Firma will ausbauen, Anrainer sind besorgt. Expansionpläne des Glasverpackungsbetriebs Mayer stoßen auf Widerstand. Freiheitliche lehnen die notwendige Umwidmung ab.

Von Alex Erber und Hans Kopitz. Erstellt am 22. Oktober 2019 (04:31)
„Hier östlich der Sandgasse in Ossarn – im Vordergrund eine der Hallen der Verpackungsfirma Mayer – sollen die Felder bis zum Windschutzgürtel abgegraben – und der Schotter, der darunterliegt, natürlich verkauft werden. Die Keltengräber, die darunterliegen, interessiert niemanden mehr. Wenn die Felder abgegraben sind, können natürlich auch die Firmen, die an der Sandgasse liegen, an ihrer Hinterseite Richtung Osten erweitern, was sicher für sie nicht uninteressant ist“, so FP-Stadtrat Martin Hinteregger.
Hans Kopitz

Es gab keinen Brand und dennoch knisterte es in der Vorwoche im Ossarner Feuerwehrhaus. Die erfreuliche wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens hat zu Expansionsplänen geführt. Die FP läuft Sturm dagegen, sie befürchtet einen großflächigen Schotterabbau und eine mögliche Verkehrslawine.

Um eine betriebliche Weiterentwicklung in Ossarn zu ermöglich, liegt derzeit ein Änderungsentwurf des Flächenwidmungsplans zur Einsicht auf. Dabei ist geplant, Bauland-Betriebsgebiet in östliche Richtung, also weg vom Bauland-Wohngebiet zu widmen.

Die Kurt Mayer Verpackungsglas GmbH, ein Renommier-Unternehmen in der Stadt, hat in diesem Bereich vor, den Betrieb zu erweitern und aufgrund organisatorischer Abläufe eine Niveauveränderung vorzunehmen.

Diese Maßnahmen müssen bei der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten beantragt und gemäß Naturschutzrecht verhandelt werden.

„Die Stadtgemeinde Herzogenburg hat in diesem Verfahren Parteistellung und wird entsprechende Maßnahmen zum Schutz der unmittelbar betroffenen Bevölkerung einfordern“, erklärt SP-Bürgermeister Christoph Artner, der ebenso wie VP-Wirtschaftsstadtrat Erich Hauptmann bei der Informationsveranstaltung vor Ort war.

Stadtchef Artner war um Beruhigung bemüht

Firmenchef Kurt Mayer stellte das Projekt vor und ging danach auf die Fragen der Anwesenden ein. Hauptanliegen waren die Themen Lkw-Fahrten, Lärm und Staub während der Phase der Niveauveränderung.

Der von der Stadtgemeinde Herzogenburg beauftragte Raumplaner, Herfrid Schedlmayer, beantwortete Fragen zur Flächenwidmung.

„Wir werden der Umwidmung im Gemeinderat nicht zustimmen"

Stadtchef Artner fasst im NÖN-Gespräch den Abend zusammen: „Sowohl die Erweiterungsmöglichkeit der Firma Mayer als auch die berechtigten Sorgen der Betroffenen dürfen nicht außer Acht gelassen werden.“

Die FP bleibt skeptisch: „Wir werden der Umwidmung im Gemeinderat nicht zustimmen. Es handelt sich um ein Projekt, das weder umweltverträglich (CO2, Bodenversiegelung, Verkehr) noch sinnvoll ist, außer für die Betreiber, die hier Schotter ausbeuten können – voraussichtlich mit 7.000 Lkw in der ersten Phase. Außerdem ist nicht sicher, ob nicht das ganze Feld bis nach hinten zur Feuerwehr über kurz oder lang abgegraben wird. Wie bei der Informationsveranstaltung zu erkennen war, sind viele Ossarner Bürger ob dieser unbedachten Entscheidung vor den Kopf gestoßen“, erklärt Stadtrat Martin Hinteregger.