Kampf gegen Schlachthof in Getzersdorf und Nussdorf. Anrainer möchten unter allen Umständen den Bau des Betriebes verhindern.

Von Lisa Zederbauer und Hans Kopitz. Erstellt am 26. September 2020 (03:56)
Landesrat Gottfried Waldhäusl und der Herzogenburger FP-Stadtrat Martin Hinteregger am Grundstück, wo der Schlachthof hinkommen soll.
Hans Kopitz

Vergangenen Donnerstag besichtigte der FP-Landesrat Gottfried Waldhäusl – er ist unter anderem für das Ressort Tierschutz zuständig – das rund 5.000 Quadratmeter große, direkt an der Grenze zu Getzersdorf liegende Grundstück, das die Marktgemeinde Nussdorf an einen Interessenten verkauft hat. Dort soll ein Schlachthof errichten werden, wo auch Schächtungen, also rituelle Schlachtungen im Judentum und Islam, durchgeführt werden sollen.

Die Anrainer sind aus verschiedenen Gründen dagegen. Sie fürchten nicht nur den Gestank, der von dort ausgehen wird, sondern auch die Grundwasserverschmutzung, denn das Grundstück liegt direkt am südlich davon gelegenen See, und vor allem, dass die Ziesel, denen dort wieder Lebensraum gegeben wurde, vertrieben werden. Von diesen Zieseln – eine Gattung der Erdhörnchen – stammt auch die alte Bezeichnung „Zeiselstraße“, für die Landesstraße, die von Herzogenburg nach Traismauer führt.

1.400 Unterschriften wurden gesammelt

Unter den Anrainern, die sich gegen den Bau des Schlachthofes einsetzen, sticht einer heraus. „Ranch 4 Friends“, ein Pferde- und Alpakahof in Getzersdorf unter der Leitung von Familie Krejci, setzt sich besonders stark gegen die Errichtung ein und bildet die Speerspitze im Kampf gegen den neuen Schlachthof. „Unsere Bürgerinitiative wächst“, berichtet Bettina Krejci. „Wir merken immer mehr, dass nicht nur Unterstützung aus der unmittelbaren Umgebung kommt, sondern auch von weit her. Bisher ist es uns gelungen 1.400 Unterschriften gegen den Bau des Schlachthofs zu sammeln und wir werden hier natürlich nicht stoppen. Wenn nichts geschieht, werden wir, genauso wie unsere Unterstützer, beginnen, die Heurigen in Nussdorf und in den umliegenden Gemeinden zu boykottieren, um so ein weiteres unmissverständliches Zeichen gegen das Handeln der Nussdorfer Politik zu setzen“, erzählte Bettina Krejci.

Verhinderung wird schwierig werden

FP-Landesrat Gottfried Waldhäusl versprach, sich für das Anliegen der Anrainer einzusetzen. Laut eigenen Aussagen dürfte dies jedoch kein einfaches Unterfangen werden, „da in Österreich die Religionsfreiheit noch immer einen höheren Stellenwert als der Tierschutz genieße“, so Waldhäusl. Auf der politischen und rechtlichen Ebene sei alles korrekt abgelaufen, jetzt müssten die Bürger der Gemeinde versuchen genug Momentum zu erzeugen, um den Bau des Schlachthofs zu verhindern.