Zivilcourage: Schülerin rettete Buslenker das Leben. Dramatische Szenen in der Traismaurer Katastralgemeinde Wagram: Busfahrer wurde plötzlich bewusstlos, 18-Jährige setzte die Rettungskette in Gang: Der Mann ist wohlauf.

Von Alex Erber. Erstellt am 28. Oktober 2020 (04:34)
Celine Gruber bei der Bushaltestelle in der Wachaustraße: „Für mich war diese Hilfe selbstverständlich.“
Günther Schwab

Zu dramatischen Szenen kam es vor wenigen Tagen an der Bushaltestelle Wachaustraße in der Traismaurer Katastralgemeinde Wagram.

In der Haltestelle stand gegen 6.50 Uhr der Schulbus, davor ein wild gestikulierender Bub. Celine Gruber passierte gerade mit ihrem Auto die Straße und tat das, was zuvor zehn andere Lenker nicht gemacht hatten, wie der Junge versicherte. Sie hielt ihren Wagen an: „Kommen Sie bitte schnell, da stimmt etwas nicht!“, bat der Bub.

Mit einem Blick erfasste die Herzogenburgerin, die bei ihrem Freund in Wagram übernachtet hatte, die Situation: Der Lenker des Busses lag kopfüber gebeugt am Lenkrad und rührte sich nicht.

Mann stammelte Unverständliches

Der jungen Notfallsanitäterin, die am Weg zur Schule war, gelang es, den Bus mit einem Not-Hebel von außen zu entriegeln und kümmerte sich sofort um den Lenker. Der 46-Jährige war bewusstlos. Celine Gruber begann sofort mit Reanimationsmaßnahmen. Als sie abermalig den Puls maß, erwachte der Mann plötzlich und gab nur schwer verständliche Sätze von sich. Wenig später waren auch schon die Einsatzkräfte des Samariterbundes zur Stelle, die die Handelsakademikerin alarmiert hatte. Die Sanitäter lieferten den Buslenker nach der Erstversorgung ins Krankenhaus ein.

Mittlerweile befindet sich der Fahrer bereits auf dem Weg der Besserung: „Wie sich herausstellte, war die Situation zum Glück nicht lebensbedrohlich. Der Mann ist in absehbarer Zeit wieder einsatzfähig. Ihm war unmittelbar vor der Haltestelle Wachaustraße plötzlich unwohl geworden, er konnte den Linienbus mit den Fahrgästen sicher anhalten. Laut seinen Angaben hat er in der Früh eventuell etwas Schlechtes gegessen“, berichtet ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif im NÖN-Gespräch.

„Für mich war diese Hilfe ganz selbstverständlich. Zum Glück geht es dem Busfahrer besser.“ Celine Gruber

Die Passagiere wurden zehn Minuten nach dem Vorfall vom nachkommenden Linienbus mitgenommen und plangemäß nach Krems transportiert.

Und Celine Gruber? Bleibt bescheiden. „Für mich war diese Hilfe ganz selbstverständlich“, wehrt sie Gratulationen zu ihrer besonderen Zivilcourage ab. Sie sei sehr froh, dass der Buslenker letztlich unbeschadet davongekommen ist.

So selbstverständlich ist diese Zivilcourage auch wieder nicht, das weiß auch der Direktor der Tullner Handelsakademie und Bürgermeister Peter Eisenschenk: „Wirklich vorbildlich gemacht“, lobte er das rasche Einschreiten.

Auch der direkte Vorgesetzte des Chauffeurs, Verkehrsleiter Christian Umlauf, bedankt sich mit herzlichen Worten bei der 18-Jährigen: „Dass die Rettungskette so schnell in Gang gesetzt wurde, ist alleine das Verdienst von Celine Gruber. Im Ernstfall wäre das von entscheidender Bedeutung gewesen.“