Kirchner vor Demontage. Eigentümer-Ehepaar Bruns stellt in Kürze die Produktion ein und möchte sich auf die Ersatzteilversorgung spezialisieren. Rund 50 Mitarbeiter verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz.

Von Alex Erber. Erstellt am 25. Juli 2018 (05:04)
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Notbremse: Nach markantem Verlust im Vorjahr wird die Produktion geschlossen. Künftig spezialisiert sich Kirchner auf die Ersatzteilversorgung.

„Die Firma Kirchner ist im Konkurs!“ Diese Meldung hat im Jahr 2015 das ganze Fladnitztal erschüttert. Das seit 1941 bestehende Familienunternehmen sollte nicht mehr weiter bestehen? Das Aufatmen war groß, als der Sanierer Wolfgang W. Bruns auf den Plan trat. Er gründete das Unternehmen neu, es setzte auf Anhieb Akzente im Bereich innovativer Gülle- und Streutechnik.

Strategie musste überdacht werden

Doch wie aus heiterem Himmel platzte in der Vorwoche eine Bombe, die das Fladnitztal neuerlich aus den Fugen geraten lässt: Die Firma Kirchner Agrar- und Kommunaltechnik stellt in Kürze die Produktion ein und spezialisiert sich zukünftig auf die flächendeckende Ersatzteilversorgung. Dabei hat das Branchenblatt „Bauernzeitung“ erst im Februar verkündet: „Kirchner-Landtechnik auf Wachstumskurs!“

Geschäftsführer Wolfgang W. Bruns: „Die sich verändernde Marktsituation in der Landwirtschaft, steigende Herstellkosten und der immer größer werdende Preiskampf in der produzierenden Landtechnikindustrie haben uns dazu veranlasst, die Strategie zu überdenken. Unser Ansatz war Premiumqualität zu produzieren, technische Innovationen zu implementieren und für höchste Kundenzufriedenheit zu sorgen.

Die Erhaltung der Wertschöpfung in der Region sowie die Schaffung von wertvollen Arbeitsplätzen bildete die zentrale Vision der Eigentümer. Bruns weiter: „Wir haben die Marke Kirchner wieder neu belebt und konnten seit unserer Neugründung 2015 jedes Jahr markante Umsatzsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich verzeichnen. Aus unternehmerischer Sicht ist es trotzdem notwendig Veränderungen, für die Zukunft herbeizuführen, um die Nachhaltigkeit der Marke abzusichern. Darum haben wir uns auch zu diesem mutigen Schritt entschlossen, die Produktion von Neumaschinen einzustellen. Wir werden uns zukünftig nur noch auf die optimale Versorgung mit hochwertigen Ersatzteilen konzentrieren.“

Auf NÖN-Anfrage präzisiert Kirchner-Pressesprecher Bernhard Schmied, dass man trotz der Umsatzsteigerungen im Vorjahr einen „herben Verlust“ eingefahren habe: „Leider gelang es dem Unternehmen nicht, nachhaltig in die Gewinnzone zu kommen.“

Aufträge werden nicht mehr angenommen

Rund 50 Mitarbeiter und drei Lehrlinge werden ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Geschäftsführung hat in der Vorwoche auch das Frühwarnsystem des AMS aktiviert. Mitarbeiter von Arbeitsmarktservice und Arbeiterkammer haben die Belegschaft bereits über rechtliche Folgen informiert. Ein Gespräch mit Bürgermeisterin Karin Gorenzel steht am Montag, 30. Juli, auf dem Programm.

Bestehende Aufträge werden fertig produziert. Es werden keine neuen Aufträge mehr angenommen.