Diskussion über Atommüll in Hardegg. Pläne zum Endlager in Grenznähe sind für Expertin unausgereift.

Von Sandra Donnerbauer. Erstellt am 13. Juli 2019 (03:27)
Donnerbauer
Diskutierten über alternative Möglichkeiten der Energiegewinnung (v.l.): Gottfried Brandner, Renate Brandner-Weiß, Christian Übl, Christoph Mayer, Hana Konvalinkova, Gregor Danzinger und Georg Ecker.

Tschechien sei besessen von Atomenergie; dies sei ein Erbe des totalitären Regimes, leitete Hana Konvalinkova ihren Vortrag beim 217. Waldviertler Energiestammtisch im Nationalparkhaus ein.

Entsprechend ungünstig sei die Gesetzgebung, um erneuerbare Energien zu forcieren und ebenso schwierig, an Informationen zu kommen, was das geplante Atommüll-Endlager betrifft.

Eine starke Kraft, die sich für transparente Entscheidungen einsetzt und darauf pocht, die betroffene Öffentlichkeit einzubeziehen, stellt Konvalinkova mit der „Platforma proti úložišti“ (Plattform gegen das Endlager) dar. 32 Städte und Gemeinden sowie 15 Vereine sind darin vereinigt.

Eine Eingrenzung der neun möglichen Standorte für das Atommüll-Endlager fand – obwohl im Herbst angekündigt – nicht statt. Zwei der möglichen Orte befinden sich mit Čihadlo und Na Skalním nur rund 40 Kilometer vom Bezirk Horn entfernt. Bis 2025 will man es auf einen konkreten Standort eingegrenzt haben; für die sogenannte „sichere Lagerung“ des Atommülls will Tschechien dann im Jahr 2065 bereit sein.

 „Jegliche Fragen zur Sicherheit blieben unbeantwortet. Das weckt unser Misstrauen.“ Hana Konvalinkova, Plattform gegen das Endlager 

Die Kosten von geschätzten 8,7 Milliarden Euro könne sich der Staat aktuell jedoch nicht leisten, vermutet Konvalinkova, dass der geplante Ausbau von Dukovany dies erst finanzieren soll.

Ebenso stütze man sich darauf, dass das Gestein diesem giftigsten Müll der Welt standhält. „Würde eine unterirdische Lagerung funktionieren, wäre das Problem für die nachfolgenden Generationen gelöst. Wenn nicht, wäre es fatal“, warnt Konvalinkova und kritisiert, dass selbst auf der zweitägigen Konferenz von Surao, der staatlichen Stelle, die für die Atommüllentsorgung zuständig ist, kein einziges Mal über mögliche Risiken der Endlagerung gesprochen wurde.

Auch jegliche Fragen zur Sicherheit blieben unbeantwortet, „das weckt in uns das Misstrauen“, führt die Expertin aus. Eine Zusammenarbeit mit Österreich würde der Plattform daher sehr helfen.

Unterstützung seitens österreichischer Politik

„Wir wollen, dass unsere tschechischen Freunde auch im österreichischen Parlament angehört werden“, hofft Renate Brandner-Weiß, hier den aktuellen Vorsitz Niederösterreichs im Bundesrat nutzen zu können.

Zu weiteren Vorträgen hatte die Teamsprecherin des Energiestammtisches außerdem Nationalparkdirektor Christian Übl, Gregor Danzinger (KEM Retzer Land) sowie Christoph Mayer (Wildfrucht) geladen. Sie referierten über ihre jeweiligen Bemühungen zum Klimaschutz und die Förderung erneuerbarer Energien.

Landtagsabgeordneter Georg Ecker (Die Grünen) machte abschließend auf das Klimavolksbegehren aufmerksam, das ab September zur Unterschrift stehen wird.