Hollabrunn ist gerüstet für die neue Zeit

Erstellt am 11. Mai 2022 | 04:35
Lesezeit: 3 Min
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Schulleiterin Marion Hofmann, Fachvorständin Katharina Eckl und Lehrerin Alexandra Fiedler mit den Schülerinnen Katja Trausmüller, Sophie Bayer und Anja Trausmüller im sogenannten „Jubiläumsgang“ der HLW, der anlässlich des 80-jährigen Jubiläums gestaltet wird.
Foto: Werner Prokop
HLW-Direktorin Marion Hofmann kostet der Spitzname „Knödelakademie“ nur ein müdes Lächeln. Längst sind Absolventen der Schule in Hollabrunn gefragte Fachkräfte.
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Kaum ein Schultyp war seit seiner Gründung 1941 mehr Wandlungen unterworfen wie die heutige HLW in Hollabrunn. Schulleiterin Marion Hofmann sprach mit der NÖN über die Entwicklungen der 80 Jahre der früher Frauen vorbehaltenen Schule.

NÖN: Wie beschreiben Sie die Wandlungsfähigkeit der HLW?

Marion Hofmann: Unseren Schultyp zeichnet ein großes Gespür für aktuelle Bedürfnisse und gesellschaftliche Veränderungen aus. Die Verantwortlichen der vergangenen 80 Jahre waren stets bemüht, die Lehr- und Lerninhalte an die Anforderungen ihrer Zeit anzupassen und mit Weitblick, Engagement und fachlichem Wissen zu agieren. Der zunehmende Anteil an männlichen Schülern, der vor allem seit der Einführung der Vertiefung „Wellness“ stetig steigt, zeigt zudem die Wandlungsfähigkeit unserer Schule.

Wäre eine „Haushaltsschule“ heute noch vorstellbar?

Hofmann: So, wie sie noch unsere Großmütter und Mütter kennen, definitiv nicht. Bügeln, Nähen, Kochen als Schwerpunkte sind nicht mehr zeitgemäß. Aber moderne Elemente erleben heute eine Renaissance. Tischkultur, Zubereitung veganer und vegetarischer Gerichte, Cocktails shaken, Kreieren neuer Kaffeeideen oder Herstellen süßer Leckereien sind Inhalte, die die Schüler ansprechen.

Beschreibt der ehemalige Spitzname „Knödelakademie“ einen niedrigeren Stellenwert?

Hofmann: Vor allem die ältere Generation verwendet den Spitznamen noch. Uns entlockt er aber nur mehr ein Lächeln. Neben zwei Fremdsprachen lernen die Schüler wirtschaftliche Grundlagen, erhalten eine umfassende Allgemeinbildung, die sie zum Studieren berechtigt, können sich in den Vertiefungsbereichen nach ihren Interessen weiterbilden und erwerben zusätzlich Kenntnisse und Fertigkeiten im fachpraktischen Bereich. Dort lernen sie neben ernährungs- und lebensmitteltechnologischen Inhalten, wie man richtig Knödel zubereitet.

Was waren die wesentlichen Schritte zur heutigen pädagogischen Prägung?

Hofmann: Der wesentlichste Schritt war sicherlich, dass die Verantwortlichen stets innovativ waren und gemeinsam mit den Schülern neue Wege beschritten haben. Dass unsere Schule heute rund 660 Schüler zählt, gibt unserer Philosophie eines offenen Hauses, das den unterschiedlichsten Bedürfnissen unserer Schüler gerecht wird, recht.

Hat sich mit der heutigen Ausrichtung die Anerkennung für den Schultyp verändert?

Hofmann: Das glaube ich ganz bestimmt, denn unsere Schulform macht die Absolventen für den Arbeitsmarkt konkurrenzfähig. Durch das verpflichtende Berufspraktikum und die fachpraktische Ausbildung erwerben unsere Schüler außerdem wichtige Schlüsselqualifikationen, die von der Wirtschaft gefordert werden.

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