Wenn das Auto zur Mangelware wird …

Aufgrund des weltweiten Halbleiter- Engpasses gibt es bei neuen Autos auch in der Region Herzogenburg und St. Pölten extrem lange Lieferzeiten.

Erstellt am 28. Oktober 2021 | 04:20
Herbst Auto Symbolbild
Foto: shutterstock.com/LeManna

„Ich könnte derzeit meinen Gebrauchtwagenplatz einer Fußballmannschaft zum Training zur Verfügung stellen.“ Porsche-St. Pölten-Chef Michael Czerny nimmt die aktuelle Situation mit Humor.

Wenngleich es derzeit nicht gerade lustig ist: „Uns fehlen über 200 Autos zum Normalbetrieb.“ Der Grund: Die Autohersteller haben einen Halbleiter-Engpass, ein weltweites Problem, den Autohandel hat es hier voll erwischt (nachdem 2021 sehr gut begonnen hat). Extrem lange Lieferzeiten für neue Autos sind die Folge. Und auch die Gebrauchtwagen werden immer weniger – weil ja nichts eingetauscht wird.

Diesel Elektroautos NÖ
Statistik Austria: Illustration: petovarga/shutterstock.com, Grafik: Hammerl

Aktuell ist die Branche in erster Linie damit beschäftigt, Kunden zu vertrösten – wann das bestellte Auto kommt, kann man allerdings nicht verlässlich sagen. Lieferzeiten von sechs bis zwölf Monaten sind „normal“. Und aktuell muss man bei vielen Bestellungen auf Goodies wie Toter-Winkel-Warner, Head-up-Display, Bluetooth oder belüftete Sitze verzichten.

Christian Hofbauer (Škoda Hofbauer) appelliert an die Kunden: „Wenn Sie nächstes Jahr ein neues Auto wollen, weil zum Beispiel der Leasing-Vertrag ausläuft, sollten Sie jetzt bestellen!“ Und wenn man jetzt dringend ein neues Auto braucht? „Dann wird man eine Lösung finden. Der Kunde muss allerdings das Fahrzeug nehmen, das da ist. Auf Farbe, Motorisierung und Ausstattung kann man da leider keine Rücksicht nehmen“, so Hofbauer. Der Autoprofi denkt weiter: „Ich fürchte, dass es heuer auch bei Winterreifen zu Engpässen kommen könnte . . .“ Situative Winterausrüstungspflicht für Pkw besteht ab 1. November.

Für Werner Blum (Ford Blum) ist das Problem teilweise „hausgemacht“. Der Präsident des Verbands der österreichischen Ford-Händler ortet eine bevorzugte Produktion CO 2 -sparsamer Modelle. Florian Schirak (Schirak automobile) und Franz Mayer (Mazda Mayer) betonen, dass es aufgrund der Situation so schnell zu keiner Rabattschlacht kommen werde. Und dass es für einige Autohäuser eng werde, weil der Umsatz fehle. Beide Händler schließen auch nicht aus, dass Autos aufgrund der Halbleiter-Problematik teurer werden.

Elektroauto überholt im Bezirk den Diesel-Pkw

Unabhängig von der Halbleiter-Sache hat das Elektroauto das Dieselauto überholt – zumindest bei den Pkw-Neuzulassungen in Niederösterreich der vergangenen zwei Monate. Und wie schaut es in St. Pölten aus? In der Stadt war im September der Selbstzünder knapp vorne (26 zu 23), auf dem Land gewann der Vollstromer souverän (39 zu 26).

Für Werner Blum und Dietmar Lembacher (Geschäftsführer Toyota Frech) ist das Elektroauto „nicht der Weisheit letzter Schluss“. Blum: „Die Sache mit den Elektroautos ist von der Politik gesteuert – und überhaupt nicht fertig gedacht! Was ist mit der Infrastruktur? Was ist mit der Entsorgung?“ Lembacher glaubt, dass das Wasserstoffauto die Zukunft sein könnte.

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