Der Steg wird neu gebaut. Alte Konstruktion stammt aus 1885. Alle Mandatare befürworteten das 660.000-Euro-Projekt.

Von Hans Kopitz und Birgit Kindler. Erstellt am 02. April 2019 (06:22)
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Auch Josef Böck benutzt regelmäßig den Steg, um nach Herzogenburg zu kommen. Der Boden ist mit rund 470 Brettern ausgelegt.
Hans Kopitz

Über 100 Jahre ist der St. Andräer Steg über die Traisen alt. Heuer wird die aus dem Jahr 1885 stammende Konstruktion abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Das Projekt wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung einstimmig beschlossen.

„Eine Begehung mit Experten ergab, dass eine Sanierung 288.000 Euro kosten würde und ein Neubau 660.000 Euro. Dabei gibt es aber eine Förderung vom Land mit bis zu 50 Prozent. Wird nur saniert, bekommen wir keinen finanziellen Zuschuss“, teilte SP-Bürgermeister Christoph Artner mit. Da die Kosten damit fast gleich hoch seien, sei er für einen Neubau. Auch VP-Stadtrat Erich Hauptmann hält diese Entscheidung für sinnvoll ebenso wie die FP-Fraktion, Blüh-Gemeinderat Hermann Feiwickl und die „wilde“ Mandatarin Birgit Pradl. Die Grünen sprachen sich ebenfalls für den Neubau des Steges aus. „Obwohl diese Maßnahme schon ein bisschen wehtut“, meint Stadtrat Franz Gerstbauer.

 „Aber man kann es natürlich nicht allen Menschen recht machen.“Christoph Artner, SP-Bürgermeister 

Der Bürgermeister betonte, dass ein Neubau ein Mehrwert für die Bevölkerung sei, „aber man kann es natürlich nicht allen Menschen recht machen“, meinte Artner und sprach damit auch einige wenige Stimmen an, die sich gegen Abriss des Steges aussprachen. Eine St. Andräerin zeigte sich beispielsweise erbost über die Entscheidung im Gemeinderat: „Auch das Palmenhaus in Schönbrunn wurde – wie einst der Steg – von der K. K. Hof-Eisenkonstruktionswerkstätte Gridl errichtet. Und das Haus wurde auch renoviert und nicht abgerissen!“

Regelmäßig überquert wird der Steg von „Fast-Anrainer“ und ehemaligem Stadtrat Josef Böck. Er benutzt den Übergang, wenn er mit dem Rad in die Stiftsstadt fährt. „Als wir im vergangenen Sommer hier an der Birkengasse für längere Zeit Bäume gepflanzt haben, sahen wir erst, welches Verkehrsaufkommen an Radfahrern und Fußgängern im Sommer herrscht“, so Böck, der sich für eine Verbreiterung beziehungsweise Erneuerung ausspricht.

100 Jahre St. Andräer Steg feierte man im Jahr 1985 unter Bürgermeister Anton Rupp.
NOEN

Um den Neubau umzusetzen, wird man sich in den nächsten Monaten mit den Planungsarbeiten auseinandersetzen. „Zuerst einmal muss der Zustand der Unterbauten erhoben werden. Und wenn hier kein größerer Arbeitsaufwand notwendig ist, kann es bereits im nächsten Sommer einen neuen, breiteren Steg geben“, gibt Artner den Zeitplan vor und informierte auch, dass der Steg, obwohl er über 100 Jahre alt ist, nicht unter Denkmalschutz steht.

Im Jahr 1932 stürzte der Steg ein. „Infolge des seit Tagen anhaltenden Regenwetters ist die Traisen aus den Ufern getreten. Ein Pfeiler des Steges wurde unterwaschen, dass er sich neigte, wodurch das Mittelfeld des Steges am 4. Jänner 1932 die Auflage verlor und in den Fluss stürzte. Verletzte gab es keine, der Schaden für die Gemeinde St. Andrä betrug rund 5.000 Schilling“, ist in Wilhelm Weitzels Heimatbuch zu lesen.
privat

Geht es nach dem Bürgermeister, sollen dann mit dem neuen, breiteren Übergang die Streitigkeiten, wer als erster mit dem Rad über den Steg darf und von welcher Seite er zuerst benutzt werden darf, der Vergangenheit angehören. Denn da der Steg nur rund einen Meter breit ist darf laut Verkehrsordnung, das Fahrrad am Steg nur geschoben werden. Oft herrschte reger Betrieb, denn die „Brücke“ ist nicht nur Teil des österreichischen Jakobsweges, sondern auch die kürzeste Verbindung zwischen Herzogenburg und St. Andrä.

Bei der Gemeinderatssitzung schlug VP-Mandatar Peter Schwed vor: „Wenn der alte Steg wegkommt, sollte man vielleicht ein ein oder zwei Meter langes Teil davon als Erinnerung dort aufstellen.“ Diesen Vorschlag konnte auch VP-Stadtrat Erich Hauptmann etwas Positives abgewinnen.