Fausthieb existierte nicht. Opfer soll mehrfach geschlagen worden sein, doch im Universitätsklinikum St. Pölten fand sich keine einzige Spur. Daher forderte sogar der Staatsanwalt einen glatten Freispruch.

Von Alex Erber. Erstellt am 04. August 2019 (02:57)
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Symbolbild 

Turbulente Szenen sollen sich im Mai des Jahres 2017 in Wölbling abgespielt haben. Bis zum Gerichtsprozess dauerte es mehr als zwei Jahre, ein ungewöhnlich langer Zeitraum, der letztlich auch für das Urteil von Bedeutung war.

Zwei Türken gerieten aus nicht näher genannten Gründen in einen heftigen Streit; zuerst am Telefon. Das vermeintliche Opfer suchte den vermeintlichen Täter (32) in der Folge persönlich in Wölbling auf. „Ich wollte ihm zur Begrüßung die Hand geben, doch er hat mich mit einem Faustschlag empfangen“, schilderte das „Opfer“.

Sicher drei, vier Mal habe ihn der Angreifer auf den Kopf geschlagen, wodurch er Prellungen erlitten habe. Außerdem soll ihn der 32-Jährige „laufend bedroht“ haben.

Die Anklage lautete daher Körperverletzung und versuchte Nötigung.

Das Problem bei der Aussage des „Opfers“: Der Mann fuhr unmittelbar nach dem Vorfall ins Universitätsklinikum St. Pölten. Laut Befund konnte keine Verletzung festgestellt werden, nicht einmal eine leichte Rötung im Gesicht, was den Richter sehr verwunderte. Nach der Untersuchung verständigte das „Opfer“ einen Geschäftspartner und Freund über den Vorfall.

Bei den Zeugen klaffen mittlerweile Erinnerungslücken. Die Vermieterin hat zwar aus dem Wohnzimmerfenster einen wilden Streit mitbekommen, Näheres gesehen hat sie freilich nichts: „Ich kann mich kaum noch erinnern, das Ganze ist mehr als zwei Jahre her, ich habe andere Probleme“, sagte sie stereotyp auf die Fragen von Staatsanwalt, Richter und Rechtsanwältin des Beklagten.

„Auch die Ärzte können sich irren“

Der Geschäftspartner und Freund will Beulen und Schürfwunden am Kopf des Opfers entdeckt haben: „Aber nur minimal, nicht der Rede der Wert.“ Auf den Einwand des Richters, dass im Spital nichts zu erkennen war, antwortete der Zeuge: „Auch die Ärzte können sich irren.“

Der Freund des Angeklagten befand sich zum Zeitpunkt des Streits im Haus, kam fünf Minuten später vor das Haus und sah, wie das „Opfer“ zum Auto ging. Von einer körperlichen Auseinandersetzung oder gar einem Kampf hat er nichts bemerkt.

Angesichts nur „partiell glaubwürdiger Zeugen“, wie es der Richter formulierte, sah sich sogar der Staatsanwalt gezwungen, auf Freispruch zu plädieren. So war es auch: Freispruch, rechtskräftig.