Erstellt am 12. Januar 2015, 15:23

von Hans Kopitz

Jäger trafen auch Häuser. Anrainer klagt: "Schrotkörner prasselten aufs Dach, auch meine Lebensgefährtin ist getroffen worden." Jagdleiter dementiert die Vorwürfe. Jetzt ist die Staatsanwaltschaft am Zug.

„Grundsätzlich habe ich vor der Jägerschaft großen Respekt, allerdings geht das gefährliche und grob fahrlässige Verhalten, das mir und meinem Schwager passiert ist, eindeutig zu weit“, so Norbert T., der am nördlichen Ortsrand von Weißenkirchen zu Hause ist.

Was war passiert? Vor einigen Wochen gab es in der Nähe seines Hauses auf dem Acker der Familie Figl eine Treibjagd. Eine große Anzahl Jäger - schätzungsweise 15 bis 20 Personen - hatten sich mit ihren Hunden an der östlichen Grundstückgrenze aufgestellt und zogen unter großem Geschrei in einer Linienformation Richtung Westen. Norbert T. stand mit seiner Lebensgefährtin vor seinem Haus.

Lebensgefährtin am Körper und im Gesicht getroffen

„Ich dachte, das gibts ja nicht, als kurz nach Beginn der Treibjagd schon die ersten Schrotkörner auf unser Hausdach und auf den dahinter stehenden Baucontainer niederprasselten. Obendrein wurde meine Lebensgefährtin am Körper und im Gesicht getroffen. Meine Lebensgefährtin und ich gingen reflexartig in Deckung und schrien zu der Jägerschaft, sie sollen aufhören, auf uns zu schießen“, schildert der Anrainer.

Nachdem ein Fasan oder Rebhuhn aufgescheucht worden war, flog er genau auf den Standort des Duos zu: „Wieder wurden Schüsse auf den Vogel beziehungsweise in unsere Richtung abgegeben!“ Der Vogel wurde nicht getroffen und trotzdem schossen die Jäger in Richtung der Häuser weiter.

Auch Autos beschädigt

Ein Dorfbewohner fuhr mit seinem Auto noch während der Treibjagd zur Jägerschaft und teilte einem Jäger das massive Niederprasseln der Schrotkörner in seinem Hof, in welchem seine Kinder spielten, mit.

Kurz darauf kam der Schwager von Norbert T. vorbei und fragte, ob dessen Auto auch von den Schrotkörnern getroffen wurde, denn sein Firmen- und auch der Privat-PKW seien an den Windschutzscheiben beschädigt worden. Bei jeder Windschutzscheibe sind rund 15 bis 20 Einschläge, und auch er sei nach dem ersten Schuss in Richtung Häuser gleich in Deckung gegangen.

„Bei einem anschließenden Telefonat mit einem bekannten Jäger beschwerten wir uns über das Schießen in Richtung der Häuser und gaben die Beschädigung der Windschutzscheiben bei zwei Autos bekannt“, so Reinhard A. im NÖN-Gespräch.

„Zeigen Sie den Schaden ruhig an“

Der Jäger sagte, dass er im nördlichen Teil der Treibjagdlinie gestanden sei und wisse nicht, wer da geschossen habe, würde die Information aber sofort dem Jagdleiter weitergeben. Doch dieser hat sich weder für das Verhalten der Jäger entschuldigt, noch überhaupt bis dato gemeldet.

Am darauf folgenden Tag gegen Mittag kam der Jäger, der telefonisch informiert worden war, vorbei, hat sich die beschädigten Windschutzscheiben angesehen. Und sagte, Reinhard A. solle den Schaden ruhig anzeigen, denn die Versicherung der Jagdgesellschaft habe Geld genug. Auf den Hinweis, dass eine Anzeige Probleme für die Jäger bringt und es besser wäre, wenn der Schaden von der Jägerschaft selbst gemeldet würde, winkte er ab - und Norbert T. fuhr zur Polizei.

Die Anzeigen liegen derzeit bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten.

„Darstellung entspricht nicht der Wahrheit“

Friedrich Priesching, Jagdleiter von Weißenkirchen, sagt dazu: „Es ist der Sicherheitsabstand bei dieser Jagd eingehalten worden und es ist auch nichts beschädigt worden. Bis jetzt hat mit mir noch keiner von den Herren Kontakt aufgenommen und es entspricht in keiner Weise der Wahrheit, wie es von ihnen dargestellt wurde. Außerdem handelt es ein laufendes Verfahren und will dazu gegenwärtig auch keine ausführliche Stellungnahme abgeben.“