Tägliches Pendeln: „Ärgernis, wenn Zug voll ist“. Süleyman Zorba ist seit dem 16. Lebensjahr nur mit „Öffis“ unterwegs.

Von Alex Erber, Marlene Groihofer und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 10. Dezember 2019 (04:07)
Am Bahnsteig stehen und auf den Zug warten – für den Traismaurer Nationalratsabgeordneten Süleyman Zorba ist das ein tägliches Ereignis. Der „Parade-Pendler“ der Region nimmt für den Weg zur Arbeit und seinen politischen Terminen fast immer die Bahn.
Lisa Röhrer

Für manche Menschen liegt der Arbeitsplatz vor der Haustür, andere müssen täglich eine längere Strecke in Kauf nehmen, um ihren Beruf ausüben zu können. Aktuelle Recherchen der Plattform „addendum“ geben Aufschluss über die Pendler-Aktivitäten der Region.

Ein „Parade-Pendler“ ist Nationalratsabgeordneter Süleyman Zorba von den Grünen. Der Traismaurer fuhr schon mit dem Zug nach Wien und zurück, da war er noch gar nicht in der Politik: „Seit ich 16, 17 Jahre bin, nehme ich den Zug, ich kann also schon auf eine lange Pendler-Karriere verweisen“, schmunzelt er. Und in dieser Karriere hat er viele Begebenheiten erlebt, die er nun auch politisch umsetzen möchte: „Es ist jedes Mal ein Ärgernis, wenn der Zug voll ist. Und Überfüllung kommt leider ziemlich oft vor. Das Angebot muss also in doppelter Hinsicht vergrößert werden, und zwar für jene Menschen, die bereits pendeln, und für jene Personen, denen wir den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr schmackhaft machen möchten.“

Über ein ganz persönliches Pendler-Erlebnis kann er heute schon wieder lachen: „Ich hatte einen anstrengenden Tag und war bei der Heimfahrt müde. Normalerweise stelle ich mir den Wecker, aber ich habe es einfach vergessen. Aufgewacht bin ich schlussendlich in Linz.“

Es blieb noch Zeit für die Rückkehr, allerdings nur bis St. Pölten: „Nach Traismauer habe ich es nicht mehr geschafft, der letzte Zug war schon weggefahren.“ Zum Glück hat Zorba Freunde in St. Pölten, dort konnte er übernachten.

Er ist mit dem Rad unterwegs und das bei Wind und Wetter: Manfred Gundacker aus St. Margarethen ist in St. Pölten im Amt der NÖ Landesregierung beschäftigt: „Seit zehn Jahren fahre ich regelmäßig mit dem Rad in die Arbeit“, erzählt er. Angefangen damit hat er aus sportlichem Ehrgeiz und um Sport, Arbeit und Privatleben bestmöglich unter einen Hut zu bekommen. Früher fuhr er mit dem Bus, davor pendelte er mit dem Auto und öffentlich nach Wien. Nach St. Pölten und retour braucht er mit dem Fahrrad nun je eine Stunde, da er auf seiner Strecke gar noch einen Umweg einlegt: „Wenn ich in der Früh in die Arbeit komme, bin ich schon ganz frisch und auf Touren. Wenn ich heimkomme, habe ich den Kopf wieder frei“, erzählt der St. Margarethener.

In Herzogenburg stieg der Pendleranteil seit 1991 um 19 Prozent, in Wilhelmsburg um 17 Prozent. Den höchsten Pendleranteil im Bezirk St. Pölten hat Haunoldstein. 2017 pendelten dort 86 Prozent der Bewohner aus. „Wir sind eine Wohngemeinde. Viele Einwohner nutzen die Ruhe und die gute Anbindung in Haunoldstein, um hier zu wohnen und nicht weit zur Arbeit fahren zu müssen“, findet Bürgermeister Hubert Luger eine Erklärung.

Flexibler durch Pendeln mit dem Auto

35 Prozent der St. Pöltner haben ihren Arbeitsplatz nicht in ihrer Heimatstadt. Dazu gehört auch Bernhard Wurzer, Ex-VP-Stadtrat und nun Generaldirektor der Österreichischen Gesundheitskasse. „Ich pendle seit dem Jahr 2000. Eine Stunde in jede Richtung, das entspricht einem zusätzlichen Arbeitstag pro Woche“, rechnet Wurzer vor. Er sei auf das Pendeln mit dem Auto angewiesen, denn manchmal muss er bis spät in die Nacht arbeiten und da würden keine beziehungsweise nur wenige Züge fahren: „Ich liebe die Stadt St. Pölten aber so sehr, dass ich das Pendeln gerne in Kauf nehme.“

„St. Pölten ist privilegiert“

Ein begeisterter Zugpendler ist Florian Müller, der für die Öffentlichkeitsarbeit im Museum NÖ zuständig ist. Er pendelt täglich von Wien nach St. Pölten. „Ich nutze die Zeit im Zug zur Entspannung. In der Früh verlängere ich aber auch schon einmal den Schlaf“, erzählt Müller. Dennoch gebe es beim Pendeln an sich nichts zu beschönigen. „St. Pölten ist aber sehr privilegiert, was die öffentliche Anbindung betrifft. Eine halbe Stunde im Zug ist eine überschaubare Art des Pendelns, so Müller.

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform „addendum“ der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH. erstellt.

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