Raubüberfall-Prozess: Schläge auf den Kopf und Tritte. 26-Jähriger gesteht brutalen Überfall auf Wirtin. Mediziner soll prüfen, ob Opfer an schweren Dauerfolgen leidet. Prozess vertagt.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 06. September 2017 (03:06)
Der Angeklagte, für ihn gilt die Unschuldsvermutung, zeigte sich vor Gericht geständig.
NOEN, NÖN

„Der Angeklagte war auch einmal auf der guten Seite. Er hat die Polizeischule besucht. Dort ist er rausgeflogen, weil er einen Mitschüler bestohlen hat. Er fröhnte der Spielleidenschaft“, sagt Staatsanwalt Karl Wurzer im Prozess gegen einen 26-Jährigen. Einbruchsdiebstähle und Raub wirft er dem Traismaurer nun vor im Schöffenprozess am Landesgericht St. Pölten vor.

Schläge mit einem Radmutternschlüssel

Im Jänner 2013 habe der 26-Jährige die Wirtin vom „Traismaurer Krügerl“ überfallen und auf die Wehrlose mehrmals mit einem Radmutternschlüssel eingeschlagen. Mit 7.000 Euro Beute sei er geflüchtet, so Wurzer im Eingangsplädoyer.

Todesängste habe das Opfer ausgestanden. „Es war nach Sperrstunde. Ich wollte gerade meine Tasche mit dem Geld ins Auto geben und zur Bank fahren, da habe ich von hinten Schläge auf den Kopf bekommen. Ich bin zusammengesackt, wurde getreten. Es war heftig“, erzählt die 61-Jährige.

Vier Rissquetschwunden am Kopf, Brustkorbprellung, Rippenbruch, Bauchprellung und gebrochenen Mittelfinger attestierten Ärzte später im Spital.

Auch betagte Nachbarin um Geld erleichtert

Bei der Wirtin saß der Schrecken lange tief. „Ich habe ihn nur weglaufen gesehen, habe ihn nicht erkannt und hab’ deshalb niemandem mehr getraut.“ „Sie ist noch immer Leidtragende“, sagt die Opferanwältin Sabine Zambai.

Der Täter war nach dem Raub verschwunden. Nur eine Haube mit DNA-Spuren des Angeklagten fanden Ermittler.

Vier Jahre später erleichterte der 26-Jährige seinen Arbeitgeber um die Handkasse. „Da ergab sich dann ein DNA-Treffer“, so der Staatsanwalt. Und noch mehr kam ans Tageslicht. Bei einer betagten Nachbarin soll der Traismaurer zwei Mal eingebrochen haben und bei der Schwester seiner Lebensgefährtin.

Vor dem Senat gesteht der 26-Jährige: „Ich hatte 35.000 Euro Schulden. Das Geld vom Überfall hab’ ich verspielt.“

Der Prozess wird vertagt. Ein Mediziner soll prüfen, ob das Opfer an schweren Dauerfolgen leidet. „Ist das der Fall, muss sich der Angeklagte vor Geschworenen verantworten“, so der Staatsanwalt.