Alte Gärtnerei wird in Seefeld-Kadolz zum Treffpunkt

Erstellt am 15. Juni 2022 | 10:37
Lesezeit: 3 Min
Gerhard Schmidbauer setzt Vision von ökologischer Gemeinschaft im Dorf um.
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Ein interessantes und gleichzeitig sehr herausforderndes Projekt soll in Seefeld-Kadolz entstehen. Ideengeber ist der Künstler Gerhard Schmidbauer, der bereits seit Längerem hier lebt. Er hat die vormalige Gärtnerei Tötzl gekauft, deren Besitzer nach seiner Pensionierung keinen Nachfolger gefunden hatte.

„Als Kunstschaffender sehe ich ökologische Projekte gerade in der aktuellen Zeit als notwendig an“, erklärt Schmidbauer. Die Gärtnerei mit rund 4.300 m² Fläche soll wiederbelebt werden. Allerdings soll eine andere, neue Form der Zugänglichkeit geschaffen werden – hier soll ein Treffpunkt, Arbeits- und Aufenthaltsort für Menschen in Seefeld-Kadolz entstehen.

Gute Beziehungen sollen gepflegt werden

Was kann man sich darunter vorstellen? „Wir wollen eine Gemeinschaft bilden, die dieselben Werte vertritt – Weltoffenheit, Lernbereitschaft, Hilfsbereitschaft und Empathie. Nach dem Prinzip der Entstehung und Erhaltung von körperlicher und seelischer Gesundheit und der Freude am gemeinsamen Schaffen“, sagt Schmidbauer. Man will besonders auf gute Beziehungen achten, denn das bedeute „das Fördern eines Menschenbildes, das jeden Einzelnen mit seinen Ansichten und Grundbedürfnissen als Individuum sieht“.

Die Gärtnerei soll großteils gemeinsam bewirtschaftet werden. Für Zuzügler werden alte Wohnhäuser angekauft oder gemietet, die dann gemeinsam renoviert und instandgehalten werden. Als Organisationsform wird die „Soziokratische Kreisorganisations-Methode“ (SKM) gewählt. Vorbild dabei sind die Cohousing-Projekte für gemeinschaftliches Wohnen, von denen in den letzten zehn Jahren mehr als 40 in Wien und Wien-Umgebung entstanden sind.

Nächster Schritt: Eine Kerngruppe bilden

Das Projekt Schmidbauers beruht auf einer tiefenökologischen Grundlage. Besonders schätzt er die Aussagen des deutschen Autors Jochen Kirchhoff. Der Begriff „Tiefenökologie“ wurde allerdings von dem norwegischen Philosophen, Umweltschützer und Bergsteiger Arne Næss Anfang 1950 eingeführt und bedeutet, dass der Mensch mit der Natur stärker in Beziehung treten soll.

Ziele sind weniger Konsum und weniger Abfall zu produzieren. Für Schmidbauer ist klar, dass es einen längeren Umsetzungsprozess brauchen wird. „Wir stehen am Anfang und möchten als nächsten Schritt die Kerngruppe bilden.“ In den Wirtschaftsgebäuden der Gärtnerei wird es eine Gemeinschaftsküche und einen Essensraum geben. Das soll gerade zu Beginn den Kennenlernprozess fördern. Geplant sind auch eine Ausschreibung für Interessierte, die Erstellung einer Website sowie die Ausarbeitung des Organisationsmodells samt Finanzierung.

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