Bezirk St. Pölten: 1.000 Mal „zu schnell“ im Monat. Verkehrssünder werden für Tempoübertretungen empfindlich zur Kassa gebeten. Schein ist jetzt länger weg.

Von Gila Wohlmann, Alex Erber, Renate Hinterndorfer und Gerhard Hackner. Erstellt am 08. September 2021 (05:25)
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Karl Singer von der Polizei Kirchberg bei der Radarkontrolle an der B 39 in Schwerbach. Foto: Hackner
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Mit 1. September wurden die Strafen für Schnellfahren extrem angehoben, die Dauer des Führerscheinentzuges bei Tempoübertretungen verdoppelt. Doch können höhere Strafen notorische Raser vom Schnellfahren abhalten?

„Grundsätzlich sind höhere Strafen schon eine Abschreckung.“Josef Kronister, Bezirkshauptmann

Dass es durch die Strafsatzerhöhung zu weniger Organmandaten und Anonymverfügungen, aber dafür zu mehr Strafverfahren, wo eine Verwaltungsstrafvormerkung die Folge ist, kommt, ist Bezirkshauptmann Josef Kronister überzeugt. Letztere wirke sich im Wiederholungsfall negativ auf die Strafhöhe aus. „Grundsätzlich sind höhere Strafen schon eine Abschreckung“, meint der Bezirkshauptmann.

Österreich habe, findet er, ohnedies keine extrem hohen Strafen, im Vergleich zu anderen Ländern wie etwa Italien.

An die 95 Prozent aller Anzeigen, mit denen die Behörde befasst ist, betreffen Verkehrsdelikte. Im Vorjahr gab es coronabedingt insgesamt an die 88.000 Anzeigen, normalerweise sind die Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaft pro Jahr mit 110.000 bis 120.000 Anzeigen beschäftigt.

Die meisten Beschwerden betreffen die Ortsgebiete

Klassische Raserstrecken ortet Bezirkspolizeikommandant Gerhard Pichler im Bezirk St. Pölten aber nicht. Zu schnell gefahren, wird dennoch „Grundsätzlich sind lange ,Gerade-aus-Straßenstücke‘ unfallträchtig und verleiten zum Schnellfahren“, stellt er fest.

Die meisten Beschwerden der Bevölkerung betreffen, weiß Pichler, die Ortsgebiete. Hier wird mit Radarboxen, Geschwindigkeitsanzeigetafeln der Gemeinden und Laser-Messungen gegengesteuert. „Es bestätigt sich aber immer wieder, dass die subjektive Wahrnehmung der gefahrenen Geschwindigkeit eine andere ist, als die dann tatsächlich gemessene“, weiß er.

Grundsätzlich stellt die Exekutive im Bezirk rund 1.000 Geschwindigkeitsübertretungen pro Monat fest. Die Geschwindigkeitsüberwachung ist stets ein Bündel an Maßnahmen. Radarwägen werden genauso eingesetzt wie die Multabox oder das Laser-Geschwindigkeitsmessgerät.

Es wird aber auch mit Laser-Stafetten kontrolliert, wo ganze Straßenzüge in kürzen Streckenabschnitten mit Laser-Geschwindigkeitsmessgeräten überwacht werden oder wo zu gewissen Zeiten im ganzen Bezirk sämtliche Polizisten im Außendienst Geschwindigkeitsmessungen vornehmen. Pichler: „Diese Maßnahmen passieren immer in Abstimmung, teilweise auch mit Unterstützung der Landesverkehrsabteilung.“

Roadrunner-Szene beim Ratzersdorfer See beruhigt

Im Bezirk St. Pölten hat die Exekutive 1.029,81 Straßenkilometer, davon 687,14 im Freiland und 342,67 im Ortsgebiet, zu überwachen. „Diese Zahlen belegen die enorme Herausforderung der straßenpolizeilichen Überwachung und den damit verbundenen Ressourcenbedarf“, stellt Pichler fest.

Herausforderungen im Bereich Biker-Strecken sind alle kurvenreichen Strecken; dazu zählt vor allem das Pielachtal oder auch die L 123 bei Pressbaum. „Für die Überwachung kurviger Strecken ist eine geeignete Messstelle nötig, weil hier die Bedienungsvorgaben des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen einzuhalten sind“, erklärt der Bezirkspolizeichef.

Schnellfahren führt immer wieder zu fatalen Unfällen: So verlor ein Biker Ende Mai auf der L 123 sein Leben und auf der B 39 verursachte ein Lenker, ebenfalls im Mai, nahe des Flugplatzes Völtendorf einen tödlichen Unfall. Er setzte bei weit überhöhter Fahrgeschwindigkeit ein riskantes Überholmanöver und krachte in den Wagen eines Ober-Grafendorfers. Der Lenker beging Fahrerflucht, für den 24-Jährigen gab es keine Rettung mehr.

In der Landeshauptstadt nimmt das Stadtpolizeikommando keine expliziten Raser-Strecken wahr. Thema sei manchmal die Roadrunner-Szene beim Ratzersdorfer See. Diese hätte sich aber beruhigt. „Das ist auch auf unseren Kontrolldruck zurückzuführen“, meint ein Polizist. Gerade jetzt zu Schulbeginn überwacht die Exekutive verstärkt im ganzen Bezirk, um für die Sicherheit der Kinder zu sorgen.

Und was denken Florianis, die oft Augenzeugen dramatischer Folgen des Schnellfahrens sind, über die Raser im Land? „Uns sind keine Straßen im Bezirk bekannt, die man als ,Raser-Strecken‘ bezeichnen könnte. Es gibt zwar vereinzelt Unfälle, die möglicherweise auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen sind, aber darüber zu spekulieren, ist nicht Aufgabe der Feuerwehr“, so Bezirksfeuerwehrkommandant Georg Schröder.

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