Bio-Wein genau so wie die beste Butter Österreichs, eine feine Käse-Auswahl, cremiges Eis, vorzügliche Öle, frisches Gemüse, duftendes Brot.

Aber auch Reinigungsmittel, Kosmetikartikel und Kleidung für Groß und Klein finden die Kunden im Gutding.

Diese Vielfalt ist es auch, die Elvira Bachinger überleben lässt. „Vom Verkauf der Lebensmittel alleine könnte ich nicht leben“, erklärt die engagierte Kauffrau, die im Gutding auch Kindersachen anbietet, „von bester Qualität und sehr langlebig“, bestätigt Stammkundin Maria Baumgartner.

Mit dabei beim Einkaufen im Gutding ist immer ein gemütliches Tratscherl in gemütlicher Umgebung.

Das schätzt auch Unternehmer Josef Wildburger, der überzeugt ist, dass Nahversorger wie das Gutding unabdingbare Voraussetzung für ein schönes Leben in der Altstadt sind.

Besonders dort, bestätigt St. Pölten-Marketing-Geschäftsführer Matthias Weiländer: „In der Innenstadt gibt es besonders viele Nahversorger in unterschiedlichen Branchen und daher ein besonders vielfältiges Angebot“ – weil der Stadtkern Lebensmittelpunkt nicht nur für die Innenstadtbewohner ist, sondern auch für die vielen Menschen, die hier arbeiten. Die somit Nahversorger nicht nur für Lebensmittel suchen, sondern für alle Dinge des täglichen Bedarfs.

Denn Nahversorgung im weiteren Sinn umfasst all das, was das Leben und die Lebensqualität sichert.

„Im Stadtzentrum gibt es den Wochenmarkt als kulinarischen Nahversorger, überhaupt viel Kulinarisches bis hin zum Mittagsmenü“, erklärt Matthias Weiländer, der betont, dass die Innenstadt dank ihres vielfältigen Angebots lebt. Hier finden die Kunden Schulsachen, Kosmetika, Büro- und Deko-Artikel und viele Services bis hin zum Schlüsseldienst. „Und selbst wenn das Handy nicht mehr funktioniert, wird dir geholfen.“

„Ich kenne sicher an die 200 Kunden mit Namen“

Die Vielfalt ist es auch, die Nahversorger Johann Mohr in Wagram so erfolgreich macht – und sein persönliches Engagement. „Ich sitze jeden Nachmittag an der Kassa und kenne sicher an die 200 Kunden mit Namen“, verrät der Spar-Kaufmann, der gerne mit seinen Kunden tratscht: „Das schätzen die Leute, und ich baue gerne eine Beziehung zu ihnen auf.“

Seinen Kunden bietet Johann Mohr nicht nur viele lokale Produkte an – „zum Beispiel Äpfel vom Buchinger in Ratzersdorf“. Er lässt sich auch immer wieder Besonderes einfallen, wie ein Pickerlheft mit Wagramern. Der Kaufmann besorgt auf Wunsch auch Waren für die Kunden und betreibt außerdem den Postshop in Wagram.

Allerdings schätzen nicht alle St. Pöltner den Einsatz und das Angebot der Kaufleute und vielen ist nicht bewusst, wie wichtig Nahversorger für das funktionierende Leben in einer Kommune sind. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass immer mehr Menschen Qualität nicht so wichtig ist – sie kaufen lieber billig“, weiß Renate Hasslmayer, die mit ihrem Blumengeschäft am Riemerplatz seit Jahrzehnten für die dekorative Nahversorgung der St. Pöltner sorgt. Ihre Kunden sind in den vergangenen Jahren weniger geworden: „Viele nehmen Blumen schnell irgendwo mit, wo sie günstig angeboten werden.“

In der Region Herzogenburg hat Nahversorgung einen hohen Stellenwert, in praktisch jeder Kommune gibt es Waren für den täglichen Einkauf praktisch vor der Haustür. „Summsi‘s Frischetreff“ in Kapelln ist ein Paradebeispiel. Helga Summerer: „Ich mache meine Arbeit immer noch mit großer Freude.“ Ein Erfolgsgeheimnis: Das Geschäft ist nicht nur Geschäft, sondern Kommunikationszentrum. Da verweilt man gerne etwas länger, um sich über Alltägliches auszutauschen. Wie Stammkunde Daniel Steinböck: „Ich wüsste gar nicht, was ich ohne den Treff machen würde.“

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