Schulen im Lockdown: Begeisterung sieht ganz anders aus. Direktor Bernhard Moser zweifelt nicht an Notwendigkeit der Sperre der Lehranstalten, jedoch: „Pädagogisch ist es bedenklich.“

Von Lisa Zederbauer, Günther Schwab und Hans Kopitz. Erstellt am 18. November 2020 (04:00)
In Wölbling ist es aufgrund der aktuellen Situation momentan nicht möglich, die gewohnten Schnuppertage für die Volksschulkinder in der Schule abzuhalten. Die Sportmittelschule gibt deshalb mittels virtueller Tour Einblick in das Schulleben, zu finden auf der Homepage der Schule: www.nmswoelbling.ac.at. Am Bild machen Lena Wurstbauer-Heiß und Yannis Zagan auf diese virtuelle Schul-Tour aufmerksam.
Sportmittelschule Wölbling

Fernunterricht für alle Schüler: Diese Maßnahme im Zuge des Lockdowns ist äußerst umstritten. Offizielle Aussagen vermitteln, dass Begeisterung ganz anders aussieht.

Bernhard Moser, Direktor der Volksschulen Herzogenburg, St. Andrä und Inzersdorf-Getzersdorf, erklärt: „Es kommt sehr viel auf uns zu. Wahrscheinlich ist es für die Eindämmung des Virus ja notwendig, die Schulen wieder zu schließen, aber pädagogisch ist es doch bedenklich. Da wir aber im Frühjahr einiges gelernt haben, hoffen wir somit, alle Schüler gut betreuen zu können.“

„Ich habe gehofft, dass die Schulen für die jüngsten Schüler offenbleiben.“ Edith Minarz-Kress, Elternvertreterin

Martina Teufl, die interimsmäßige Leiterin der Mittelschule, kann die Aussage ihres Kollegen nur eins zu eins bestätigen. „Wir haben am letzten Schultag mit den Kindern noch jedes einzelne Unterrichtsfach durchgenommen, damit die Kinder daheim so wenig Probleme wie möglich haben. Wie es dann weitergeht, werden wir sehen.“

Natürlich sind auch die Elternvertreter von den Schulschließungen nicht begeistert: „Ich habe gehofft, dass die Schulen für die jüngsten Schüler offenbleiben, denn die Schließungen sind eine große Belastung für die Schüler und Eltern, die nicht nur bei den Hausaufgaben gefordert sind, sondern oft auch eine Betreuung organisieren müssen“, sagt die Elternvertreterin der Herzogenburger Volksschule, Edith Minarz-Kress. Nun wünscht sie allen Schülern, dass sie gut durch den Lockdown geleitet werden – und den Lehrern, dass sie aus den Erfahrungen vom Frühjahr schöpfen können.

Ihr Kollege Dietmar Zederbauer von der Mittelschule meint: „Es ist sicher anstrengend für alle Beteiligten, aber vielleicht sehen wir diese Krise auch als Chance.“

Hannes Loichtl, Elternvereinsobmann an der Neuen Mittelschule Traismauer, betont: „Der zweite Schul-Lockdown war anscheinend unvermeidbar, aber viele Eltern haben damit Probleme. In größeren Familien fehlt es oft an Rückzugsmöglichkeiten für fokussierten Heimunterricht und an entsprechender IT-Ausrüstung für jedes Kind. Herausfordernd wird die Vermittlung von Lernstoff und Aufgaben an Volksschüler.“

„Schließung zeitlich auf das Nötigste befristen“

Für Martin Dohnal, Elternvereinsobmann an der Volksschule Inzersdorf-Getzersdorf, ist der zweite Lockdown „auf gar keinen Fall eine Katastrophe, noch kommt er überraschend. Ich verstehe den Hintergrund sehr gut und bin der Überzeugung, dass dieser notwendig war.“

Für viele Familien werde es allerdings Probleme geben, vor allem was Betreuung betrifft, aber es würden auch innerfamiliäre Spannungen auftreten. Dohnal: „In dem Fall ist es wichtig, dass die Regierung die nötigen Maßnahmen zur Unterstützung von Familien setzt und auch die Schließung der Schulen zeitlich auf das Nötigste befristet.“

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