Pädagogik-Paket: „Großer Wurf, wenn kein Sparpaket“. Pflichtschullehrer-Vertreter erwartet „enormen Leistungsaufschwung“. Auch andere St. Pöltner Direktoren begrüßen geplante Neuerungen.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 09. Oktober 2018 (04:07)
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Fleißig aufzeigen und mitarbeiten heißt‘s für alle Schüler: Mit dem Pädagogik-Paket wird die Leistung wieder stärker beurteilt – meinen die Befürworter der geplanten Reform.

Von „Zurück in die pädagogische Steinzeit“ bis „Endlich werden die Guten wieder gefördert“ reicht die verbale Leistungsbeurteilung für das von VP-Bildungsminister Heinz Faßmann präsentierte Pädagogik-Paket. Vorgesehen sind darin Änderungen für Volks-, Neue Mittelschulen und Polytechnische Schulen. In den Schulen des Bezirks St. Pölten herrscht vorwiegend Optimismus.

„Wenn es so kommt, wie es jetzt heißt, und wenn es kein heimliches Sparpaket ist, ist das ein großer Wurf“, ist der Personalvertreter der St. Pöltner Pflichtschullehrer Michael Lahnsteiner überzeugt. Das bisher Kommunizierte klinge vielversprechend. Gleichzeitig betont der Leiter der Volksschule und Neuen Mittelschule Pottenbrunn, dass auch die Lehrer noch keine genaueren Informationen vom Bildungsministerium hätten.

„Wenn es so kommt, wie es jetzt heißt, und wenn es kein heimliches Sparpaket ist, ist das ein großer Wurf“

Positiv sieht er vor allem die Einführung von zwei Leistungsniveaus in der Neuen Mittelschule , die dann nur mehr Mittelschule heißen soll. „Wenn trotzdem die Personal-Ressourcen des Teamteachings erhalten bleiben, hat man damit wieder die Möglichkeit, die guten Schüler verstärkt zu fördern. Das wird einen enormen Leistungsaufschwung bringen.“ Den Vorwurf, dass das Modell das alte Hauptschul-System zurückbringe, kann Lahnsteiner nicht verstehen: „Das ist Oppositions-Geplänkel. Die Leute, die das sagen, waren nie in der Hauptschule.“

Auf die noch ausstehende Information verweist auch Andreas Tischer, der Leiter der Neuen Mittelschule und der Polytechnischen Schule Herzogenburg. „Solange wir keine genauen Infos aus dem Bildungsministerium haben, möchte ich mich nicht dazu äußern“, bittet er um Verständnis.

Schon eine erste Meinung gebildet hat sich hingegen der Direktor der Neuen Mittelschule Viehofen, Hermann Reichebner: „Den Vorwurf, dass es damit zurückgehe zu den Klassenzügen, kann ich nicht nachvollziehen.“

Sollten die Kinder räumlich nicht getrennt werden, glaubt er nicht, dass die neuen Leistungsniveaus eine große Veränderung zur Folge haben. Dass es aber die Option für getrennte Klassenräume wieder gibt, ist einer der großen Kritikpunkte von Gegner der geplanten Reform. Zustimmung von Reichebner bekommt auch die geplante Rückkehr zum fünfteiligen Notensystem. „Das ist keine Tragödie, für die Kinder vielleicht sogar eine Verbesserung“, meint Reichebner. Bei der Unterteilung in „grundlegend“ und „vertiefend“ hätten manche Schüler maximal ein „Befriedigend“ erreichen können. „Nun ist es auch für die Schwächeren wieder möglich, ein ,Gut‘ oder ,Sehr gut‘ zu bekommen. Das ist für das Erfolgserlebnis sicher positiv“, glaubt Reichebner.

Viel Aufwand durch Namensänderung

Grundsätzlich „wurscht“ ist Reichebner die Namensänderung der Neuen Mittelschule. Sie sei aber mit viel Aufwand verbunden – Briefköpfe, Schilder und Co. müssten geändert werden. „Genau genommen ist das dann der dritte Name. Wir hatten zuerst Neue Niederösterreichische Mittelschule, dann neue Mittelschule, jetzt Mittelschule, vielleicht heißt‘s irgendwann einfach nur mehr Schule“, sieht er es mit Humor.

Auf wenig Widerstand stoßen auch die geplanten Änderungen für die Volksschule . Geplant sind die Wiedereinführung verpflichtender Ziffernnoten und des Sitzenbleibens ab der zweiten Klasse. Christian Waka findet das gut: „Kinder – und auch immer mehr Eltern – fangen mit Sätzen nichts an. Sie wollen wissen, wo sie stehen, und brauchen daher Noten“, ist der Wagramer Volksschuldirektor überzeugt. Die Wiedereinführung des Sitzenbleibens ist für ihn keine Verschlechterung: „Bisher konnte man freiwillig wiederholen, jetzt ist es dann wieder verpflichtend.“ Treffen werde dies aber wenige Kinder: „Die Zahl der Wiederholer ist in der Volksschule gering.“

„Die Kinder können immer weniger, wenn sie in die Schule kommen“

Dringenden Handlungsbedarf gebe es im Volksschul-System aber sehr wohl. Wichtiger als die organisatorischen Neuerungen seien zusätzliche Lehrkräfte für die ersten Klassen. „Die Kinder können immer weniger, wenn sie in die Schule kommen“, ist Waka besorgt. Um diese Defizite auszugleichen, bräuchte es zusätzliche Ressourcen.

Dass Jugendliche, die nach der achten Schulstufe eine falsche Entscheidung getroffen haben, doch noch eine Polytechnische Schule besuchen können, freut PTS-Direktor Georg Spannbruckner. „Wenn eine Höhere Schule oder die Lehre doch nicht das Richtige ist, können sie sich nochmals neu orientieren.“