Forum Schrattenthal: Jobs zurück in die Region bringen. Die Arbeitswelt wird sich durch Digitalisierung ändern. Die ländliche Region kann davon profitieren, so die Experten.

Von Sandra Donnerbauer. Erstellt am 03. März 2019 (07:21)
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Stefan Gratzl weiß, dass sich Berufsfelder verändern, lebenslanges Lernen wird notwendig. Eva-Maria Himmelbauer meint, dass man auch diebestehenden Firmen der Region bei der Digitalisierung unterstützen muss.

Wir buchen Urlaubsreisen online statt im Reisebüro, teilen beim Wintersport die zurückgelegte Strecke per App mit unseren Freunden und haben gleichzeitig eine Auswertung, wie sich der Sport auf unsere Gesundheit ausgewirkt hat. Anhand dieser Beispiele zeigte Gerhard Wanek, dass die Digitalisierung längst unser Freizeitleben erreicht hat.

Kaum jemand sei nicht rund um die Uhr online und verfügbar, stellte der Fachgruppensprecher für Unternehmensberatung und IT in der Wirtschaftskammer NÖ fest.

Was das wiederum für die Wirtschaft bedeutet, versuchte man bei der zweiten Veranstaltung des „F O R U M Schrattenthal“ am Donnerstag gemeinsam herauszufinden. „Digitalisierung und Innovation als Motoren für die Wirtschaft am Land 2025“ war das Thema des Abends im Rathaussaal 4.0.

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Andrea Schubert vermietet Kirschbäume überwiegend online. IT-Experte Gerhard Wanek sieht in einem schnellen Internet eine Chance für dieRegion, um Firmen anzulocken.

Ob die Digitalisierung letztlich mehr Arbeitsplätze schafft oder vernichtet, könnten bislang auch Studien nicht voraussagen, führte Wanek weiter aus. Fakt sei jedoch, dass gewisse Jobs verschwinden werden. „Umso wichtiger wird es, sich lebenslang weiterzubilden“, sieht der Experte die passende Ausbildung als Faktor, um auch künftig von seinem Beruf leben zu können.

Dass sich Berufsfelder deutlich rascher verändern als früher, findet auch Stefan Gratzl, Leiter der Abteilung Bildung in der Wirtschaftkammer NÖ. „Ein Rauchfangkehrer hat früher den Kamin gekehrt, heute ist er der Umwelttechniker schlechthin“, nennt er ein Beispiel dafür. Den Job, den man einmal lernt und bis zur Pension ausübt, gebe es längst nicht mehr.

Produktion zurückholen aus Billiglohnländern

Hingegen biete die Digitalisierung auch die Chance, Produktionsbetriebe wieder von den Billiglohnländern zurückzubringen. Eine automatisierte Halle koste überall dasselbe, Europa könne jedoch mit dem Know-how der gut ausgebildeten Techniker punkten.

Für viele Unternehmen sei schon jetzt der Standort relativ egal, lediglich Platz und eine ausgezeichnete Internetleitung seien relevant, weiß eine Unternehmensberaterin aus dem Publikum. Das sei eine Chance für die ländlichen Regionen. „In den letzten Jahrzehnten sind viele gut ausgebildete Menschen nach Wien abgewandert. Durch das Internet können wir Arbeitsplätze wieder aufs Land bringen“, sieht auch Schrattenthals Bürgermeister Stefan Schmid in der Glasfaserleitung den Weg für eine wachsende Bevölkerung im Retzer Land.

Nationalratsabgeordnete Eva-Maria Himmelbauer erkennt gleichzeitig eine Möglichkeit, die leerstehenden Häuser in den Ortskernen wieder zu nutzen. „Das Co-Working-Center in Pulkau ist schon ein schönes Beispiel“, kann sie sich weitere ähnliche Projekte für die Region vorstellen. Allerdings dürfe man auch die bereits bestehenden Unternehmen nicht vergessen und müsse „ihnen helfen, auf diesen Zug aufzuspringen“.

Erfolgreich damit ist bereits Andrea Schubert, die in Schrattenthal vor einigen Jahren ihr Unternehmen Kirsch’me gegründet hat. „Meine Kirschbäume vermiete ich ausschließlich online. Das alles funktioniert nur, weil es das Internet gibt.“