Stelzer schließt für immer. ÄRA GEHT ZU ENDE / Stadtbaumeister sperrt mangels Nachfolger Unternehmen zu: „Es waren schöne, erfolgreiche Jahrzehnte.“

Erstellt am 28. Juni 2011 (00:00)
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Die kommenden Jahre genießen will Stadtbaumeister Hans Stelzer, im Bild mit Gattin Christine uns seiner erfolgreichen Tochter Simone, bei deren jüngsten Konzert im Herzogenburger Freizeitzentrum.HANS KOPITZ
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VON HANS KOPITZ

REGION HERZOGENBURG / „Bauen an der Peripherie muss nicht notwendigerweise in anonymisierendem Brei des gesichtslos Immergleichen landen. Mit dem Bürogebäude für den Baumeister Hans Stelzer wurde der gebaute Beweis angetreten, dass die Lage in einer Schottergrube unweit des Bahnhofs nicht zum Nachteil gereichen muss. Ganz im Gegenteil: Sie verleiht Flügel“, hieß es damals in einer Fachzeitschrift, als im Jahr 2004 das neue Bürogebäude von Stadtbaumeister Hans Stelzer bei der Aktion „Vorbildliches Bauen“ ausgezeichnet wurde. Und jetzt heißt es „Aus“ - nicht nur für das Bürogebäude, das einer neuen Bestimmung entgegenblickt, sondern auch für die Firma Stelzer, die mit Stolz auf vier Generationen in der Ausführung und Planung von Bauvorhaben zurückblicken kann und nun für immer ihre Pforten schließt.

„Es waren schöne und erfolgreiche Jahrzehnte und wir bedanken und recht herzlich bei allen Auftraggebern, Lieferanten und vor allem bei unseren leistungsstarken Mitarbeitern, die bis zum Schluss mit der Realisierung großartiger Projekte betraut waren“, so Stadtbaumeister Hans Stelzer, der unlängst seinen 70. Geburtstag feierte und nun - wie er sagte - noch ein paar schöne Jahre im Kreise seiner Lieben verbringen möchte. Zwei Kinder - einen Sohn und eine Tochter - hat ihm Gattin Christine geboren, die nicht nur die Familie zusammengehalten hat, sondern auch immer, wenn es ihr möglich war, im Büro ihren Platz fand. Sohn René ist Zivilingenieur und Tochter Simone, die Hoch- und Tiefbau studiert hat und eigentlich für den Fortbestand der Baumeisterei „vorgesehen“ war, hat eine großartige Karriere als Sängerin hingelegt und ist eine der gefragtesten Künstlerinnen im deutschsprachigen Raum.

„Unsere Stärken lagen vor allem in der Planung und Ausführung architektonisch anspruchsvoller Objekte“, so DI Hans Stelzer, der auch vor drei Jahren das von seinem Vater ererbte Haus an der Bruckner-Kurve umgebaut hat. Nun zählt es zu den „Eyecatchern“ der Innenstadt. „Wir wollten der Stilfassade des Hauses nach 100 Jahren Bestandsdauer durch eine kontrastreiche Farbgebung die Ästhetik wiedergegeben hat, die die Architektur als höchste Eigenschaft abverlangt. Ein Altgebäude wie dieses, mit neuen Aufgaben zu versehen, kann vernachlässigte Bereiche im Stadtkern wieder zu neuem Leben erwecken. Die Geschichte eines Gebäudes zu respektieren heißt, auch dessen Ungereimtheiten zu vergegenwärtigen und die Art der Umgestaltung vom Charakter des Bauwerks abhängig zu machen. Ein Kompromiss zwischen Erhalten und Verändern“, so Stelzer zu den erfolgreichen Projekten in den letzten Jahren auch das Pfarrhaus Kleinhain, die Piaristenstiege in Krems, das Amtshaus des Kremser Magistrates am Stadtgraben, die Emmaus-City-Farm in St. Pölten, die Sparkasse, der Kindergarten und der Hofermarkt in Herzogenburg zählen.