Erich Poyntner als Wahlbeobachter in Russland. Der Traismaurer Erich Poyntner reiste als Wahlbeobachter nach Russland.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 27. März 2018 (05:12)
NOEN, ob beim Votum alles mit rechten Dinge zugeht.
Mit dem Wahlleiter (r.) führte Erich Poyntner Gespräche und überwachte,

Mit einem Privatchaffeur und einer persönlichen Betreuerin reiste Erich Poyntner bei Eiseskälte zur Russland-Wahl durch Moskau. Als eine von 200 Personen wurde der Traismaurer vom russischen Bundesrat aufgefordert, die Präsidentenwahl, bei der Wladimir Putin mit 76,69 Prozent der Stimmen für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt wurde, zu beobachten.

Nach einer siebenseitigen Instruktion besuchte er Wahllokale und beobachtete den Ablauf des Urnengangs. Er schaute den Wahlleitern über die Finger und nahm die Menschen, die ihre Stimme abgaben, unter die Lupe. „Ich musste schauen, ob bei der Wahl alles mit rechten Dingen zugeht“, erzählt der Lehrer, Schriftsteller und Universitäts-Dozent.

„Alles reibungslos abgelaufen“

Formal konnte Poyntner, trotz des vielfach kristisierten Wahlablaufs, keine Mängel erkennen. „Alles ist reibungslos abgelaufen, ich habe natürlich nur Dinge gesehen, die in Ordnung waren“, berichtet der Römerstädter.

Sehr wohl aufgefallen sind ihm hingegen einige Unterschiede zum österreichischen Ablauf einer Präsidentschaftswahl. Der Wahltag werde in Russland regelrecht zelebriert wie ein Feiertag — mit einem Buffet mit Speisen und Getränken sowie Spielplätzen und Kinder-Animation in jedem Wahllokal. „Beeindruckt hat mich auch, dass es elektronische Wahlurnen gibt, die funktionieren wie ein Scanner. Das hat den großen Vorteil, dass man um 20 Uhr das Ergebnis hat.“ Händisch ausgezählt werde dann jedoch noch einmal zusätzlich. „Mir wurde auch angeboten, da dabei zu sein“, berichtet der Traismaurer.

„Ob es gut ist, dass Putin Präsident bleibt, ist nicht meine Aufgabe zu beurteilen. Dafür sind andere zuständig.“ Erich Poyntner

Zudem gebe es keine Kuverts, die Wähler falten die Stimmzettel und werfen sie in die Urne. „Ich habe aber auch ältere Menschen beobachtet, die das nicht getan haben und mit ihrer Stimme offen im Wahllokal umherrannten“, berichtet der Russland-Experte.

Auch Briefwahl gibt es keine. „Mobile Wahlgruppen besuchen die Personen, die nicht zur Wahl gehen können.“

Was das Politische betrifft, will sich der Puschkin-Medaillen-Träger, der am St. Pöltner Gymnasium unterrichtet, raushalten. „Ob es gut ist, dass Putin Präsident bleibt, ist nicht meine Aufgabe zu beurteilen.“ Das müssen andere tun.“

„Auf Plakaten stand etwa ‚Wir wählen unseren Präsidenten’. Für uns ist das natürlich eine etwas fragwürdige Form der Demokratie“

Überrascht war er vom Ergebnis jedoch nicht. „Man hat ja gewusst, wie das ausgeht. Die anderen Kandidaten hatten praktisch keine Chance.“ Der Wahlkampf und die mediale Berichterstattung seien sehr Putin-lastig gewesen. „Auf Plakaten stand etwa ‚Wir wählen unseren Präsidenten’. Für uns ist das natürlich eine etwas fragwürdige Form der Demokratie“, meint der Professor. Dass der Zuspruch für den Staatschef groß sei, beobachtete der Traismaurer jedoch auch in seinem Bekanntenkreis. „Alle, mit denen ich bei meinen Russlandaufenthalten gesprochen habe, waren Putin-Befürworter“, erzählt Poyntner, weist aber darauf hin, dass sein Bekanntenkreis keinen Querschnitt durch die Bevölkerung wiedergebe. „Man muss dazu sagen, dass ich nur mit höher gebildeten Russen in Kontakt komme.“