Wie in freier Wildbahn in Hohenwarth. Uschi Krcal eröffnet im September einen „Aktivstall“ für Pferde in Hohenwarth.

Von Sylvia Stark. Erstellt am 11. Juli 2019 (04:21)
Stark
Uschi Krcal mit dem eigenen Pferd Mona. Mit der neuen Anlage werden die Tiere eine artgerechte Haltung erfahren.

Naturnahe Tierhaltung soll sich nun auch bei Pferden durchsetzen. Pferdebesitzerin Uschi Krcal aus Hohenwarth setzt mit dem Bau eines „Aktivstalls P9“ hinter der Kirche jedenfalls auf das Tierwohl in der Pferdehaltung.

„Mit dem Bau will ich von der herkömmlichen Boxenhaltung wegkommen“, sagt sie: „Denn die Tiere in einer Box haben genauso viel Platz wie ein Huhn in der Käfighaltung.“

Wenn man sich die natürliche Bestimmung des Steppentieres vor Augen hält, ist die Boxenhaltung in Ställen nicht artgerecht. „Die Pferde leben eigentlich auf einem Wohnklo, stehen im eigenen Urin und atmen den darin enthaltenen Ammoniak ein“, meint Krcal zur konventionellen Haltung.

Durch den Ammoniak entstehen Krankheiten, die auf die Lunge gehen. Durch das viele Stehen leiden die Gelenke und es können leichter Koliken entstehen.

Die Natur des Pferdes sei jedoch, dass es sich ständig bewegt. In der freien Wildbahn ist es den ganzen Tag mit Fressen und Gehen beschäftigt. Mit den neuen Formen des „Aktivstalls“ sollen Pferde wieder möglichst an die ursprünglich bestimmte Lebensform herangeführt werden.

„Ziel ist es, die Tiere wieder möglichst an die ursprünglich bestimmte Lebensform heranzuführen.“Uschi Krcal

In dem Stall, der im September eröffnet wird, werden verschiedene Bodenmatten verlegt. „Diese fühlen sich für die Tiere wie Moos an. Wir verlegen härtere und weichere sogenannte Pferdebetten“, erklärt Krcal.

Ebenso werden zum Gehen verschiedene Untergründe angeboten. Dadurch werde der Hufmechanismus gestärkt, erklärt die Pferdewirtschaftsfacharbeiterin.

Die Pferde können sich den ganzen Tag frei bewegen. Kann der Tierbesitzer seinen Vierbeiner ein paar Tage nicht besuchen, spielt das keine Rolle.

NOEN
Die neuen luftgepolsterten Pferdematten werden verlegt.

Uschi Krcal führt die NÖN- Mitarbeiterin hinaus auf den Wälz- und Spielplatz ihrer Lieblinge. Der große Wälzplatz ist sozusagen die Sandkiste, da es die Pferde lieben, sich im Sand zu wälzen. Er ist durchbrochen von Rundwegen. Dort gibt es verschiedene Stationen für die Rösser.

Die Futterausgabestation liest mithilfe eines Transponders von einem Chip, welcher mit einem Band am Vorderbein des Tieres befestigt ist, die genaue Futtermenge ab. Die Tiere werden mit vier verschiedenen Futtersorten versorgt. Der Trog steht aber nur für eine gewisse Zeit bereit.

Daher bietet der „VIP-Bereich“ nebenan für kranke oder alte Tiere eine eigene Zone für jene an, die nur langsam fressen können. Damit sich die Tiere auch an der großartigen Aussicht von den Weingärten Hohenwarths in das Donautal ergötzen können, steht schließlich noch ein überdachter „View Point“ zu deren Verfügung – optimal für klassische Fluchttiere.

Schattiges Naschen und Wellnessdusche

Am Gelände geht man immer wieder an Erdwällen vorbei, die später mit Apfelbäumen bepflanzt werden. „Die Pferde bekommen dadurch Schatten und gleichzeitig können sie die Äpfel naschen“, sagt Uschi Krcal, „und ich erspare mir das Sammeln der Äpfel.“

Praktisch ist auch die nächste Station, die Tränke. Diese ist aus dem Erdreich ausgehoben und füllt sich automatisch mit Wasser. Im Winter sorgen Heizstäbe dafür, dass die naturnahen Trinkquellen nicht einfrieren.

Das absolute Highlight am Spielplatz ist die Sprühnebelanlage. Wassertropfen im Mikrobereich erfrischen die Vierbeiner mit einer „Wellnessdusche“.

Nach dem „Spa-Programm“ geht’s zum „Heutimer“ – dort steht Raufutter bereit. „Bei der Heuanlage plante ich um 25 Prozent mehr Platz ein, damit es keine Rangkämpfe gibt“, klärt Krcal auf: „Nach einer gewissen Zeitspanne schließt die automatische Heuausgabe wieder.“

Wenn sich die Pferde außerhalb des Wälz- und Spielplatzes bewegen wollen, stehen noch großzügige Weiden zur Verfügung. „Sie müssen nur durch die Weidentür gehen, die sich ab vier Uhr morgens automatisch öffnet“, sagt Krcal.

Das ganze Gelände samt eingezäuntem Weidenbereich beläuft sich auf fünf Hektar. Wie bei jedem Pferdestall gehört noch ein Reitplatz mit den Standardmaßen von 20 mal 60 Metern dazu; eine moderne Reithalle mit Sattelkammer und überdachtem Putzplatz ebenso.

„Die Umsetzung des Aktivstalls ist mein absoluter Lebenstraum“, strahlt Krcal, „ ohne die Unterstützung von Bürgermeister Martin Gudenus und Vizebürgermeister Leopold Sutter wäre das jedoch nicht möglich gewesen.“

Übrigens: Der „Pferdeaktivstall“ in Hohenwarth sei der modernste seiner Art in der Region. Überhaupt gibt es nur vier „Aktivställe“ mit Einstellbetrieb in Niederösterreich. In Deutschland ist diese Form der Pferdehaltung hingegen bereits sehr verbreitet.