Hochwasserschutz: Neue „Grabenkämpfe“ in Dietersdorf. Anrainer kritisieren, dass keine Rücksicht auf Natur genommen wird. Stadtwerke-Chef: „Irgendwie verrückt.“

Von Sandra Frank. Erstellt am 09. Mai 2019 (05:40)
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„Das sieht aus wie eine Wüste“, ärgert sich Georg Ecker über den Kahlschlag eines Grabens in der Nähe von Dietersdorf.

„Es gibt Beschwerden, dass dies ohne Rücksicht auf die Natur erfolgt sei“, spricht Georg Ecker, Landtagsabgeordneter der Grünen, darüber, dass rund um Hollabrunn Gräben ausgebaggert worden sind. Büsche und Sträucher wurden dabei umgeschnitten, obwohl diese von Vögeln und Kleintieren als Nistplätze ausgesucht werden.

Ecker ist bewusst, dass es dabei um den Hochwasserschutz geht, aber: „Ich erwarte bei solchen Maßnahmen, dass Rücksicht auf unsere Natur genommen wird.“ Konkret: dass solche Arbeiten eben nicht zur Brutzeit erfolgen und dass gesunde Bäume stehen bleiben können. Denn diese hätten eine wichtige Funktion, um den Wasserhaushalt zu regulieren und Wind von den Feldern abzuhalten. „Das wird bei uns aufgrund der klimabedingten zunehmenden Trockenheit immer wichtiger“, meint Ecker.

Diese Vorwürfe lassen Bauhof-Chef Thomas Bauer, der sich immer wieder die Kritik gefallen lassen muss, die Gemeinde kümmere sich zu wenig um Flure und Gräben der Katastralgemeinden, mit dem Kopf schütteln.

„Wann sollen wir unsere Arbeit machen?“

„Irgendwie ist es verrückt: Auf der einen Seite sollen die Gräben, Hochwasserschutz-Becken und sonstigen Einrichtungen bei Unwettern funktionieren.“ Auf der anderen Seite dürfe die Gemeinde aber nur dann arbeiten, wenn „im Frühjahr keine Vögel brüten, im Sommer keine Ernte ist, im Herbst die Igel keine Insekten suchen und es im Winter nicht friert“, zählt Bauer auf und fragt sich: „Wann sollen wir dann unsere Arbeit machen?“

Er klärt auf NÖN-Nachfrage auf: Der Graben in der Nähe von Dietersdorf sei Ende Februar ausgeputzt worden. „Also lange vor der Brutzeit von Vögeln.“ Der Grund für die Arbeiten sind Erhaltungsmaßnahmen, der Graben diene der Ableitung von Regenwasser, „insbesondere bei Starkregenereignissen“. Damit das funktioniere, muss der Graben seinen vollen Querschnitt ausnutzen. Darum wurden etwa fünf Bäume entfernt.

„Sie waren zum einen nicht mehr gesund, zum anderen wird die Funktion des Grabens durch Bäume im Abflussbereich behindert“, erklärt Bauer. Im unteren Bereich des Grabens wurden jene Bäume stehen gelassen, die den Wasserfluss nicht behindern.

„Ich lade gerne die ewigen Nörgler ein, sich dann bei den Aufräumungsarbeiten nach Unwetterereignissen zu beteiligen“, ärgert sich der Stadtwerke-Chef über die „Besserwisser“.