Sissi Pröll ist 70: „Hatte ein total erfülltes Leben“. Einstige First Lady Niederösterreichs spricht offen über ihr Privatleben.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 13. September 2020 (06:05)
Der Garten ist ihrRefugium, ihren Ginkobaum umarme sie öfter, sagt Sissi Pröll und breitet ihre Arme aus: „Ich habe danach einen besonderen Geist.“
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Sissi Pröll ist heuer 70 Jahre alt geworden und blickt auf ein erfülltes Leben zurück. Nächstes Jahr wird sie mit ihrem Mann die Goldene Hochzeit feiern. Das sind gute Gründe, um glücklich zu sein.

Das Interview gibt sie an einem ihrer Lieblingsplätze in Radlbrunn, dem „Brandlhof“. Sie ist „Pretty in Pink“, trägt ein korallfarbenes Kleid; Kette und Lippenstift sind aufeinander abgestimmt.

„Ich hab’ wirklich ein total erfülltes Leben gehabt.“ Als Sissi Pröll über die vergangenen Jahrzehnte erzählt, ist sie gerührt und dankbar. Sie hatte im April ihren 70. Geburtstag, als ganz Österreich noch unter dem Lockdown stand. Gefeiert wurde trotzdem, wenn auch nicht im großen Rahmen.

„Der Bonsai passt eigentlich nicht ins Weinviertel, aber wir sind tolerant.“Sissi Pröll lacht

Vor drei Jahren hat sich ihr Ehemann Erwin Pröll aus der Politik zurückgezogen, nun genießen die beiden die Zweisamkeit. Seit 2000 wohnen sie in Radlbrunn in einem Landhaus mit einem märchenhaften Garten, der ein leidenschaftliches Hobby von Sissi Pröll ist. „Jetzt ist sie in ihrem Element“, sagt Erwin Pröll, als seine Frau durch den Garten spaziert.

Apfelbäume, Pfirsichbäume, sogar einen Bonsaibaum haben die Prölls im Garten. „Der Bonsai passt eigentlich nicht ins Weinviertel, aber wir sind tolerant“, sagt sie scherzhaft.

Das Landleben in Radlbrunn gefalle ihr sehr, im Lockdown habe sie jeden Tag mit ihrem Mann Wanderungen durch die Weinberge unternommen oder war im Wald spazieren. Gelesen habe sie auch sehr viel in dieser Zeit, zum Beispiel Bücher von Felix Mitterer und Deborah Feldmann.

Sissi Pröll erzählt, dass sie immer erstaunt sei, wenn jemand Elisabeth zu ihr sagt, weil das eigentlich ein Zeichen sei, dass jemand sie nicht kenne. Ihre Mutter war ein Fan der Kaiserin Sisi, weshalb sie seit ihrer Kindheit auf diesen Namen hört.

Apropos Kindheit: Sissi Pröll wuchs in der Nähe des Türkenschanzparks in Wien auf. „Das war Natur pur. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, aber es war unbeschreiblich schön. Ich hab’ eine traumhafte Kindheit dort verbracht“, erinnert sie sich gerne.

„Habe die Zeit mit den Kindern genossen“

Eine genauso schöne Kindheit möchte sie ihren Enkelkindern, zu denen sie eine innige Beziehung hat, weitergeben. Immer, wenn sie zur Omi nach Radlbrunn kommen, unternehmen sie Ausflüge. „Letztens waren wir in der Amethyst Welt und im Haus der Natur. Besonders gerne zeige ich ihnen andere Kirchen und gehe mit ihnen zu ländlichen Festen im Dorf“, erzählt sie.

Sie möchte, dass ihre Enkelkinder eigenständige Erwachsene werden, und versucht, sie auch zu religiösen Menschen zu erziehen. „Ich möchte ihnen Selbstvertrauen und Bescheidenheit weitergeben.“

Im Umgang mit Kindern ist sie geübt. Einerseits wegen ihres früheren Berufes als Kinderkrankenschwester, andererseits, weil sie großteils die Erziehung ihrer vier Kinder übernommen hat. „Ich hab’ die Zeit mit den Kindern schon sehr genossen. Natürlich lag die Hauptverantwortung in der Erziehung bei mir, aber ich hatte immer die Möglichkeit, meinen Mann in Entscheidungen einzubeziehen.“

„Ich war immer schon ein sehr eigenständiger Mensch“, sagt die ehemalige First Lady von Niederösterreich. Sie fährt fort: „Wir waren einfach ein gutes Team. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ich die Begleitperson vom Erwin bin.“

Sie war 29 Jahre alt, als ihr Mann in die Politik ging. „Der Anfang war schon Neuland“, gibt sie zu. Da habe es Unsicherheiten gegeben, weil sie noch niemanden gekannt habe, doch die beiden hätten sich „schön parallel entwickelt“.

Seit Mai 2011 ist Sissi Pröll Präsidentin des Vereins „Hilfe im eigenen Land“. Dieser hieß ursprünglich „Katastrophenhilfe Österreichischer Frauen“ und half bei Naturkatastrophen. Sissi Pröll hat den Verein neu aufgestellt, jetzt wird vor allem bei menschlichen Katastrophen geholfen. Die Hilfsorganisation sei sehr persönlich. Ziel sei es, nachhaltig zu helfen, „denn die Schicksale hören nicht auf“, sagt Sissi Pröll. Der Verein zahlt im Jahr um die 600.000 Euro aus.

Zurück zum Ehepaar Pröll. „Die Gefühlsebene stimmt einfach bei uns beiden“, sagt Sissi Pröll. Bei der Frage, wie Erwin Pröll seine Gattin beschreiben würde, lächelt er und sagt: „Das ist unbeschreiblich.“

Das Porträt entstand in Zusammenarbeit zwischen der Katholischen Medien Akademie (KMA) und der NÖN.