Alko-Unfall: „Von Schädel-Decke fehlt noch ein Teil“

Prozess rund um Horror-Unfall in Tulbing: 22-Jährige aus Wölbling erlitt schwerste Verletzungen. Alkolenker kassierte bedingte Haftstrafe.

Alex Erber
Alex Erber Erstellt am 22. September 2021 | 06:10
Drogenlenker Alkolenker Symbolbild
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Foto: megaflopp, Shutterstock.com

Milzriss, offener Schädelbasisbruch, Kieferbruch, Jochbeinbruch, Bruch des Oberschenkels, Bruch des Unterschenkels, weitere Trümmerbrüche: Die Liste der Verletzungen, die sich eine 22-jährige Wölblingerin bei einem Verkehrsunfall zuzog, stammt aus dem Gruselkabinett. Richter Slawomir Wiaderek formuliert es beim Prozess am Landesgericht St. Pölten treffend: „Es ist ein Wunder, dass Sie heute hier vor mir sitzen, es ist ein Wunder, dass Sie überlebt haben.“

Die junge Frau befand sich im Mai auf dem Heimweg von Tulbing (Bezirk Tulln) kommend, wo sie ihre Ausbildung zur Kindergärtnerin absolviert. An einer Kreuzung bog plötzlich ein VW Amarok in die Landstraße ein, geriet auf die Gegenfahrbahn und rammte dort mit voller Wucht das Auto der Wölblingerin.

Mit 1,44 Promille viel zu schnell in die Kreuzung

Der Lenker muss sich nun vor Gericht verantworten. Beide Beteiligten haben an das Geschehen keine Erinnerung mehr, die Erhebungen der Polizei sowie die Aussage einer Zeugin sind jedoch eindeutig: Der Wagen des Pensionisten fuhr mit viel zu hoher Geschwindigkeit in die Kreuzung ein, das Opfer hatte keine Chance zu einem etwaigen Ausweichmanöver.

Der 63-jährige Einheimische hatte an einer Tankstelle eigenen Angaben zufolge drei Bier getrunken, was die 1,44 Promille erklären soll, mit denen er sich hinter das Steuer gesetzt hat. Der Mann ist unbescholten, es gab bisher auch im Straßenverkehr keinerlei Auffälligkeiten: „Es tut mir leid, ich hoffe, die Frau wird bald wieder gesund.“

Fünf Wochen stationären Aufenthalt im Spital, drei Wochen Physiotherapie und anschließend Rehabilitation in Allentsteig hat sie hinter sich. Weitere Operationen folgen: „Von der Schädeldecke fehlt noch ein Teil.“

Der Unfall-Lenker wird zu sechs Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt, mildernd war sein reumütiges Geständnis. Außerdem muss er 4.140 Euro berappen, an das Opfer sind 1.000 Euro zu bezahlen. Der Angeklagte nahm das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab: nicht rechtskräftig.