War TKM in Traismauer zu halten?. Ehemaliger Wirtschaftsstadtrat denkt, dass Gemeinde säumig ist. Bürgermeister: „Bereitschaft der Firma nicht ausreichend.“

Von Alex Erber. Erstellt am 21. Februar 2018 (05:52)
NOEN, Schwab
Aus, Schluss, vorbei: Ende Juni legt TKM Austria die Produktion in Traismauer still.

Die Firma TKM („The Knife Manufacturers“) wird - wie ausführlich berichtet - ihren Standort in der Venusberger Straße schließen. 43 Mitarbeiter sind davon betroffen. Davon arbeiten 35 in der Produktion. Acht Mitarbeiter in anderen Bereichen sollen nach Böhlerwerk übersiedeln. In den letzten beiden Juni-Wochen erfolgt die Verlagerung des Maschinenbestandes nach Finnland, danach wird der Standort Traismauer geschlossen.

Im Juni ist Produktionsschluss in Traismauer

Rund um das Zusperren steht nun eine spannende Frage im Raum: War TKM in Traismauer zu halten? „Ja“, ist der ehemalige Wirtschaftsstadtrat Lukas Leitner (Liste MIT) überzeugt. „Nein“, betont SP-Bürgermeister Herbert Pfeffer.

Leitner erinnert an das Jahr 2010 zurück: „Schon damals wollte der Betrieb, der damals noch als Böhler Miller Messer- und Sägen-GmbH firmiert hatte, aus unserer Gemeinde absiedeln und die österreichischen Aktivitäten ausschließlich in Böhlerwerk konzentrieren. Damals gelang es in einigen Verhandlungsrunden zwischen dem Management und mit Unterstützung des Landes NÖ sowie auch einer Gemeinde-Option auf ein Eigen-Betriebsgrundstück in Traismauer, den Betrieb weiterhin in unserer Gemeinde zu halten.“

Leitner: „Campus-Pläne sind gemeindeintern nicht weiterverfolgt worden.“

Und weiter: „Es rächt sich nun, dass es damals nicht gelang, ein neues Betriebsobjekt am Gelände des Campus 33 bei der GLS von Seiten der Stadtgemeinde Traismauer schlüsselfertig zu entwickeln und als fertiges Objekt zur Nutzung zu übergeben. Diese damalig mit der Geschäftsführung besprochenen Pläne sind dann ja leider gemeindeintern nicht weiter verfolgt worden.“

„Ein eigenes, ausbaufähiges Betriebsareal hätte diese Entscheidung möglicherweise heute anders ausfallen lassen.“

Nun habe man hat seitens des Managements sogar überlegt, die Sägenproduktion zur Gänze von Finnland nach Traismauer zu verlegen und den Traismaurer Standort auszubauen. Diese Überlegung sei wieder verworfen worden, da die angemieteten Hallen in Traismauer keinen Ausbau zuließen. Leitner: „Ein eigenes, ausbaufähiges Betriebsareal hätte diese Entscheidung möglicherweise heute anders ausfallen lassen.“

SP-Bürgermeister Herbert Pfeffer kontert: „Man könnte aber auch sagen, dass schon damals keine ausreichende Bereitschaft des Unternehmens da war, in Traismauer nachhaltig zu investieren. Alle Versuche der Stadt, die TKM zu weiteren Investitionen in Traismauer zu bewegen, wurden nicht angenommen.“

„Mietvariante scheiterte an der Bankgarantie“

Bereits 2011 habe man mit einer Option auf 10.000 Quadratmeter am Campus 33 reagiert und sogar mehrere Möglichkeiten vom Kauf mit reduziertem Grundstückspreis bis hin zu einer Miet-Kaufoption angeboten. „2014 gab es eine neuerliche – bereits sehr vertiefte – Entwicklung. Die Mietvariante mit einer maßgeschneiderten Produktionshalle inklusive Bürotrakt wurde angedacht, scheiterte aber leider ebenfalls an der dafür nötigen Bankgarantie an die Traismaurer Kommunalerrichtungs-GmbH (TKG), die ein schlüsselfertiges Objekt zur Errichtung anbot“, schildert der Stadtchef.

Und abschließend: „Dass nun die Produktion nach Finnland verlagert wird, habe ich nicht durch die Firmenleitung oder den Eigentümer erfahren, sondern durch einen Mitarbeiter, der mir nach der Betriebsversammlung diese Hiobsbotschaft überbrachte! Das sagt wohl alles aus: Der Eigentümer hat seinen Entschluss gefasst und war und ist an einer Lösung hier in Traismauer nicht interessiert!“