Stadtpfarre erhielt Papst-Blutreliquie. Die Freude bei Dechant Josef Seeanner ist groß. Eingesetzt wird die Rarität bei einem Festgottesdienst am 24. September.

Von Alex Erber und Birgit Kindler. Erstellt am 16. August 2017 (18:02)
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Die Stadtpfarre Traismauer hat eine seltene Reliquie des Heiligen Johannes Paul II. erhalten. Überlassen wurde sie vom ehemaligen Krakauer Erzbischof und langjährigen Privatsekretär des ehemaligen Papstes, Kardinal Stanisław Dziwisz.

Es handelt sich dabei um eine seltene Blutreliquie, also eine Reliquie erster Ordnung, die nun in einer speziell adaptierten Nische in der sogenannten Leopoldskapelle der Stadtpfarre gemeinsam mit einer 60 Zentimeter hohen Statue des Heiligen Johannes Paul II. am 24. September im Rahmen eines Festgottesdienstes zur Verehrung eingesetzt werden wird.

„Wir freuen uns sehr, dass der Stadtpfarre Traismauer diese seltene Reliquie des großen Heiligen Johannes Paul II. von seinem ehemaligen Privatsekretär Kardinal Dziwisz zur Verehrung überlassen wurde."Stadtpfarrer Dechant Josef Seeanner.

Zur Dimension: Weltweit gibt es schätzungsweise 140 solcher Reliquien erster Ordnung, in Österreich bislang drei. In der Diözese St. Pölten ist Traismauer die erste Pfarre, die eine Reliquie erster Ordnung von Johannes Paul II. bekommt.

„Wir freuen uns sehr, dass der Stadtpfarre Traismauer diese seltene Reliquie des großen Heiligen Johannes Paul II. von seinem ehemaligen Privatsekretär Kardinal Dziwisz zur Verehrung überlassen wurde. Johannes Paul II. begeisterte ja ganze Generationen durch seine Menschlichkeit und besondere Güte. Die Reliquie ist für uns auch ein besonderer Ausdruck des Glaubens an die Auferstehung, denn Papst Johannes Paul II. hat in seinen letzten Lebensjahren die Würde des Alters und die Last schwerer Krankheit mit beispielhaftem Gottvertrauen getragen!“, erklärt dazu Stadtpfarrer Dechant Josef Seeanner.

„Es ging ihm immer um lebendige Kirche“

Er habe es im Besonderen verstanden, den einfachen Glauben des Volkes mit mystischer Tiefe zu verbinden. Dabei sei es ihm immer um eine lebendige Kirche und den Auftrag der Evangelisierung gegangen, um möglichst vielen Menschen das Ideal eines heiligen Lebens nahezubringen.

Die Einsetzung dieser Reliquie zur Verehrung durch Gläubige ist auch ein Ausdruck der anhaltenden Verbundenheit mit diesem großen Heiligen, dessen Pastoralbesuche in Österreich während seines Pontifikates in den Jahren 1983, 1988 und 1998 noch immer nachwirken. Unvergessen bleiben seine Besuche in der Landeshauptstadt St. Pölten im Jahr 1998 und natürlich auch in Mariazell im Jahr 1983.

„Mit der Einsetzung dieser Reliquie in unserer Stadtpfarrkirche am 24. September in einer speziell dafür adaptierten Nische in unserer Leopoldskapelle laden wir auch jederzeit zu einem Besuch zur persönlichen Verehrung oder auch nur zu einem stillen Gebet vor dem Reliquiar und der Statue des Heiligen Johannes Paul II. ein. Wir freuen uns, dass Gläubige unserer Stadtpfarre, aber auch darüber hinaus, diese einzigartige Möglichkeit der persönlichen Erfahrung erhalten werden“, so Seeanner weiter.

Besonderen Dank an St.-Georgs-Orden

In diesem Zusammenhang bedankte sich Stadtpfarrer Seeanner auch beim St.-Georgs-Orden, dem europäischen Orden des Hauses Habsburg-Lothringen, der die Anschaffung der Statue des Heiligen Johannes Paul II. unterstützt hat.

Der Weg zur Überlassung der Reliquie war gar nicht so einfach, schildert Josef Seeanner: „Wir haben uns schriftlich an den polnischen Kardinal gewandt. Die Antwort ließ ziemlich lange auf sich warten, nach etwa fünf Monaten haben wir dann nachgebohrt und dann ging alles ganz schnell.“ Schmunzelnder Nachsatz: „Wir waren sehr hartnäckig. Denn in kirchlichen Dimensionen gedacht sind ja fünf Monate auch nicht wirklich eine lange Zeit!“

Und man sei auch für das Warten belohnt worden, denn angefragt worden sei um eine Reliquie. „Wir hofften auf eine Reliquie zweiter Ordnung, dann ist es Gott sei Dank eine Reliquie erster Ordnung geworden.“

Besonderer Platz für Relique

Sie wird gut zu sehen sein in der adaptierten Nische, und auch hier hat man an kirchliche Dimensionen gedacht: Hinter Panzerglas und einem Schmiedeeisentor wird die Reliquie den Gläubigen präsentiert, das Begleitschreiben des Kardinals findet als Faksimile ihren Niederschlag: „Sichtbar werden soll die Reliquie für die nachfolgenden Generationen. Wir denken da nicht in Jahrzehnten“, bekräftigt Seeanner.

Ob zusätzliche Touristen in die Römerstadt gelockt werden? Der Stadtpfarrer verwehrt sich gegen die Bezeichnung „Touristen“: „Pilger werden sehr wohl kommen. Wir hoffen, dass hier viele Familien Kraft finden. Die Reliquie soll Impulse zur religiösen Erneuerung der Pfarren liefern. Denn die Pfarren leiden unter dem Säkularisierungsprozess. Dieses Thema hat auch Papst Benedikt XVI. angesprochen. Es geht schlicht und einfach auch um das Thema ,Vertiefung des Glaubens und der Gottesbeziehung‘“, erklärt Josef Seeanner.