Rüstige Pensionistin durfte Lebensretterin treffen. Bernadette Bauer rettete Anna Köck aus St. Andrä das Leben. Die Rettungssanitäter wiesen auf die große Bedeutung der Ersthelfer hin.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 28. November 2017 (05:25)
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Rettungssanitäter Robert Chitan, Lebensretterin Bernadette Bauer, Notfallsanitäter Christian Windbrechtinger, Beate Bauer (Tochter), Flugrettungssanitäter Robert Huber, Notfallpatientin Anna Köck, Pilot Gerald Spieß (von links).
NOEN, Martin Kalchhauser

Um ein Haar hätte die Pensionistin Anna Köck aus St. Andrä ihren 75. Geburtstag, den sie am 7. Oktober begehen konnte, nicht erlebt. Dass ihre Familie die fröhliche, rüstige Oma noch hat, ist dem beherzten Eingreifen der Ersthelferin Bernadette Bauer (45) aus Jettsdorf im Bezirk Tulln zu verdanken.

Es war der 4. Oktober 2017. Köck war gegen 17 Uhr gemeinsam mit ihrem Sohn Walter in einem Geschäft im Gewerbepark Krems-Ost einkaufen, als sie plötzlich zusammensackte. Bauer, die sich gerade mit ihrer Tochter Beate (14) im selben Supermarkt aufhielt, erfasste die Notsituation als erste. Sie fragte den Mann, was mit seiner Mutter los sei. Als sie keinen Puls ertasten und keine Atmung feststellen konnte, ergriff sie die Initiative. Wenige Sekunden später begann sie mit der Reanimation der leblosen Pensionistin.

Reanimation innerhalb weniger Sekunden

Via Handy erhielt sie kurz darauf für ihre Maßnahmen Anweisungen der Leitstelle „144“, während sich Rettungskräfte des Roten Kreuzes Krems auf den Weg zum Notfallort machten. Notfallsanitäter Christian Windbrechtinger, der gerade mit dem Zivildiener Robert Chitan von einem Krankentransport zurückkehrte, erhielt via Funk den Einsatzbefehl und raste mit Blaulicht und Folgetonhorn Richtung Gewerbepark.

Die beiden waren die ersten Helfer, die eintrafen. Windbrechtinger brachte gemeinsam mit seinem Kollegen in der Folge einen Defibrillator zum Einsatz und verabreichte der Patienten einen Elektroschock. Mit Erfolg: Das Herz der Frau begann wieder zu schlagen. Wenige Minuten später übernahm das Team des ÖAMTC-Notarzthubschraubers „Christophorus 2“ – an diesem Tag mit Pilot Gerald Spieß, Notarzt Clemens Harrer und dem leitenden Rettungssanitäter am Stützpunkt Krems, Robert Huber – die letztlich erfolgreichen Maßnahmen.

Geschenk für Lebensretter

Knapp neun Wochen nach der Rettungsaktion stellte sich Anna Köck gemeinsam mit Sohn Walter Köck und Tochter Erika Frühwald am Hubschrauber-Stützpunkt Krems-Gneixendorf bei der Helferin und den Rettungsteams ein, um mit einem Geschenk und Blumen Dank abzustatten. Mit dabei waren auch die Kinder der Frau, Roman und Andrea, die froh sind, ihre Oma noch zu haben, und die Gelegenheit nützten, den Rettungshelikopter zu inspizieren.

„Wenn diese Frau nicht so beherzt gehandelt hätte, wären alle anderen Maßnahmen zu spät gekommen“, wies Flugrettungssanitäter Huber dabei ausdrücklich auf den Umstand hin, dass die Ersthelfer das wichtigste Glied in der Rettungskette sind. „Wenn Frau Bauer nicht gewesen wäre, hätte ich meinen 75. Geburtstag nicht erlebt“, weiß auch Anna Köck, dass sie ihrer Retterin das Leben zu verdanken hat. Die Frau erhielt in Folge der Geschehnisse in Krems einen Herzschrittmacher mit eingebautem Defibrillator und erfreut sich wieder guter Gesundheit.

Großer Stolz auf die Mama

„Es ist wichtig, dass möglichst viele Leute Erste Hilfe leisten können“, betont Bernadette Bauer, die ihre Ausbildung erst im Februar dieses Jahres bei einem von der FF Grafenwörth organisierten Rotkreuz-Kurs gemacht hatte. „Ich hatte in der Notsituation noch die Worte des Ausbildners im Ohr!“ Für Tochter Beate war der Vorfall dramatisch, sie brauchte einige Tage, den Vorfall zu verarbeiten. Was aber blieb, ist großer Stolz auf ihre Mama, die in Krems zur Lebensretterin wurde.