Traisenlände: Aufregung um Wohnwagensiedlung. ILLEGAL / Fahrendes Volk ließ sich ohne Genehmigung nieder. Bürgermeister Pfeffer entschied sich für „goldenen Mittelweg“.

Erstellt am 17. Mai 2011 (00:00)
Wohnwagensiedlung an der Traisenlände: Im Gegensatz zur Vorgangsweise in anderen Gemeinden haben die Roma nicht um Genehmigung zum Campieren angesucht. Das sorgte für Ärger.GÜNTHER SCHWAB
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VON ALEX ERBER

REGION HERZOGENBURG, TRAISMAUER / Am Freitag der vorvergangenen Woche schrillten bei Anneliese Lechner die Alarmglocken: Bei einem Spaziergang entdeckte sie zufällig, dass an der Traisenlände, konkret am linken Fluss-Ufer, eine Wohnwagensiedlung aufgebaut wird.

Sofort kontaktierte sie Bürgermeister Herbert Pfeffer: „Ich vermute, dass das fahrende Volk dort ohne Genehmigung, also illegal, campieren möchte.“

Die aufmerksame Bürgerin traf mit ihrer Vermutung ins Schwarze. Roma und Sinti, meistens unterwegs zu Kongressen, sorgen nicht nur in der Römerstadt für Aufregung. Obwohl als Minderheit unter Schutz der EU stehend, sind sie kaum wo gern gesehen: Diebstähle sollen sich in ihrer Anwesenheit häufen, zurückgelassen werde nichts als Unrat – so wird geredet.

Aber sie haben aus Fehlern der Vergangenheit gelernt: Bevor man sich entlang der Kongress-Routen niederlässt, wird um Genehmigung zur Rast oder Übernachtung angesucht. Das ist im konkreten Fall unterblieben, bestätigt Stadtchef Herbert Pfeffer: „Es war nichts genehmigt, es handelte sich um eine illegale Aktion.“

Pfeffer kontaktierte umgehend einen Rechtsanwalt, der erklärte, dass rechtliche Schritte kaum etwas bringen: „Bevor das Ganze eingeleitet ist beziehungsweise auf Touren kommt, sind die Roma schon wieder abgezogen. Abgesehen davon, dass es ja nicht einmal einen Zustellungsbevollmächtigten gibt.“

Der Bürgermeister weiß um die schwierige Thematik Bescheid: „Tut man nichts, beklagen sich die Bürger. Setzt man auf Härte, begibt man sich möglicherweise ins rechte Eck.“

Für einen „goldenen Mittelweg“ hat sich der Sozialdemokrat entschieden: „Es waren auch einige Kinder dabei, da muss man Milde walten lassen. Ich habe vereinbart, dass wir nichts unternehmen, wenn der Abzug bis Montag erfolgt ist.“

An diesem Tag wurde Pfeffer etwas mulmig, denn die Vereinbarung wurde nicht eingehalten. Noch mulmiger im Bauch sah es am Dienstag aus, denn die Roma campierten noch immer. Am Mittwoch schließlich reisten sie weiter.

Interveniert hat übrigens auch die Polizei: „Keine besonderen Vorkommnisse“, betont Inspektionskommandant Dieter Morokutti.