Pfeffer platzt wegen Lockdown der Kragen. Traismauers Bürgermeister erwartet sich von Bundesregierung eine Strategie und ein Präventionskonzept: „Pressekonferenzen am laufenden Band sind keine Lösung.“

Von Alex Erber. Erstellt am 18. November 2020 (04:07)
Pfeffer (SP): „Einen dritten Lockdown darf es nicht geben!“
zVg

Die politischen Reaktionen auf den harten Lockdown spiegeln die Meinungen auf Bundes- und Landesebene wider. Während beim ersten Lockdown starker Zusammenhalt erkennbar war, hat die Opposition dieses Mal ihre Unterstützung für die Maßnahmen der türkis-grünen Bundesregierung verweigert; in erster Linie mit Hinweis auf die Schließungen der Schulen.

Traismauers SP-Bürgermeister Herbert Pfeffer macht diesbezüglich aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Die Maßnahmen müssen jetzt sein, aber ich erwarte mir von der Bundesregierung endlich auch ein Präventionskonzept und eine Strategie! Ich erwarte das besonders für die Zeit nach dem 6. Dezember. Einen dritten Lockdown darf es nicht mehr geben!“

Pressekonferenzen am laufenden Band seien nicht die Lösung. Dass die Österreicher in ihren Freiheiten permanent eingeschränkt werden, sei auf Dauer ebenso untragbar wie der Aderlass der Wirtschaft. Pfeffer: „Es braucht eine konkrete Zukunftsperspektive, die realistisch erscheint und somit auch wieder Vertrauen bildet, um alle Menschen zum Erreichen des gemeinsamen Zieles zu ermutigen!“

Was dem Stadtchef besonders sauer aufstößt: „Auch die Kindergärten und Schulen sind wieder geschlossen, obwohl viele Experten meinen, dass die Maßnahme mehr Schaden und weniger Nutzen bringen wird. Auch die meisten anderen Länder in Westeuropa halten ihre Schulen offen. Für die Kinder und Jugendlichen sind diese Maßnahmen besonders einschneidend in ihrer Entwicklung und im Bildungsfortschritt. Wo ist ein einheitliches Sicherheitskonzept für unsere Bildungseinrichtungen?“

Engelhart: „Müssen an einem Strang ziehen“

Engelhart (VP): „Harter Lockdown war absolut erforderlich.“
NOEN

Nichtsdestotrotz appelliert Pfeffer an die Bevölkerung der Römerstadt: „Die Zahlen sind hoch. Halten wir uns an die Maßnahmen und den Lockdown! Jeder einzelne Bürger kann einen Beitrag leisten und mitwirken, sich selbst und andere zu schützen.“

Genau diesen Beitrag hat Obritzberg-Rusts VP-Bürgermeisterin Daniela Engelhart bislang vermisst: „Ich bin der Meinung, dass der harte Lockdown absolut erforderlich war, weil manche Teile der Gesellschaft den Ernst der Lage offenbar nicht erkannt haben. Wenn ich mir die Schlangen vor den Geschäften anschaue, wenn ich auf die Menschenmassen blicke, die sich durch die Straßen der Städte bewegen, dann geht es anscheinend nicht anders.“

Wenn man die Pandemie erfolgreich bekämpfen wollte, müssten alle Bürger an einem Strang ziehen: „Nur dann kann es gelungen, dass die Zahlen wieder sinken.“

Auf die unmittelbare Arbeit in der Gemeinde habe der Lockdown keinen Einfluss, das Gemeindeamt ist nach wie vor geöffnet, da man auch als Postpartner fungiert. Ob allerdings die für 10. Dezember geplante Sitzung des Gemeinderates über die Bühne gehen kann, ist offen: „Möglicherweise müssen wir sie um eine Woche verschieben“, blickt Daniela Engelhart voraus.