365 Euro für Parkvergehen: Pensionistin verzweifelt. Frau mit schmaler Pension stellte Auto unerlaubt in St. Pölten ab. Anwalt fordert jetzt 365 Euro.

Von Alex Erber. Erstellt am 23. Juli 2021 (04:24)
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„Ich habe auf das Schild gar nicht geachtet“, sagt Renate Haselmaier. Diese Unachtsamkeit muss die Pensionistin nun mit 365 Euro bezahlen.
Niklas Zimmer, Niklas Zimmer

Es ist eine Mischung aus Wut und Verzweiflung, die aus Renate Haselmaier spricht: „Immer, wenn es irgendwo ein Pech gibt, erwischt es mich!“

Der Waldlesbergerin flatterte vor Kurzem unliebsame Post ins Haus. Absender des Schreibens war der St. Pöltner Rechtsanwalt Franz Amler, der die „Hausgemeinschaft Stoll“ vertritt. Die Pensionistin habe Anfang Juni ihr Auto am Parkplatz Kremser Landstraße 12 (ehemalige Billa-Filiale) unerlaubt abgestellt. Die Unterlassungserklärung beinhaltet folgende Geldbeträge: 200 Euro Entschädigungszahlung, 50 Euro Überwachungstätigkeit, 15,30 Euro Erhebungskosten, 100 Euro Kosten der Kanzlei. Ergibt den stolzen Gesamtbetrag von 365,30 Euro.

Bitte um Ratenzahlung wurde abgeschmettert

„Wie soll ich das bezahlen?“, fragt Renate Haselmaier. Höhe ihrer Pension: 949,46 Euro. Auf ihre Bitte hin zeigte die Anwaltskanzlei keine Milde, das Ansuchen um Ratenzahlung wurde abgeschmettert.

Dabei hat ihr kurzer, aber verbotener Besuch dieses Parkplatzes („zwei Zigarettenlängen“) mit ihrer Geldknappheit zu tun. Sie traf sich dort mit einem Hainfelder, um ihm ein Mobiltelefon zu verkaufen. Haselmaier benötigte dringend Bargeld für eine Autoreparatur.

Die Frau wird um die rasche Bezahlung der Forderung nicht herumkommen, denn Anwalt Franz Amler ist nicht zimperlich und scheut auch eine Auseinandersetzung vor Gericht nicht. In einem sozialen Netzwerk ist er deshalb übel beschimpft worden, was ebenfalls eine Klage zur Folge hat.

„Meine Mandanten sind nicht geldgierig“

Warum diese Härte? „Meine Mandantschaft ist keinesfalls geldgierig“, versichert Amler. Aber nach schlechten Erfahrungen sei ihr nichts Anderes als Konsequenz übrig geblieben. Die Häufigkeit des Einschreitens seiner Kanzlei sorgt für Erstaunen: „100 Mal pro Woche.“

Dabei gebe es ein regelrechtes Lexikon an Ausreden, die ertappte Parksünder parat haben: „Ich war nur kurz im Waschsalon, ich war nur kurz bei der Pensionsversicherungsanstalt, ich war nur kurz beim Einkauf, ich war nur kurz beim Arzt.“

„Sogar die Notdurft wurde schon verrichtet“

Dabei signalisiere eine große Tafel klipp und klar, dass es sich um einen Privatparkplatz handle. Einen Privatparkplatz übrigens, dessen Stellflächen vermietet sind: „Wie kommen Menschen, die bezahlen, dazu, dass dort irgendwer steht und nichts bezahlt?“, fragt Amler.

Respektlos sei das Ganze, meint er, und lässt tief blicken, warum der Ärger der „Hausgemeinschaft Stoll“ so groß ist: „Sogar die Notdurft ist am Parkplatz oft verrichtet worden. Man hat es auch mit der Installierung einer Schrankenanlage versucht, doch nachdem diese Anlage fünf Mal zerstört worden war, haben sie meine Mandanten wieder abmontieren lassen.“

Der Rechtsanwalt ergänzt: „Praktisch in Spuckweite befindet sich der Penny-Parkplatz. Warum stellen sich die Leute dort nicht hin? Weil sie genau wissen, was ihnen da blüht, denn auch das Unternehmen reagiert konsequent.“