Neunfach-Vater geriet bei Sex-Suche an Kind. Syrer war über Handy in Kontakt mit einer Zwölfjährigen. Er wusste nichts davon, deshalb fällt die Richterin Freispruch im Zweifel.

Von Alex Erber. Erstellt am 02. September 2020 (04:00)
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Mit einem Aktenbündel in der Hand bereitet sich Staranwalt Werner Tomanek akribisch auf einen Prozess am Landesgericht St. Pölten vor. Mit einem schmucken Mund-Nasen-Schutz in Rapid-Wien-Design folgt er seinem Mandanten in den Gerichtssaal, dem Schwerwiegendes zur Last gelegt wird. Der Syrer, Vater von neun Kindern – vier bereits erwachsen, fünf noch minderjährig –, soll zwei 12-jährige Mädchen über Videotelefonie kontaktiert und vor laufender Kamera onaniert sowie die beiden Teenager aufgefordert haben, ihm Nacktaufnahmen zu schicken.

Wie kam es vermeintlich dazu? Weil seine Ehefrau gegenwärtig in der Türkei weilt, war der 44-Jährige auf der Suche nach Sex. Der Pizzalieferant notierte sich die Rufnummer einer Kundin und kontaktierte sie in der Folge.

„Die Frau war etwa 55 Jahre alt“, lässt der Angeklagte, der kaum Deutsch spricht, über den Dolmetscher verlauten. Die Angesprochene teilte mit, dass sie selbst kein Interesse habe, aber eine Freundin, die auf der Suche nach einem Mann sei. Diese Freundin blockierte den Syrer jedoch, nachdem sie von ihm ein Foto seines Unterleibs erhalten hatte.

Mann bekam Namen „Perverse Sau“

Also probierte der Mann sein Glück wieder bei der ersten Frau, die ihn auf dem Mobiltelefon prompt als „Perverse Sau“ einspeicherte.

Es kam zu einem recht ausgiebigen Chatverlauf, der später von der Polizei sichergestellt worden ist.

Denn eines Tages standen die Gesetzeshüter vor der Tür des Mannes und konfrontierten ihn mit den Vorwürfen, die nun auch der Staatsanwalt vor Gericht wiederholt.

„Ich habe nicht gewusst, dass am anderen Ende der Leitung Kinder sind. Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich das Ganze unterlassen“, erklärt der Mann. Und Verteidiger Tomanek ergänzt fragend: „Wie hätte er an die Rufnummern der Kinder kommen sollen? Und wie hätte er mit ihnen interagieren können, zumal ihm ja Deutsch fremd ist?“

Die Richterin fällt letztendlich einen Freispruch im Zweifel. Es kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden, wer mit dem Mann tatsächlich kommuniziert hat.