Verharmlosung der NS-Zeit? FPÖ zeigt SPÖ-Mandatar an

Gemeinderat Admir Mehmedovic verglich Strache-Wahlposter mit NS-Plakat: „Dass mir nun Verharmlosung des Nationalsozialismus vorgeworfen wird, ist lächerlich.“

Erstellt am 03. Oktober 2017 | 05:25
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Rupp Mehmedovic
FP-Rupp (links): „Posting ist absolut inakzeptable Entgleisung. Konsequenzen sind gefordert.“ SP-Mehmedovic (rechts): „FP-Plakate sind populistisch, niederträchtig, respektlos."
Foto: NÖN

„Die Islamisierung gehört gestoppt“, fordert FP-Spitzenkandidat Heinz Christian Strache. SP-Gemeinderat Admir Mehmedovic ist darüber so empört, dass er sich zu einem Facebook-Posting hinreißen ließ, in dem er das Plakat mit dem NS-Plakat „Judentum ist Verbrechertum“ vergleicht.

Die FP hat Mehmedovic angezeigt. FP-Bezirksparteiobmann-Stellvertreter Thomas Rupp kritisiert das Posting als „absolut inakzeptable Entgleisung.“

"Wer Parallelen zwischen der FP und Kampagnen der NS-Zeit zieht hat von Geschichte keine Ahnung "

Rupp weiter: „Ein derart schändlicher Vergleich ist eines Gemeindemandatars völlig unwürdig. Wer Parallelen zwischen der FP und Kampagnen der NS-Zeit, dem dunkelsten Kapitel der Geschichte, zieht, hat von Geschichte keine Ahnung und relativiert diese. Dieses Posting ist daher aufs Schärfste zu verurteilen und muss Konsequenzen haben sowohl politisch seitens der SP Traismauer und der Bezirks-SP als auch rechtlich.“

Bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten sei daher bereits Anzeige gegen den SP-Kommunalpolitiker erstattet worden.

„Es besteht hier der Verdacht, dass der Nationalsozialismus durch dieses Posting verharmlost und durch das Posten des ,Stürmer‘-Plakates nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet wurde“, erklärt Rupp.

„Das Lächerlichste, was ich jemals gehört habe“

„Dass mir so etwas gerade von der FP unterstellt wird, ist das Lächerlichste, was ich jemals gehört habe“, nimmt Admir Mehmedovic Stellung.

Er sei überzeugter Antifaschist und habe schlechte Erfahrungen mit Nationalismus gemacht: „Ich habe als Kind deswegen selbst aus Bosnien über Serbien und Ungarn nach Österreich flüchten müssen. Und jetzt habe ich selbst ein achtjähriges Kind, das tagtäglich an diesen FP-Plakaten vorbeiläuft und sich nicht erklären kann, was damit gemeint ist. Ein Freund von ihr, ein Syrer, übrigens der Klassenbeste, ist ebenfalls betroffen. Ich weiß nicht, ob ich rechtlich etwas falsch gemacht habe, aber für mich steht fest, dass die Plakate der Freiheitlichen populistisch, niederträchtig und respektlos sind.“

„Ich möchte Herrn Rupp empfehlen, in Zukunft sinnerfassend zu lesen"

Traismauers Bürgermeister Herbert Pfeffer (SP) lehnt Konsequenzen jeglicher Art für seinen Parteigenossen ab: „Ich möchte Herrn Rupp empfehlen, in Zukunft sinnerfassend zu lesen. Ich weiß nicht, ob es gut war, die Ansicht von Mehmedovic bildlich auf Facebook zu untermauern, aber in seinem Posting kommt ganz klar zum Ausdruck, dass er den Nationalsozialismus nicht verharmlost, sondern davor warnt, Andersgläubige pauschal zu verunglimpfen.“

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