Süleyman Zorba blickt auf ein Jahr "türkis-grün" zurück. Nationalratsabgeordneter Süleyman Zorba gehört seit einem Jahr der türkis-grünen Koalition im Bund an. Gleichzeitig leitet der 27-Jährige den Traismaurer Prüfungsausschuss.

Von Alex Erber. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:11)
Süleyman Zorba (rechts) ist nicht nur Sprecher für Digitalisierung, Netzpolitik und Lehre, er ist auch innerparteilich bestens vernetzt. Das Bild zeigt ihn mit Vizekanzler Werner Kogler und der stellvertretenden Klubobfrau der Grünen, der Nationalratsabgeordneten Astrid Rössler, anlässlich eines Arbeitstreffens in Wien.
APA/Hans Klaus Techt

Wenn es in der Corona-Zeit etwas zu feiern gäbe, hätte Nationalratsabgeordneter Süleyman Zorba von den Grünen doppelten Grund: Seit fast exakt einem Jahr gehört er der türkis-grünen Koalition im Bund an. Und demnächst ist es ein Jahr her, dass der 27-Jährige den Vorsitz des Prüfungsausschusses im Traismaurer Gemeinderat übernommen hat.

Die Umsetzung des Koalitionspaktes, in dem, so VP-Kanzler Sebastian Kurz, das „Beste aus beiden Welten“ vereint ist, stand nach nur zwei Monaten unter einem völlig neuen Aspekt: Corona. „Die Pandemie hat viele Dinge überschattet, was das Ganze nicht einfacher macht“, bedauert Zorba.

Der Römerstädter zeigt sich dabei als Realist: „Das Problem wird uns auch die nächsten Monate begleiten.“ Die Hoffnung, dass es sich in einem Monat erledigt habe, sobald flächendeckend geimpft werden könne, werde sich wohl nicht erfüllen.

Zorba ist bei den Grünen Sprecher für Netzpolitik, Digitalisierung und Lehre. Themen, die just in der Corona-Krise an vorderster Front stehen: „Gerade im Home-Office und Home-Schooling wird offenkundig, wie wichtig Digitalisierung und damit einhergehend ein optimaler Breitbandausbau sowie ein gutes E-Government sind. Österreich war hier einmal in einer Vorreiterrolle, doch leider hat man die Geschichte in der Folge verschlafen“, konstatiert Zorba. Er möchte daher den Breitbandausbau mit allen Mitteln vorantreiben. „Damit kann beispielsweise auch der Landflucht entgegengetreten werden. Denn nur, wo es ein schnelles und funktionierendes Netz gibt, wird man bleiben oder sich niederlassen.“

„1-2-3-Ticket kommt nicht als Knalleffekt“

Obwohl der Mandatar Videokonferenzen für ein probates Mittel hält, das auch die Corona-Zeit überdauern werde, ist es manchmal unerlässlich, nach Wien zu pendeln, Süleyman Zorba setzt dabei auf die Bahn. Und da drängt sich unweigerlich die Frage auf, woran bei der raschen Umsetzung eines grünen „Leuchtturmprojektes“, des sogenannten 1-2-3-Tickets, scheitert. Tue es nicht, beteuert Zorba. „Man darf sich das Ganze nicht als Knalleffekt vorstellen. Es gibt eine schrittweise Umsetzung. Aber am Ende der Entwicklung steht dieses Ticket, das ist ganz klar.“

Er sei jedenfalls erfreut, dass in der Verkehrspolitik ein Umdenken stattgefunden habe: „Und zwar auch in NÖ, was mich zuversichtlich stimmt. Die Absage an die Waldviertel-Autobahn war eine frohe Botschaft, ebenso die gleichzeitige Zusage zur Realisierung wichtiger Bahn-Projekte. Dazu zählt für mich auch die Elektrifizierung der Strecke von Herzogenburg nach Krems.“

Auch hier ist Zorba Realist: „Das heißt nicht, dass schlagartig alle mit der Bahn von St. Pölten nach Krems fahren und umgekehrt. Aber ein optimiertes Angebot kann doch zum Umstieg auf die Bahn motivieren.“

Zurück in die „Niederungen“, zurück nach Traismauer: „Mir tut es für alle Gemeinderäte leid, die neu hinzugekommen sind und gleich ein Krisenjahr erleben mussten. Dennoch gilt es, Investitionsprojekte mit Mehrwert herauszukitzeln und zu verwirklichen, um als Wirtschaftsmotor in der Region wirken zu können.“